Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Bundesfeier
28. Juli 2010 12:26; Akt: 31.07.2010 14:05 Print
Warum ist der 1. August im August?
Wenn Höhenfeuer lodern und Politiker pathetisch reden, ist 1. August. Eine ehrwürdige Tradition, könnte man denken. Doch so alt ist unser Nationalfeiertag gar nicht.
Eigentlich hat die Schweiz am 8. November Geburtstag — zumindest wenn man sich nach dem Historiker Aegidius Tschudi richtet. Der datierte Mitte des 16. Jahrhunderts den — historisch freilich nicht belegten — Rütlischwur auf den 8. November 1307.
Auch auf dem Tell-Denkmal in Altdorf steht ...(Bild: Keystone/Gaetan Bally)
... die Jahreszahl 1307. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)
Gründungsmythos: Rütlischwur von 1291, Darstellung aus dem Jahr 1891
Bildstrecken
Der Schweizer Vulkansommer
Noch 1907 feierte man daher in Altdorf im Beisein einer Bundesratsdelegation das 600-jährige Bestehen der Eidgenossenschaft. Doch dann schwand diese Jahreszahl, wenigstens in der Öffentlichkeit, allmählich aus dem Bewusstsein, auch wenn sie noch auf dem Tell-Denkmal zu Altdorf steht.
Die Berner sind schuld
Heute ist der Rütlischwur, der erstmals 1470 — aber noch ohne Datum — im Weissen Buch von Sarnen erwähnt wird, untrennbar mit dem 1. August und dem Jahr 1291 verbunden. Schuld an dieser Verschiebung sind die Berner: Da 1891 das 700-jährige Jubiläum der Gründung der Stadt Bern anstand, wollte man die Festivitäten gleich mit einer eidgenössischen 600-Jahr-Feier verbinden. Passend dazu fand man in den Archiven ein auf das Jahr 1291 datiertes Pergament, das als Gründungsurkunde dienen konnte: Das seither als Bundesbrief bekannte Dokument liegt heute im Bundesbriefmuseum in Schwyz.
Da der Bundesbrief auf Anfang August datiert ist («Geschehen im Jahre des Herrn 1291 zu Anfang des Monats August», heisst es im deutschen Text), legte der Bund 1889 den Nationalfeiertag — der korrekt eigentlich Bundesfeiertag heisst — auf den 1. August fest. Das angebliche Gründungsdokument, das übrigens lange Zeit verschollen war und erst 1758 in einem Schwyzer Archiv wiederentdeckt wurde, ist indes nur eines von mehreren. In dieser Zeit gab es nämlich eine Vielzahl von solchen Bündnissen; so zum Beispiel den Bund von Brunnen im Jahr 1315, der wohl bedeutender war als jener von 1291. Überdies ist der Bundesbrief seit den Sechzigerjahren umstritten: Viele Historiker gehen heute davon aus, dass es sich um eine Fälschung aus dem 14. Jahrhundert handelt, wie es sie im Mittelalter oft gab.
Den 1. August abschaffen?
Ein im doppelten Sinne naheliegenderes Datum hingegen wurde nie ernsthaft als Nationalfeiertag in Betracht gezogen: der 12. September 1848, als die moderne Schweiz als Bundesstaat aus der Taufe gehoben wurde. Vor kurzem forderte Juso-Präsident Cédric Wermuth zwar, den 1. August abzuschaffen und durch den 12. September zu ersetzen. Dieses Ansinnen dürfte derzeit freilich kaum mehrheitsfähig sein.
Aber auch der Nationalfeiertag am 1. August fing eher bescheiden an: Die Kantone liessen ab 1899, auf Geheiss des Bundes, jeweils am Abend des 1. August die Glocken läuten. Erst im Laufe der Zeit entwickelte sich aus diesen kargen Anfängen die Bundesfeier, wie sie heute üblich ist. Und es dauerte immerhin fast hundert Jahre, bis der Tag bundesweit endlich arbeitsfrei wurde: 1993 wurde eine entsprechende Initiative der Schweizer Demokraten mit grossem Mehr angenommen.
Dumm nur, wenn der 1. August wie dieses Jahr auf einen Sonntag fällt. Die meisten Arbeitnehmer haben da das Nachsehen. Sie auch?
Geburtsurkunde der Schweiz: Der Bundesbrief von 1291 wird im Bundesbriefmuseum in Schwyz aufbewahrt. (Bild: Keystone)
(dhr)

























