Langlebige B-52

15. April 2012 18:46; Akt: 11.11.2015 12:58 Print

Ein Bomber für die Ewigkeit

von Jean-Claude Gerber - Vor genau 60 Jahren hob erstmals eine B-52 ab. Seither ist der Veteran vieler Kriege für die US-Luftwaffe unentbehrlich geworden – und wird es noch lange bleiben.

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Die achtstrahlige B-52 «Stratofortress» (Himmelsfestung) hob am 15. April 1952 erstmals ab und ist seit ihrer Indienststellung 1955 das Rückgrat der amerikanischen Bomberflotte. Der Flugzeughersteller Boeing baute bis 1963 in seinen Werken in Seattle und Wichita total 744 B-52-Bomber. Die dabei gesammelten Erfahrungen nutzte Boeing später erfolgreich für den Bau von Passagierjets. Die B-52-Bomber sind seit Ende der 1950er Jahre Teil der sogenannten nuklearen Triade der USA. So wird die Dreiteilung der nuklearen Abschreckung in landgestützte Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Interkontinentalraketen und mit Kernwaffen bestückte Langstreckenbomber genannt. Die B-52 erreicht eine mit einem Verkehrsflugzeug vergleichbare Unterschallgeschwindigkeit, hat eine maximale Flughöhe von Metern und einen Einsatzradius von mehr als 7000 Kilometern. Die Reichweite kann durch Luftbetankung deutlich erhöhrt werden. Die Luftbetankung ermöglichte es mehreren B-52 im Januar 1991, eine 35 Stunden dauernde Mission vom Luftwaffenstützpunkt Barksdale im US-Bundestaat Louisiana in den Irak und zurück zu fliegen. Dabei legten die voll aufmunitionierten Bomber eine Distanz von 22 500 Kilometern zurück. Im Vietnamkrieg wurden die B-52-Bomber für Flächenbombardements gegen Stellungen der Nordvietnamesen eingesetzt. Diese massiven Angriffe waren mitverantwortlich dafür, dass die USA in Indochina mehr als doppelt so viel Sprengstoff verfeuerten wie während des gesamten Zweiten Weltkriegs. 1991 kamen die B-52 im Zweiten Golfkrieg zum Einsatz. Rund 40 Prozent der gesamten Bombenlast, die die Koalitionstruppen auf den Irak regnen liessen, wurden von diesen US-Bombern abgeworfen. Der Abrüstungsvertrag START bedeutete eine Zäsur für die B-52. Das Abkommen mit der UdSSR verlangte eine drastische Reduktion der Liefersysteme für Kernwaffen. Hunderte B-52 wurden daraufhin auf einem Flugzeugfriedhof in Ariziona zerstört und drei Monate liegen gelassen, damit russische Spionagesatelliten die Vernichtung überprüfen konnten. Mitte 2010 verfügten die USA beim luftgestützten Teil der nuklearen Triade noch über 360 Atombomben und -marschflugkörper, die auf 60 strategische Bomber, darunter auch B-52, verteilt waren. Während die B-52 bis heute nie ihren eigentlichen Einsatzzweck - den Abwurf einer Atombombe auf Feindesgebiet - erfüllen musste, erwies sie sich schnell als Allzweckwaffe der US Air Force. Sie kann als einziger Bomber mit beinahe jedem Waffentyp bestückt werden. So kommt die B-52 bis heute immer wieder zum Einsatz. 1999 sorgte sie im Kosovokrieg für Zerstörung (Bild). Auch modernere Bomber konnten der B-52 in Sachen Vielseitigkeit, Einsatzbereitschaft und Betriebskosten bisher nicht das Wasser reichen. Im Bild: Die zurzeit von der US-Luftwaffe eingesetzten Langstreckenbomber B-52, B1-B und B-2 (von oben). Im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan wurde die B-52 2001 nicht nur für Flächenbombardements, sondern auch für die Unterstützung des Erdkampfs mit Präszisionswaffen eingesetzt. Dank ihrer Fähigkeit stundenlang über einem Gebiet zu kreisen und auf neue Ziele zu warten, war sie für diese Aufgabe prädestiniert. Auch im Dritten Golfkrieg 2003 war die B-52 unverzichtbar. Erstmals feuerte sie im Kampf gegen Saddam Hussein auch Laserlenkwaffen ab. Um ihre Kampfbereitschaft zu erhalten, wurde die Himmelsfestung, von der heute noch 94 Maschinen des Typs B-52H im Einsatz sind, mehrfach modernisiert. Sie war 2006 auch der erste US-Militärjet, der zu Versuchszwecken mit einem alternativem Treibstoffgemisch flog, das zu 50 Prozent aus Kohle gewonnen worden war. Die USA wollen damit ihre Abhängigkeit von ausländischem Öl verringern. Neben der US-Luftwaffe nutzte die auch die NASA über die Jahre drei Exemplare der B-52 als sogenannte Mutterschiffe, um allerlei Testflugzeuge und -raketen in die Luft zu bringen. Im Bild trägt die NB-52B, die von 1959 bis 2004 bei der Weltraumbehörde im Einsatz war, eine X-38 unter dem Flügel. Diesen Bombern ist es nicht gelungen, die B-52 abzulösen: Die B-58 (1969 bis 1970) ... ... die F-111 (1967 bis 1998) ... ... die B1-B (1986 bis heute) ... ... und die B-2 (1997 bis heute). Und so wird die B-52 nach heutigem Stand der Planung noch bis 2040 im Einsatz bleiben. Sollte sie dann tatsächlich in Rente gehen, hätte die Himmelsfestung sage und schreibe 80 Jahre Militärdienst auf dem Buckel. Das soll ihr mal jemand nachmachen.

