Amerikas Kriegseintritt

07. Dezember 2011 19:29; Akt: 07.12.2011 19:29 Print

Roosevelt und die Pearl-Harbor-Verschwörung

von Peter Blunschi - Hat Präsident Franklin D. Roosevelt über den japanischen Angriff in Hawaii vor 70 Jahren Bescheid gewusst? Verschwörungstheoretiker sind überzeugt, er habe damit den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg erzwingen wollen.

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Infografik zum Angriff auf Pearl Harbor.

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Eines unterscheidet den 7. Dezember 1941 vom 11. September 2001: Niemand behauptet ernsthaft, die USA hätten den Angriff auf ihre Pazifikflotte in Pearl Harbor selbst inszeniert. Die «Täterschaft» der kaiserlich-japanischen Marine steht ausser Zweifel. Doch ähnlich wie bei 9/11 sind auch im Fall von Pearl Harbor viele davon überzeugt, dass die US-Regierung im Vorfeld Bescheid gewusst und den Angriff provoziert oder zumindest zugelassen hat. Dadurch sollte der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg herbeigeführt werden.

Tatsache ist: US-Präsident Franklin D. Roosevelt war gewillt, dem britischen Premierminister Winston Churchill zu Hilfe zu eilen. Dieser führte an der europäischen Westfront einen einsamen Kampf gegen Nazi-Deutschland. Doch die Vereinigten Staaten hatten die Grosse Depression kaum überwunden, entsprechend stark war die isolationistische Gesinnung. Eine grosse Mehrheit der US-Bevölkerung lehnte eine «Einmischung» in den europäischen Krieg ab. Nach dem 7. Dezember 1941 wandelte sich die Stimmung faktisch über Nacht. Der «Tag der Schande» – so Roosevelt – setzte die amerikanische Kriegsmaschinerie in Gang.

Flugzeugträger in Sicherheit gebracht?

Drei Tage nach dem japanischen Angriff erklärte auch Deutschland den USA den Krieg – Roosevelt schien sein Ziel erreicht zu haben. Schon damals äusserten Kritiker Zweifel daran, dass die US-Regierung von den Japanern wirklich überrascht wurde. Bis heute blühen die Verschwörungstheorien rund um Pearl Harbor. Der Historiker Robert Stinnett behauptete in seinem Buch «Day of Deceit» (Tag der Täuschung), die USA hätten den japanischen Marinecode JN-25 schon vor dem Angriff geknackt. Weil die japanische Flotte zudem die Funkstille nicht eingehalten habe, sei man über ihre Bewegungen im Bild gewesen.

Hinzu kommen weitere Ungereimtheiten, besonders die Tatsache, dass die beiden in Hawaii stationierten US-Flugzeugträger «Enterprise» und «Lexington» sich ausgerechnet am Tag des Angriffs nicht im Hafen befunden hatten. Wurden sie rechtzeitig in Sicherheit gebracht? Tatsächlich hielt sich der materielle Schaden durch den japanischen Angriff in Grenzen. Die knapp 2500 getöteten Amerikaner habe man zynisch in Kauf genommen – ähnlich wie 60 Jahre später die rund 3000 Todesopfer in den New Yorker Twin Towers.

Hinweise zu wenig beachtet

Doch genau wie bei 9/11 halten die meisten seriösen Forscher die Verschwörungstheorien rund um Pearl Harbor für baren Unsinn. Der Marinecode etwa wurde erst im Frühjahr 1942 geknackt, und die Funkstille wurde von den Japanern sehr wohl beachtet. Es gab zwar Funksprüche, doch die wurden vom Festland abgeschickt, um die Amerikaner zu täuschen. «Weder Roosevelt noch sonst jemand in seiner Regierung wusste, dass die Japaner Pearl Harbor angreifen würden. Es gab keine Verschwörung», sagte der Historiker Craig Shirley, Autor eines neuen Buches über Amerikas Kriegseintritt, dem britischen «Telegraph».

Zwar habe es Hinweise gegeben, dass Japan eine militärische Aktion gegen US-Einrichtungen plante, doch diese seien zu wenig beachtet worden. Bereits im Januar 1941 berichtete Joseph Grew, der amerikanische Botschafter in Japan, von Gerüchten über einen Angriff auf Pearl Harbor. In den folgenden Monaten gab es weitere Indizien in diese Richtung. Doch niemand hielt einen solchen Husarenstreich für realistisch. Eher dachte man an einen Angriff auf eine Militärbasis auf den Philippinen.

Zweite Angriffswelle abgesagt

«Man konnte sich nicht vorstellen, dass die Japaner die Kühnheit besassen, eine Armee Tausende Meilen über den Pazifik zu bewegen, um Hawaii anzugreifen», sagt Shirley. Genauso wenig hielt man 2001 einen Angriff mit vier Flugzeugen auf die Symbole von Amerikas wirtschaftlicher und politischer Macht für möglich. Pearl Harbor war wie 9/11 nicht das Ergebnis einer Verschwörung, sondern von Schlamperei und Inkompetenz.

Zudem hätte der relativ geringe Schaden in Pearl Harbor weit schlimmer ausfallen können. Denn die Reparaturanlagen und die Ölvorräte im Kriegshafen wurden nicht getroffen. Sie wären das Ziel einer zweiten japanischen Angriffswelle gewesen. Diese wurde jedoch vom Befehlshaber Admiral Nagumo abgesagt, weil es bereits spät war und Landungen auf Flugzeugträgern bei Dunkelheit damals zu gefährlich waren. Eine zweite Attacke hätte vermutlich auch den Flugzeugträger «Enterprise» getroffen, der am Nachmittag in Pearl Harbor eingelaufen war.

