Le Pétomane

23. Oktober 2016 16:59; Akt: 23.10.2016 16:59 Print

Seine Fürze machten ihn stinkreich

Nur Houdini verdiente damals mehr als Joseph Pujol. Der Kunstfurzer war ein europäischer Superstar und trat sogar vor Königen auf.

Dieser Stummfilm von 1900 soll Le Pétomane in Aktion zeigen. (Video: PD)
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Wer heute öffentlich furzt, gilt als Primitivling erster Güte. Gelacht wird darüber längst nur noch in seichten Hollywood-Komödien. Doch das war nicht immer so. Es gab eine Zeit, da liess sich mit Fürzen viel Geld verdienen.

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Und keiner kassierte mit Pupsen mehr als Joseph Pujol, der als Kunstfurzer vom Moulin Rouge in die Geschichte einging. Zu seinen besten Zeiten soll er am Tag 20'000 Francs verdient haben.

Das war mehr als das Doppelte von dem, was die damals berühmteste Schauspielerin Sarah Bernhardt verlangen konnte. Nur Houdini, der Entfesselungskünstler, soll damals noch mehr kassiert haben.

Vogelgezwitscher und Kanonenschüsse

Pujol, der 1857 in Marseille auf die Welt gekommen war, erkannte sein Talent früh. Am Strand lernte er, durch Kontrolle seines Schliessmuskels, grosse Mengen Wasser anzusaugen. Bis zu zwei Liter, heisst es. Dieses liess er anschliessend auf vielfältige Art wieder ab, was ihm zu einiger Bekanntheit in Südfrankreich verhalf.

Der grosse Durchbruch kam schliesslich, als er statt Wasser auf Luft als Medium für seine Kunst setzte. Er brachte eine bemerkenswerte Vielfalt an Tönen heraus. Von Vogelgezwitscher über Donnerschläge bis hin zu Kanonenschüssen.

Auch die französische Nationalhymne und populäre Melodien wie «Au clair de la lune» gab er zum Besten. Das Publikum sang oft mit Inbrunst mit. Der Kunstfurzer konnte mit seinem Anus auch eine Zigarette «rauchen» oder die Okarina und sogar die Tuba spielen. Nur die Luftgitarre gehörte, soweit bekannt ist, nicht zu seinem Repertoire.

Star im Moulin Rouge

Pujol, der sich inzwischen «Le Pétomane» (péter heisst auf Französisch furzen) nannte, begann zu Beginn der 1890er-Jahre Paris zu erobern. Elegant im Frack gekleidet trat er auf der Elefantenbühne des berühmten Moulin Rouge auf. Er spielte vor dem britischen Thronfolger Edward und dem belgischen König Leopold II.

Seine Shows waren immer ausverkauft. Das Theater soll extra Ärzte angestellt haben, die sich um Zuschauer kümmerten, die sich vor Lachen nicht mehr einkriegten.

Fünf Minuten Dauerfurzen

1895 verliess er das Moulin Rouge im Streit und gründete seine eigene Zeltbühne namens «Théâtre Pompadour», mit der er auf Tournee ging. 1906 ergänzte er sein Programm um ein grandioses Finale: Eine fünfminütige Darbietung des grossen Erdbebens, das im gleichen Jahr San Francisco erschüttert hatte.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 beendete er seine Karriere und kehrte in seinen angestammten Beruf als Bäcker zurück und sollte bis zu seinem Tod im Jahre 1945 nie mehr für Geld furzen.

Vom Pétomane existieren keine Tonaufnahmen, allerdings rief sein enormer Erfolg viele Imitatoren auf den Plan. Und von einem solchen, offenbar nicht sonderlich begabten Kunstfurzer gibt es eine Aufnahme von 1904:


(Video: Youtube/CURIOSITYPHONO)

Die obige Stummfilmaufnahme mag den einen oder anderen an einen Sketch aus «Monty Python’s Flying Circus» erinnert haben: «Der Mann mit dem Kassettenrekorder in seiner Nase»:

(Video: Youtube/SiestaZ)

In den Nullerjahren des 21. Jahrhunderts versuchte sich ein Engländer unter dem Pseudonym Mr. Methane in der Kunst des Furzens:

(Video: Youtube/SusanBoyles)

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rosenfuchs am 23.10.2016 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Geschmäcker verändern sich

    Ein gutesbBeispiel dafür, dass vor 100 Jahren der Geschmack des Publikums noch etwas deftiger war als er heute ist.

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  • marina am 23.10.2016 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin ein Star!

    juhhuuuuui! Ich bin ein Star auf meinem Sofa! Will mich jemand sehen?Oder besser gesagt briechen? Narkose garantiert inklusive haha

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  • auch pupser am 23.10.2016 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    In die Hose..

    ... möchte nicht wissen, wieviele male er sich beim üben in die Hose gesch..... hat ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Robert am 24.10.2016 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Berühmte Vorfahren

    Das ist der berühmte Vorfahre von Milo Moiré...

  • Bonifatz am 24.10.2016 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig normal

    "Am Strand lernte er, durch Kontrolle seines Schliessmuskels, grosse Mengen Wasser anzusaugen. Bis zu zwei Liter, heisst es." Okay...das lassen wir jetzt einfach mal so stehen..Jeder hat ja andere Hobbies =-O

    • Bavaria Blu am 24.10.2016 08:59 Report Diesen Beitrag melden

      Yes!

      Der hat sicher auch den einen oder anderen Fisch reingezogen. Die Fäulnisgase taten dann den Rest...

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  • tomtom am 24.10.2016 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schock

    Habe soeben gedacht der Lautsprecher an meinem Mac ist kaputt!

  • Milo am 24.10.2016 00:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Milo sagt

    Na ja aber auch in der heutigen Zeit finden es die Leute lustig, wie die Castingshow zeigt.

  • Thomas Gross am 23.10.2016 23:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    graf hértzog

    alter falter, mit was man berühmt werden kann, auf die idee muss man zuerst kommen. mit dem anus luft einsaugen, wie geht deeeessssss? und hat die luft die er wieder rausgepupst hat wohl wie ein normaler furz gestunken? fragen über fragen.....