Schlacht bei Waterloo

18. Juni 2015 07:39; Akt: 18.06.2015 07:39 Print

Napoleons letztes Gefecht

von Rolf Maag - Vor 200 Jahren erlitt Napoleon in Belgien seine letzte und entscheidende Niederlage. Sechs Jahre später starb er verbittert im Exil.

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Endlich schien das Monster gebändigt. Napoleon Bonaparte, der geniale General, der sich 1799 an die Macht geputscht und 1804 selbst zum Kaiser der Franzosen gekrönt hatte, traf am 4. Mai 1814 auf der Insel Elba ein. Sie war ihm als Exilort zugewiesen worden. Nach seinem grandios gescheiterten Russlandfeldzug von 1812 und einer schweren Niederlage bei Leipzig im Jahr darauf hatte er abdanken müssen.

In Frankreich herrschte nun König Ludwig XVIII., der Bruder des 1793 guillotinierten Ludwig XVI. In Wien berieten ab dem 1. November 1814 die Repräsentanten der Mächte, die Napoleon besiegt hatten, über die Neuordnung Europas.

Die Rückkehr

Ein britischer Oberst, der eigentlich die Aktivitäten des gestürzten Kaisers überwachen sollte, weilte gerade bei seiner Geliebten auf dem italienischen Festland, als sich Napoleon am 26. Februar 1815 mit 1026 Mann Richtung Frankreich einschiffte. Nach seiner Landung hielten ihn die Truppen des Königs nicht etwa auf, sondern liefen in Massen zu ihrem früheren Idol über. Über Grenoble und Lyon marschierte Napoleon nach Paris, wo er am 20. März eintraf. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Ludwig XVIII. bereits nach Flandern abgesetzt.

Napoleons neugewonnene Popularität verflog allerdings rasch. Er erhob hohe Steuern, um seinen Gegnern mit möglichst starken Streitkräften entgegentreten zu können. Denn Anfang Juni standen zwei Armeen im heutigen Belgien und bedrohten Frankreich: eine 90'000 Mann starke britische unter dem Herzog von Wellington sowie eine preussische von 130'000 Mann unter Generalfeldmarschall Blücher. Napoleon konnte lediglich 123'000 Soldaten aufbieten.

Die Schlacht

Nun tat Napoleon, was er in solchen Fällen immer tat: Er suchte sein Heil im Angriff. Am 16. Juni schlug er die Preussen bei Ligny in die Flucht. Allerdings versäumte er es, sie zu verfolgen. Und so gelang es den Preussen, sich nahe des südwestlich von Brüssel gelegenen Dorfes Waterloo mit den Briten zu vereinigen. Dort hatte Wellington seine Truppen anhalten und Verteidigungsposten aufbauen lassen.

Am Mittag des 18. Juni griffen französische Infanteristen und Kavalleristen, später auch die Kaiserliche Garde, Napoleons Elitetruppe, die Briten an. Doch diese hielten stand und gewannen schliesslich zusammen mit den von Osten her vorrückenden Preussen die Oberhand. Für Napoleon war es nun endgültig vorbei: Am 22. Juni, gut 100 Tage nach seinem Aufbruch von Elba, musste er für immer auf den Thron verzichten.

Das Ende

Weil die Briten, denen sich Napoleon ergeben hatte, dieses Mal auf Nummer sicher gehen wollten, verfrachteten sie ihn auf eine ihrer entlegensten Besitzungen: Am 15. Oktober landete er auf der Insel St. Helena im Südatlantik, 8000 Kilometer von Frankreich entfernt, mehr als 2400 Kilometer von der nächstgelegenen Küste in Afrika.

Auf diesem gottverlassenen Eiland wohnte der einst so stolze Kaiser der Franzosen in einem von Ratten verseuchten, feuchten Holzhaus und legte inmitten von Lavafeldern einen Blumengarten an. Vor allem aber führte er endlose Gespräche mit den wenigen Getreuen, die er hatte mitnehmen dürfen. Diese hielten seine Äusserungen in ihren Tagebüchern fest und veröffentlichten sie später. Bis zu seinem Ende schob er die Schuld an seinem Scheitern anderen zu und stilisierte sich zum Befreier Europas und Märtyrer für eine gerechte Sache.

Am 5. Mai 1821 starb Napoleon im Alter von 51 Jahren, vermutlich an Magenkrebs. Fast 20 Jahre später wurden seine sterblichen Überreste nach Paris überführt und am 15. Dezember 1840 feierlich im Invalidendom beigesetzt.