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Es gab eine Zeit, da waren jahrein jahraus zu jedem Zeitpunkt zwölf B-52-Bomber in der Luft. Es war die Zeit des Kalten Kriegs und der Feind der freien Welt war der kommunistische Ostblock unter der Führung der Sowjetunion. Beide Blöcke waren bis an die Zähne mit Atombomben bewaffnet und zeigten es auch. Es herrschte ein Gleichgewicht des Schreckens. Diese Doktrin sah vor, dass bei einem atomaren Erstschlag der einen Seite die andere Seite den Angreifer mit einem Vergeltungsschlag garantiert auslöschen würde.

Damit die Abschreckung glaubwürdig blieb, musste die Zweitschlagsfähigkeit unter allen Umständen erhalten bleiben. Die USA setzten deshalb auf drei Liefersysteme für nukleare Sprengköpfe: landgestützte Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Interkontinentalraketen und Langstreckenbomber. Das Rückgrat der US-Bomberflotte bildeten dabei von 1955 bis 1992 Hunderte B-52 des Strategic Air Command (SAC). Sie mussten mit Atombomben beladen im Alarmfall innert 15 Minuten in der Luft sein und ihre tödliche Last zum Gegner tragen. Und weil die US-Generäle ihren Raketen in den 1960er Jahren noch wenig vertrauten, gaben sie 1961 den Befehl aus, dass ständig bis zu zwölf – während der Kubakrise 1962 sogar 66 – B-52-Bomber mit Kernwaffen in der Luft sein mussten. Bis 1968, als der fliegende Bereitschaftsdienst eingestellt wurde, gab es somit keinen Moment, in dem nicht mindestens eine B-52 flog.

Einsatz in jedem grossen Krieg

Doch die B-52, die am 15. April 1952 ihren Jungfernflug hatte, spielte nicht nur in der nuklearen Abschreckung eine tragende Rolle. Der achtstrahlige Jet kommt immer dann zum Einsatz, wenn die US-Streitkräfte einen zuverlässigen Langstreckenbomber brauchen, der dank Luftbetankung praktisch ununterbrochen in der Luft sein kann und mit beinahe jeder Art von Waffe bestückt werden kann. So ist der Bomber, der von den Soldaten der Air Force «BUFF» (Big Ugly Fat Fucker) genannt wird, ein Veteran vieler Kriege. In Vietnam kam der Riesenvogel, der bis zu 31 Tonnen Bomben laden kann, unter anderem für die berüchtigten Flächenbombardements nordvietnamesischer Stellungen zum Einsatz.

