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Vor 90 Jahren
04. November 2012 18:11; Akt: 04.11.2012 18:11 Print
Das Grab des jungen Pharaos
Am 4. November 1922 fand der britische Ägyptologe Howard Carter im Tal der Könige das Grab von Tutanchamun. Noch heute faszinieren Mumie und Grabschätze des jungen Pharaos.
«Der entscheidende Augenblick war gekommen. Mit zitternden Händen machte ich eine kleine Öffnung in der linken oberen Ecke. (...) Zuerst konnte ich nichts sehen, da die aus der Kammer entweichende heisse Luft das Licht der Kerze zum Flackern brachte. Als meine Augen sich aber an das Licht gewöhnten, tauchten bald Einzelheiten im Innern der Kammer auf. Seltsame Tiere, Statuen und Gold – überall glänzendes, schimmerndes Gold!»
Bildstrecken Grab von Pharaonen-Prinzessin entdecktTutanchamun-Ausstellung in ZürichDas Grab der KleopatraTutanchamun zeigt sein Antlitz Video
So beschrieb Howard Carter vor 90 Jahren den Moment, als er Gewissheit über seinen Erfolg erlangte. Am 4. November 1922 war das Grabungsteam auf den Zugang zu einem Grab gestossen. Doch erst drei Wochen später, als der britische Ägyptologe am 26. November die Vorkammer öffnete, zeigte sich, dass er tatsächlich einen Sensationsfund gemacht hatte. Es war eine der bedeutendsten Entdeckungen der modernen Archäologie und löste damals eine regelrechte Ägyptomanie aus.
Über 3200 Jahre alte Mumie
Der ägyptische Herrscher, dessen Mumie seit über 3200 Jahren in der Grabkammer gelegen hatte, war Tutanchamun, ein Pharao aus der 18. Dynastie des Neuen Reichs. Der Sohn des berühmten Pharaos Echnaton (Amenophis IV.) und dessen Schwester regierte nur etwa neun Jahre, bis er ungefähr 1323 v. Chr. im Alter von erst neunzehn Jahren starb. Die Todesursache ist nicht restlos geklärt; angenommen wird eine schwere Form von Malaria. Vermutet wurde auch eine Infektion nach einem Beinbruch oder einem Schwerthieb. Frühere Theorien, Tutanchamun sei durch einen Schlag auf den Kopf umgebracht worden, sind mittlerweile widerlegt.
Infografik: Das Grab des Tutanchamun
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Obwohl Tutanchamun in seiner Zeit keineswegs ein bedeutender Herrscher war, wurde er nach der Entdeckung seines nahezu unversehrten Grabes schnell zu «einem Medienstar», der «bis heute Kunst, Architektur, Literatur und Film» inspiriert, wie der deutsche Ägyptologe Wolfgang Wettengel der Nachrichtenagentur dapd sagte. Das lag wohl auch an den reichen Grabbeilagen – nur schon die prachtvolle, betörend schöne Totenmaske, in der elf Kilogramm reines Gold verarbeitet sind, vermittelte eine Ahnung vom Prunk, in dem dieser Pharao gelebt hatte und in dem er bestattet wurde.
Ägyptologe aus bescheidenen Verhältnissen
Der Entdecker seiner Überreste, Howard Carter, stammte im Gegensatz dazu aus eher einfachen Verhältnissen. Er wurde 1874 als jüngstes von elf Kindern eines Tiermalers geboren und kam eher zufällig zur Ägyptologie. Als begabter Zeichner fand er eine Anstellung im British Museum und gelangte später ins damals britisch beherrschte Ägypten. Dort erst eignete er sich die Grundlagen der Archäologie und Ägyptologie an und lernte Hieroglyphen lesen. 1899 wurde er Oberinspektor der Altertümerverwaltung in Oberägypten und Nubien, doch fünf Jahre später kam es zu einem Karriereknick wegen eines Zwischenfalls mit betrunkenen französischen Touristen. Ab 1908 arbeitete er mit Lord Carnarvon zusammen, der von da an die Grabungen finanzierte.
Einige Ägyptologen hielten das Tal der Könige beim heutigen Luxor für «erschöpft», doch Carter blieb trotz mehrerer Enttäuschungen hartnäckig. Sein Geldgeber, Lord Carnarvon, wurde dagegen zunehmend nervös – die Grabung, die zur Entdeckung des Grabes von Tutanchamun führte, war die letzte, die er zu finanzieren bereit war. Sie wurde über alle Massen erfolgreich – es dauerte bis zum November 1930, bis alle Gegenstände dokumentiert und aus dem Grab entfernt waren.
Heute befindet sich die Mumie des jungen Pharaos wieder in der Grabkammer, in der sie schon so lange lag. Jetzt aber liegt sie in einem klimatisierten Glassarg und ist all ihrer Grabschätze beraubt.
Video: «Terra X - Pharao Tutenchamun - Die Lösung»
(Quelle: Youtube/Fliffl)
(dhr)

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