Nur 17 Schlachtschiffe

Ein Aspekt wird ebenfalls oft übersehen: Amerika war 1941 nicht die hochgerüstete Supermacht von heute. «Wir hatten ein kleines Heer, eine kleine Marine und eine sehr kleine Luftwaffe», sagte der Historiker David Martinez, ein Mitarbeiter der Pearl-Harbor-Gedenkstätte, der Nachrichtenagentur AFP. So besassen die USA damals nur 17 Schlachtschiffe, von denen acht in Hawaii ankerten. Dass nur zwei – die «Arizona» und die «Oklahoma» – irreparabel beschädigt wurden, liess sich wohl kaum voraussehen.

Nicht Kalkül, sondern pures Glück hat dazu geführt, dass die US-Marine am 7. Dezember 1941 einigermassen ungeschoren davon kam und Amerika seine Kriegsvorbereitungen mit voller Kraft vorantreiben konnte. Und schliesslich spricht ein wichtiger Aspekt gegen eine Verschwörung: Sie hätte zahlreiche Beteiligte erfordert. Irgend jemand hätte wohl irgendwann geredet. Doch auch mehrere offizielle Untersuchungen erbrachten keinen Beweis dafür, dass Franklin D. Roosevelt die Attacke wissentlich und zynisch zugelassen hätte.

Franklin D. Roosevelts Ansprache vor dem Kongress am Tag nach dem Angriff:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 07.12.2011 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder, der hier gegen die Amerikaner

    hetzt sollte mal "Special Unit 731" googlen. Oder Rape of Nanking, Bantaan Death March undundund..wenn sogar die Nazis von den Japanischen Gräueln angewidert waren, das sagt schon einiges. Übrigens haben die Japaner als Rache für die Unterstützung der Doolittle Flieger sage und schreibe 250'000 Chinesen ermordet.

  • Aron Franchetti am 07.12.2011 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oerlikonkanone in den flugzeugen der japs

    Wieviele schweizer wissen,das die jap flugzeuge in pearl h mit originalen und unter lizenz gebauten oerlikon maschienenkanonen bestückt waren! Nachzulesen im neusten cokpit ,schweizer luftfahrtmagazin

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  • Chrigu70 am 07.12.2011 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Pearl Harbor

    Wenn ich diese Kommentare lese habe ich das Gefühl die Autoren haben den Krieg miterlebt!? Fakt ist das Kriege noch nie "sauber" geführt wurden. Egal welche Seite ihn angezettelt hat, es war auch immer ein Gegner dabei der auch gewinnen wollte oder will!!! So ist der Mensch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alex A. am 08.12.2011 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Give me More!

    Bitte mehr solcher Artikel!! Das hat mir richtig Spass gemacht und mich gebannt. Das ist Wissen, dass mich interessiert und auch Wissen von öffentlichem interesse!

  • Bojo am 08.12.2011 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Tragische Gestalten...

    Wäre es nicht so bedrückend zu sehen, wie eigentlich vernunftbegabte Menschen jeglichen Verstand beiseite schieben und Verschwörungstheorien kolportieren ('Internationale Banker', Roosevelt/Rockefeller Verschwörung), müsste ich eigentlich lachen. Es ist zwar wesentlich interessanter, wenn man 99% der Fakten ignoriert und nur das Fragment, das der eigenen Theorie hilft, glaubt. Aber irgendwann wird es krankhaft. Die Wahrheit ist nicht 'da draussen' - sie ist direkt vor eurer Nase und viel weniger kompliziert als Ihr sie mit Euren Theorien macht. Aber zugegebenermassen auch langweiliger.

    • Ron Müller am 09.12.2011 16:43 Report Diesen Beitrag melden

      Wer kennt schon wirklich die Fakten?

      Ich finde es, obwohl ich bei vielen abstrusen Verschwörungstheorien deiner Meinung bin, genau so tragisch, Dinge nicht zu hinterfragen und einfach die offizielle Lehrmeinung zu übernehmen. Meine Erfahrung ist, dass wir auf täglicher Basis angelogen und Dinge verschwiegen werden. Daher finde ich es gut, offizielle Statements immer sehr kritisch zu hinterfragen und nehme dafür gerne einige abstruse Verschwörungstheorien in Kauf. Immer noch besser als noch mehr dumme Schafsmenschen auf diesem Planeten, die ihrem Hirten in jede Dummheit folgen und selber nicht mitdenkenken mögen.

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  • traurig am 08.12.2011 00:59 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Ein Trauerkapitel der Weltgeschichte für alle beteiligten Seiten.

    • Zeddozappel am 09.12.2011 06:46 Report Diesen Beitrag melden

      WK II zu Ende?

      Als wäre es zu Ende... Gibt es Fiedensverträge oder so neuerdings ?

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  • White House am 07.12.2011 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Verschwörung...

    Schon mal was von der "Monroe Doktrin" gehört?

  • Mike am 07.12.2011 22:28 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder, der hier gegen die Amerikaner

    hetzt sollte mal "Special Unit 731" googlen. Oder Rape of Nanking, Bantaan Death March undundund..wenn sogar die Nazis von den Japanischen Gräueln angewidert waren, das sagt schon einiges. Übrigens haben die Japaner als Rache für die Unterstützung der Doolittle Flieger sage und schreibe 250'000 Chinesen ermordet.