Sensationsfund

04. Februar 2013 20:03; Akt: 04.02.2013 20:03 Print

Es ist das Skelett des Shakespeare-Schurken

500 Jahre lagen die Gebeine im Boden; im August 2012 wurden sie unter einem Parkplatz in Leicester gefunden. Jetzt belegt ein DNA-Test: Das Skelett stammt tatsächlich vom englischen König Richard III.

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Der König ist tot – lang leben seine Gebeine. Britische Wissenschaftler präsentierten am 4. Februar 2013 die sensationelle Meldung, dass das Skelett des britischen Königs Richard III. (1452–1485) zweifelsfrei identifiziert werden konnte. Die königlichen Gebeine waren im August 2012 unter einem Parkplatz in Leicester entdeckt worden. Sie galten während Jahrhunderten als verschollen. Historiker gingen stets davon aus, dass Richard III. in Leicester in einer Franziskaner-Kirche bestattet wurde. Das Skelett wurde an einer Stelle exhumiert, an der damals mutmasslich der Chor der Kirche gestanden hatte. Am 4. Februar 2013 vermeldeten die Wissenschaftler dann die Erfolgsmeldung: Die Knochen stammen tatsächlich vom legendären englischen König Richard III., wie die Knochenspezialistin Jo Appleby an einer Pressekonferenz im britischen Leicester erläutert. Der Schädel sei in gutem Zustand, sagte die Wissenschaftlerin. Am Schädel konnten auch Verletzungen nachgewiesen werden. Ein Loch am Hinterkopf weist auf eine Wunde am royalen Kopf hin. Bei den Stellen am Hinterkopf, die auf dieser Röntgenaufnahme des Schädels mit B und C markiert sind, soll es sich um potenziell tödliche Wunden handeln. A bezeichnet die Stelle, an der die Halswirbelsäule auf den Schädel trifft. Spannend ist auch die gekrümmte Wirbelsäule. Hier fanden die Forscher eine eingedrungene Pfeilspitze. Der König starb 1485 in der Schlacht von Bosworth. Minutiös untersuchten die Wissenschaftler das Skelett. Hier sehen wir einen Teil des royalen Beckens. Der Kiefer des knapp 33-Jährigen verfügt noch ... ... über fast alle Zähne. Für die Identifizierung der Gebeine stützten sich die Wissenschaftler auf DNA-Proben des 55-jährigen gebürtigen Kanadiers Michael Ibsen, eines in London lebenden Neffen Richards in der 17. Generation. Mit Richards Tod in der Schlacht von Bosworth 1485 kamen die Rosenkriege zu einem Ende; der jahrzehntelange Machtkampf der Häuser York und Lancaster um den englischen Thron. Beide Dynastien waren Nebenlinien des Hauses Plantagenet; Richard III. war der letzte englische König aus dieser Dynastie. Der legendäre König wurde durch das Drama «Richard III.» von William Shakespeare unsterblich. Das Dichtergenie porträtierte den König als machthungrigen Schurken, der um seiner Herrschaft willen über Leichen ging.

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Nach einer aufsehenerregenden Suche haben britische Wissenschaftler den Fund der fast ein halbes Jahrtausend Jahre alten Gebeine von König Richard III. bestätigt. Die Knochen waren im August 2012 unter einem Parkplatz in Leicester entdeckt worden, nachdem sie Hunderte Jahre als verschollen galten.

«Wir können ohne Zweifel feststellen, dass es sich bei dem Skelett um Richard III. handelt», sagte Chef-Archäologe Richard Buckley von der Universität Leicester am Montag.

Die Forscher hatten mit DNA-Material ein biologisches Profil der Charakteristika des Königs erstellt und die Knochenreste auf Spuren untersucht, die auf einen gewaltsamen Tod hindeuteten.

DNA-Proben erhielten sie von dem 55-jährigen kanadischstämmigen Michael Ibsen, einem in London lebenden Neffen Richards in der 17. Generation. Historiker gingen stets davon aus, dass Richard III. in Leicester in einer Franziskaner-Kirche bestattet wurde. Das Skelett wurde an einer Stelle exhumiert, an der mutmasslich der Chor der Kirche gestanden hatte.

Gewaltsamer Tod

Vor der Pressekonferenz am Montag hatte Ausgrabungsleiter Jo Appleby erklärt, der gefundene Schädel sei «in gutem Zustand». Er habe viele Einzelheiten über den Toten verraten.

Auf einem von der Universität vorab veröffentlichten Foto ist ein Totenschädel zu sehen, an dessen Hinterkopf Spuren einer Wunde erkennbar sind und der noch über fast alle Zähne verfügt. Die gekrümmte Wirbelsäule weist eine eingedrungene Pfeilspitze auf. Richard III., der England von 1483 bis 1485 regiert hatte, war 1485 in der Schlacht von Bosworth gefallen. Dort soll er laut Shakespeare die berühmten Worte gesprochen haben: «A horse, a horse, my kingdom for a horse!» (Ein Pferd, ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd!). Richard war der letzte englische Monarch, der auf dem Schlachtfeld starb.

Schurke von Shakespeares Gnaden

Richards gewaltsamer Tod gilt als Ende der Rosenkriege, dem jahrzehntelangen blutigen Machtkampf der Häuser York und Lancaster, die beide Nebenlinien des Hauses Plantagenet waren. Mit Richard starb der letzte König aus dieser ursprünglich französischen Herrscherdynastie; sein Schicksal wurde von William Shakespeare in dem Drama «Richard III.» verewigt.

Nicht zuletzt das englische Dichtergenie ist deshalb verantwortlich für den durchwegs negativen Ruf, den Richard seit seinem Tod geniesst: Er wird dort als skrupelloser Machtmensch porträtiert, der um seiner Herrschaft willen über Leichen geht. Der Schurke auf dem Thron, so geht die Legende, liess unter anderem seine beiden Neffen im Tower ermorden. Heute gehen Historiker davon aus, dass Richard die meisten ihm vorgeworfenen Verbrechen gar nicht begangen haben kann.


Dokumentation (engl.): «The Search for King Richard III – The Archaeological Dig»


(Quelle: Youtube/UniversityLeicester)


Dokumentation (engl.): «The Search for King Richard III – The Genealogy»


(Quelle: Youtube/UniversityLeicester)


Trailer (engl.): «Richard III.» (1995), eine moderne Adaption des Shakespeare-Dramas


(Quelle: Youtube/micarone)


«The Death of King Richard III» (engl.), aus «Richard III.» (1955)


(Quelle: Youtube/blyon1989)

(dhr/sda)