Im Zweiten Golfkrieg 1991 warfen die B-52 40 Prozent aller Bomben auf irakische Truppen ab. Im Kosovokrieg nahmen die Bomber serbische Ziele mit Bomben und Marschflugkörpern ins Visier. In Afghanistan unterstützten hochfliegende B-52, die stundenlang über den Kampfzonen kreisten, die Bodentruppen im Kampf gegen die Taliban mit GPS-gesteuerten Präzisionsbomben. Auch am Sturz Saddam Husseins im Dritten Golfkrieg 2003 waren B-52-Bomber beteiligt, die jetzt erstmals auch lasergelenkte Waffen abfeuerten.


Die B-52 im Einsatz (Video: YouTube/cyberarmy007)

Viele «Nachfolger» überlebt

Das Geheimnis der Langlebigkeit der B-52 sind genau diese vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Obwohl er bereits Anfang der 1960er Jahre als konzeptionell veraltet galt, gelang es bisher keinem anderen US-Bomber, ihn zu ersetzen. So konnte die von 1955-1964 gebaute B-58 zwar ebenfalls Atomwaffen tragen, war aber anfällig für Unfälle und im Tiefflug trotz Überschallgeschwindigkeit weniger effektiv. Auch die F-111 erreichte Überschallgeschwindigkeit, konnte jedoch nur eine deutlich geringere Bombenlast tragen und wurde 1998 ausgemustert.

Die zwei anderen derzeit von der US-Luftwaffe eingesetzten Langstreckenbomber schafften es ebenfalls nicht, die B-52 in den Ruhestand zu befördern. Die B-1B aus den 1980er Jahren ist teurer im Betrieb und für weniger Waffentypen geeignet. Sie konnte lediglich die älteren B-52-Modelle verdrängen. Der Stealth-Bomber B-2 schliesslich ist neben anderen Defiziten mit einem Stückpreis von rund einer Milliarde Dollar schlicht zu teuer, um die B-52 zu ersetzen.

Und so werden die 94 verbleibenden Himmelsfestungen der bis 1963 gebauten Version B-52H nach heutigem Planungsstand noch mindestens bis 2040 im Einsatz bleiben. Sie werden dann rund 80 Jahre auf dem Buckel haben – was in der schnelllebigen Hightech-Welt moderner Kriegsmaschinen einzigartig ist.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Adrian am 15.04.2012 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    Super Oldtimer

    Schon in den späten 50er- und 60er Jahren wurden tolle Flugzeuge gebaut. Ich denke an die amerikanische Phantom, die französische Mirage, die russische Mig-21 "Fishbed" und den schwedischen Draken. Es ist eine Schande, dass die Schweizer Armee ihre Mirages verschrottet haben!

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  • Jürg Messer am 15.04.2012 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    die B-52 hat eine gleich alte "Schwester

    Auch das russische Equivalent zur B52, die Tu-95 (Bear) wurde im selben Jahr in Dienst gestellt und wir - so ein Zufall - auch bis 2040 in Betrieb bleiben.

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  • A.G.R am 15.04.2012 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierend!

    Einfach unglaublich dass noch nichts besseres entworfen wurde! Faszinierend!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Manfred Eberling am 16.04.2012 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere FA 18 würde es noch 40 Jahre tun!

    Wäre doch schön, wenn unser Ueli Maurer davon Kenntnis hätte, wie lange solche "Millionenvögel" zum Gebrauchen wären.

    • Sky captain am 16.04.2012 13:07 Report Diesen Beitrag melden

      Kampfflugzeuge 35jahre Nutzungsdauer

      Nein Kampfjets kann man nicht mit einem Bomber vergleichen, tottal andere Aufgabe und Ausrüstung. Zudem ist die mechanische Belastung bei überschallflugzeugen viel höher als bei einem unterschall Bomber. Kampfjets sind durchshnittlich 30-35 Jahre nutzbar daher ist der F-5Tiger Ersatz überfällig. Die F/A-18 müssen ca.2035 Ersetzt werden sind dann 37 Jahre alt.

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  • H.G. am 16.04.2012 00:56 Report Diesen Beitrag melden

    80 - wenn es denn wahr wäre

    tatsache ist aber: die B-52H hat mir der B-52 A aus den 60ern wohl nur noch einen teil des namens gemeinsam. zugegeben, die flugzeuge ähneln sich rein äusserlich ein bisschen, aber das ist ja auch bei einer boeing- und airbus-passagiermaschine auf den ersten blick der fall! mMn wieder einmal ein schlicht unwahrer aufhänger für eine belanglose story - sorry

    • Besch Öniger am 16.04.2012 09:30 Report Diesen Beitrag melden

      Unlogischer Kommentar

      Tja, ein VW Golf aus den 70er-Jahren hat auch nicht mehr allzuviel gemein mit dem heutigen Modell. Trotzdem heisst die Modellreihe immer noch gleich und ist eines der bekanntesten und insgesamt meistverkauften Autos überhaupt.

