Neue Theorie

03. Januar 2017 19:21; Akt: 05.01.2017 07:51 Print

Feuer könnte schuld am Untergang der Titanic sein

An Bord der Titanic hat es wohl gebrannt, als sie 1912 sank. Das sollen Russ-Spuren am Rumpf des Schiffes beweisen.

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Der Untergang der Titanic, bei dem nach heutigem Kenntnisstand rund 1500 Menschen ihr Leben liessen, beschäftigt Forscher nach wie vor. Dass ein Eisberg der entscheidende Faktor in der Kausalkette war, die zum Untergang der Titanic führte, ist wissenschaftlicher Konsens. (Im Bild: Eine Aufnahme des angeblich für das Sinken der Titanic verantwortlichen Eisbergs.) Nicht vollständig geklärt dagegen ist allerdings, was die Kollision begünstigt und die Katastrophe in Gang gesetzt hat. (Im Bild: Szene aus James Camerons Film «Titanic» aus dem Jahr 1997.) Nun sorgt der irische Journalist Senan Molony in seinem Dok-Film «Titanic: The New Evidence» mit einer neuen Theorie für Aufsehen. Demnach könnte ein Feuer im Kohlebunker des Schiffes zur Katastrophe geführt haben. (Im Bild: Heizkessel an Bord der RMS Olympic, dem Schwesternschiff der RMS Titanic.) Anlass für diese Theorie sind verräterische Russ-Spuren, die Molony auf alten Aufnahmen des Luxusdampfers entdeckt haben will. Auf der vorderen rechten Seite der Aussenhülle sei ein rund neun Meter langer schwarzer Streifen zu sehen, heisst es in der Dokumentation. Das Feuer habe mindestens zehn Tage lang unkontrolliert in dem Kohlebunker gelodert, erzählt er dem «Independent». Durch die Hitze sei die Aussenhaut unglücklicherweise an genau der Stelle beschädigt worden, die schliesslich den Eisberg rammte. Laut dem Experten war das Feuer den Verantwortlichen schon bei der Abfahrt der Titanic bekannt. Dass man den vermeintlich unsinkbaren Kahn überhaupt ablegen liess, sieht der Experte als fatale Fehlentscheidung: Seiner Meinung nach hätte der Luxusdampfer niemals in See stechen dürfen. Mit dieser Ansicht steht Molony nicht alleine da: Schon 2008 hatte der Journalist Ray Boston sich ähnlich geäussert. Der Experte vermutete damals, dass bei Geschwindigkeitstests zehn Tage vor Abfahrt der Titanic ein Feuer an Deck ausgebrochen war. Beide Experten berichten davon, dass die Titanic am Pier in Southampton bewusst «falschherum» festgemacht wurde, damit den Menschen am Ufer die verräterischen schwarzen Flecken nicht auffielen. (Im Bild: Die Titanic in Southampton vor Anker.) Die White-Star-Line-Reederei unter Leitung von Bruce Ismay habe strengstes Stillschweigen über den Brand befohlen. Eine andere Theorie zum Untergang, die auch mit einem unkontrollierten Feuer zu tun hat, lieferte 2004 der Ingenieur Robert Essenhigh. Ihm zufolge wurde die Kohle wegen des Feuers schneller als üblich aus dem Bunker in die Kessel geschaufelt. Das habe die Maschinen auf volle Leistung getrieben und das Schiff viel zu schnell in das Eisberggebiet fahren lassen. Ein rechtzeitiges Abbremsen sei damit unmöglich und der Zusammenstoss mit einem Eisberg unausweichlich gewesen. Angesichts dieser Theorien ist Molony überzeugt, dass sich die Katastrophe so abspielte, wie er es in seinem Dok-Film «Titanic: The New Evidence» darstellt. Demnach war der Untergang einem Zusammenspiel mehrerer «aussergewöhnlicher Faktoren» geschuldet: «Feuer, Eis und kriminelle Nachlässigkeit.»

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Der Untergang der RMS Titanic im Jahr 1912 hat sich möglicherweise anders abgespielt, als bislang angenommen. So könnte ein Feuer im Kohlebunker des Schiffes zur Katastrophe mit rund 1500 Opfern geführt haben.

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Zu diesem Schluss kommt der irische Titanic-Experte und Journalist Senan Molony, der auf Aufnahmen des Luxusdampfers Russ-Spuren entdeckt haben will: Auf der vorderen rechten Seite der Aussenhülle sei ein rund neun Meter langer schwarzer Streifen zusehen (siehe Bildstrecke).

Feuer an Bord liess Stahl nachgeben

Das Feuer habe drei Wochen lang unbemerkt in dem Kohlebunker gelodert, erzählt er dem «Independent». Durch die Hitze sei die Aussenhaut an der Stelle beschädigt worden, die schliesslich den Eisberg rammte.

Molony vermutet, dass die Titanic den Zusammenstoss im Atlantik überstanden hätte, hätte das Feuer den Schiffsstahl nicht aufgeweicht.

Vertuschung statt Überraschung

Laut dem Experten war das Feuer den Verantwortlichen bei der Abfahrt der Titanic bekannt: «Es scheint, dass es dort am Schiffsrumpf bereits einen Schaden gab, bevor die Titanic Belfast verliess.» Zwölf Männer hätten versucht, es unter Kontrolle zu bringen, scheiterten aber.