    • Pierre Deletraz am 16.04.2012 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      rechne!

      Nun, die B-52A flog 1952 zum ersten Mal, also vor genau 60 Jahren. Die letzte B-52H lief 1963 vom Band. Wenn sie 2040-45 in Rente geht, hat sie rund 80 Jahre auf dem Buckel. Was genau ist daran unwahr?

    • Rolf am 16.04.2012 12:00 Report Diesen Beitrag melden

      Auch H Modell nur bis 1962 hergestellt

      Die schon 1960 und früher in Betrieb genommenen Maschinen werden 2040 80 Jahre alt sein. Was soll daran unwahr sein? Das H Modell flog 1960 als Prototyp, 1961 als Serienmodell. Es unterscheid sich nur in den Triebwerken vom 1959 in Betrieb genommenen G Modell. Das Teil ist so alt, dass die meisten, die es entwickelt haben, schon tot sind. Ehre wem Ehre gebührt.

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  • Technikfreak am 15.04.2012 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schaurige Faszination

    Bei Flugzeugen dieser Art, ebenso U-Booten oder Flugzeugträgern erliegt der Mensch häufig der Faszination der teils sehr komplexen Technik. Bitte behaltet immer im Hinterkopf, das diese durch diese faszinierende Technik Menschen sterben. Bei aller Faszination: Diese Technik wurde entwickelt um zu töten.

    • mr go am 16.04.2012 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      genau

      ja sie wurden nur fürs töten gebaut. bedenklich

    • Steff am 16.04.2012 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Viele Dinge...

      Das sind Keulen, Streitkolben, Äxte, Hellebarden, Speere, Lanzen, Spiesse, Säbel, Schwerter, Armbrüste, Pfeil und Bogen, Messer und der ganze Rest auch...

    • Ivan R. am 16.04.2012 11:39 Report Diesen Beitrag melden

      Technik der Vernichtung.

      Kann mich Dir nur anschliessen mit dieser Aussage.

    • Steff am 16.04.2012 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Internet?

      Der Vorgänger des Internet wurde für schnellen Informationsaustausch des Militärs entwickelt... viele heute alltägliche Dinge wirden fürs/vom Militär entwickelt... einfach so nebenbei

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  • A.J. am 15.04.2012 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vortschritt?

    Wo wären wir, wenn wir all das Geld nicht in Waffen, sondern in inovation gesteckt hätten? Würden wir noch auf der Erde leben?

    • Riggs am 16.04.2012 10:10 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz

      Nö, die Taliban würden nun über uns herrschen :)

    • L. H. Oswald am 16.04.2012 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn...

      "Vortschritt" würde in diesem Fall mit "F" geschrieben ;-)

    • hans am 16.04.2012 11:18 Report Diesen Beitrag melden

      leider

      werden viele dinge nur dank den investitionen in den krieg entwickelt

    • Mark Knüsel am 16.04.2012 11:47 Report Diesen Beitrag melden

      Innovation durch Krieg

      Leider wird aber Fortschritt eher durch Krieg als durch Frieden erzielt.. Beispiel: unser gutes, altes Europa, das friedlich, wohlgenärt, fett und faul bald von allen anderen überholt werden wird..

    • Ana Logie am 16.04.2012 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Denk darüber nach:

      Waffen = Innovation! Wir hätten keine Computer, kein Internet, kein GPS, keine Raumfahrt, nicht einmal moderne Flugzeuge, gäbe es keine Waffenindustrie. Viele Technologien wurden ursprünglich zu Kriegszwecken erfunden! Krieg ist DER Innovations-Pusher schlechthin. Traurig aber wahr.

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  • Alchimedes am 15.04.2012 22:55 Report Diesen Beitrag melden

    Bild 10/ 20

    Es war eine B-29-Superfortress die die Atombomben über Japan abgeworfen hat, resp. deren zwei.