Dass man den vermeintlich unsinkbaren Kahn überhaupt ablegen liess, sieht der Experte als fatale Fehlentscheidung: Seiner Meinung nach hätte der Luxusdampfer niemals in See stechen dürfen.

Feuer an Deck statt im Kohlebunker

Mit dieser Ansicht steht Molony nicht alleine da: Schon 2008 hatte der Journalist Ray Boston sich ähnlich geäussert. Er vermutete damals, dass bei Geschwindigkeitstests zehn Tage vor Abfahrt der Titanic ein Feuer an Bord ausgebrochen war. Boston geht davon aus, dass die ganze Fahrt über die Gefahr von Explosionen bestand.

Beide Experten berichten davon, dass die Titanic am Pier in Southampton bewusst «falschherum» festgemacht wurde, damit den Menschen am Ufer die verräterischen schwarzen Flecken nicht auffielen. Die Reederei habe strengstes Stillschweigen über den Brand befohlen.

Zu schnell, um auszuweichen

Eine andere Theorie zum Untergang, die auch mit einem unkontrollierten Feuer zu tun hat, lieferte 2004 der Ingenieur Robert Essenhigh von der Ohio State University an einer Tagung der Geological Society of America. Ihm zufolge wurde die Kohle wegen des Feuers schneller als üblich aus dem Bunker in die Kessel geschaufelt.

Das hätte die Maschinen auf volle Leistung getrieben und das Schiff viel zu schnell in das Eisberggebiet fahren lassen. Ein rechtzeitiges Abbremsen sei damit unmöglich und der Zusammenstoss mit einem Eisberg unausweichlich gewesen.

Angesichts dieser Theorien ist Molony überzeugt, dass sich die Katastrophe so abspiele, wie er es in seinem Dok-Film «Titanic: The New Evidence» darstellt, der am Sonntag auf dem britischen Sender Channel 4 ausgestrahlt wurde. Demnach war der Untergang ein Zusammenspiel mehrerer «aussergewöhnlicher Faktoren» geschuldet: «Feuer, Eis und kriminelle Nachlässigkeit.»

Historische Aufnahmen der «Titanic»

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 03.01.2017 19:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nach 100 Jahren..

    Hä.. warten wir nochmals 100 Jahre und dann ist es doch der Eisberg...:)

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  • Orphelia am 03.01.2017 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhen lassen

    Und jetzt?! Was haben die Verstorbenen und deren Nachkommen davon? Auch dies sind "nur" wieder Vermutungen, "hätte, könnte".... Bringt das nun unsere Welt weiter, irgend jemanden? Irgendwann sollen die Geschichten ruhen, auch vor Respekt derer, die ihr Leben lassen mussten.

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  • Nicole am 03.01.2017 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Das Schiff ist gesunken und fertig es sind so viele Menschen dabei gestorben die es nicht zurück bringt egal warum und wieso es ändert nichts verschwendetes Geld.. Verwendet das Geld lieber für die Sicherheit von neuen Schiffen das sowas nicht mehr passiert..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 05.01.2017 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Gäbe aktuelleres

    Der Untergang der Estonia kann noch heute nicht ermittelt werden, da alle Regierungen entsprechende Untersuchungen blockieren.

  • Tanzlehrer am 05.01.2017 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich hat es gebrannt.

    Das es beim sinken eines Schiffs irgendwo einen Kurzschluss geben kann der ein Feuer auslöst, dürfte doch logisch sein oder ?

    • Ernst Ruetimann , Trang am 05.01.2017 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      Lichtbogenfeuer

      Das Feuer wuerde aber nicht sehr lange angehalten haben , unter Wasser !

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  • Georg am 05.01.2017 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nein Ernsthaft jetzt

    für so was verschwendet man Zeit und Geld! Titanic Experte. Lasst dieses Thema endlich ruhen denn dass bringt die Toten auch nicht mehr zurück!

  • Reto am 04.01.2017 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehlkonstruktion

    Nur ein weiterer Faktor, das mit den auch hier erwähnten Nieten ist belegt, das die Route für den Tatsächlichen Zustand des Schiffes riskant war ebenfalls, ob das Schiff nun auch noch Hitzeschäden hatte ist irrelevant was den Unfall angeht denn das Schiff hatte auch so keine Chance, was die Frage nach Verantwortlichen angeht sie es da schon anders aus. Fakt ist dieser Unfall war unnötig nur wäre es mit dem Minderwertigen Material und den Fehlerhaft Konstruierten Schotten nicht irgendwann auch so zum Untergang gekommen ?

  • M.G. am 04.01.2017 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nieten

    Weil es zu wenig hochwertige Nieten hatte verwendete man am Bug minderwertige Hohlnieten die dem Druck bei der Kollision nicht standhielten. Die hatten damals schon die gleichen Probleme mit Grossprojekten wie heute. Um den Auftrag zu bekommen wurden die Kosten viel zu optimistisch kalkuliert und nachher musste improvisiert werden um eine Konventionalstrafe zu vermeiden. Ausbeutung und Tricksereien waren in der "christlichen Seefahrt" an der Tagesordnung. Der alte Shanty vom "Hamborger Veermaster" ist eine Anklage gegen die unzumutbaren Zustände auf den schlecht gewarteten Schiffen.