Djatlow-Pass

17. Oktober 2015 22:55; Akt: 17.10.2015 22:55 Print

Was tötete die Wanderer am «Berg des Todes»?

von F.Riebeling - Im Ural starben 1959 neun russische Wanderer unter mysteriösen Umständen. Über die Gründe streiten sich die Forscher bis heute.

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Acht Männer und zwei Frauen wollen 1959 zum Berg Otorten im Ural wandern. Doch dort kommen sie nicht an. Stattdessen werden sie später tot und grob entstellt aufgefunden. Die Umstände sind bis heute ungeklärt. Von ihrem schlimmen Schicksal ahnt die Truppe - hier gemeinsam mit ihren Unterstützern - vor Antritt der Expedition nichts. Zwar gilt die Route aufgrund des Wetters und des hohen Schnees zu dieser Jahreszeit als sehr schwierig, aber Grund zur Sorge hat keiner der Expeditionsteilnehmer. Sie sind alle erfahren und freuen sich auf das bevorstehende Abenteuer. Als Juri Judin nach kurzer Zeit verletzungsbedingt aufgibt, ziehen seine Freunde zu neunt weiter. Wegen schlechter Wetterbedingungen kommen sie jedoch schnell von der geplanten Route ab. Eigentlich wollen sie schon am ersten Tag den Djatlow-Pass überqueren, ... ... aber stattdessen errichten sie ihr Nachtlager beim Berg Kholat Syakhl (Berg des Todes) - ein tödlicher Fehler, denn keiner von ihnen überlebt die Nacht. Als die Leichen der Studenten in den eisigen Berg-Hängen gefunden werden, weisen sie unglaubliche Verletzungen auf. Die Körper der Toten sind teilweise unbekleidet, ihre Schädel eingeschlagen, die Rippen gebrochen. Einem Opfer fehlen Zunge und Augen. Kampf- oder auf das Lager zulaufende Spuren finden die Entdecker nicht. Tests zeigen eine hohe radioaktive Verstrahlung der Kleidungsstücke der über Nacht ergrauten Opfer. Was mit den neun Bergsteigern passiert ist, ist bis heute offen, was Spekulationen befeuert. Während die offiziellen Stellen bis heute beteuern, die Studenten seien eines natürlichen Todes gestorben, verdächtigen andere wahlweise das Nomadenvolk der Mansen, biologische Phänomene wie die sogenannte Hyperthermie-Demenz, Blitze oder den russischen Yeti. Andere wiederum sind davon überzeugt, dass das Massaker die Tat von Ausserirdischen gewesen ist. Doch es gibt auch die These, dass die Gruppe von einer streng geheimen, sowjetischen Waffe getötet worden sein soll. Eine nachvollziehbare Haltung, die zumindest eine Erklärung für die radioaktive Kontamination, die plötzliche Alterung und das abwiegelnde Verhalten der offiziellen Stellen liefern würde.

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Als die zehn Wanderer am 25. Januar 1959 aufbrechen, ist die Welt noch in Ordnung. Voller Vorfreude posieren sie gemeinsam mit Freunden und Unterstützern für ein letztes Gruppenfoto. Dann geht es los: Von Swerdlowsk aus, dem heutigen Jekaterinenburg, wollen die acht Männer und zwei Frauen in den nächsten Tagen den Berg Otorten im Ural besteigen.

Zwar gilt die Route aufgrund des Wetters und des hohen Schnees zu dieser Jahreszeit als sehr schwierig, aber Grund zur Sorge hat keiner der Expeditionsteilnehmer. Schliesslich sind sie allesamt erfahren. Trotzdem wird keiner von ihnen das Ziel je erreichen: Einer von ihnen, Juri Judin, muss aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aufgeben, die anderen kommen in der Nacht auf den 2. Februar rund zehn Kilometer vor dem Otorten am Kholat Syakhl (auf Deutsch: Berg des Todes) ums Leben. Auf welche Weise, ist nach wie vor offen.

Untersuchungsakten unter Verschluss

Zwar beteuern offizielle Stellen bis heute, dass die Studenten eines natürlichen Todes gestorben und in der eisigen Kälte erfroren seien. Aber die Umstände machen es schwer, das zu glauben. Denn die Körper der Toten fanden sich abseits der von innen aufgeschlitzten Zelte. Die Opfer waren teilweise unbekleidet, ihre Schädel eingeschlagen, die Rippen gebrochen. Einem sollen Zunge und Augen gefehlt haben. Kampf- oder auf das Lager zulaufende Spuren gab es nicht. Tests zeigten ausserdem eine hohe radioaktive Verstrahlung der Kleidungsstücke der in der Nacht ergrauten Opfer.

Als wäre das noch nicht rätselhaft genug, gerieten die Untersuchungsakten nach Abschluss der Ermittlungen unter Verschluss. Darüberhinaus wurde der Zugang zu dem Gebiet nach dem Unglück für drei Jahre gesperrt. Bei all dem ist es kein Wunder, dass Juri Judin später in einem Interview offenbarte: «Wenn ich Gott nur eine einzige Frage stellen könnte, wäre das: Was ist wirklich mit meinen Freunden in dieser Nacht passiert?»

Viele Theorien, keine Beweise

Theorien zu der Nacht gab und gibt es viele. So könnte die Truppe beispielsweise eine sogenannte Hyperthermie-Demenz entwickelt haben: Dabei fühlen sich die Betroffenen plötzlich überhitzt, vergessen, wie kalt es wirklich ist und entkleiden sich. Das hätte im Fall der Bergsteiger tatsächlich tödlich geendet. Denn in der Unglücksregion herrschten damals Temperaturen um minus 25 Grad. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass es alle Mitglieder gleichzeitig überkommen hat. Zudem würde es nicht die schweren Verletzungen und die radioaktive Kontamination erklären.

Unmittelbar nach dem Gruppen-Exitus fiel der Verdacht zunächst auf das Nomadenvolk der Mansen, die im Norden des Urals zuhause sind. Die Ermittler hielten es für möglich, dass sie sich von den Wanderern bedroht gefühlt und sie deshalb ermordet hätten. Doch Belege für diese Annahme fanden sie keine.

Auch das Wetter selbst wurde verdächtigt. So könnten die Zelte von Blitzen getroffen worden seien, die bei den Mitgliedern zu Verwirrung und Panik geführt haben. Das würde die zerrissene Kleidung der Opfer und das Fehlen der Augen und Zungen erklären und warum sie voller Panik das Weite gesucht hatten, berichtet die «Bild». Auch hiergegen spricht die radioaktive Strahlung.

Aliens, Yetis, Höhenwinde

Andere wie der russische Ufo-Experte Paul Stonehill sind davon überzeugt, dass das Massaker am Berg des Todes das Werk von Ausserirdischen gewesen sei. Er ist sich sicher: «Diese Menschen wurden ermordet. Aber der Täter war kein Mensch.» So abwegig das ist: Dafür sprechen zumindest die Berichte von anderen Wanderern, die von orangefarbenen Kugeln am Himmel erzählten. Eine ebenso abwegige Theorie steuerte im vergangenen Jahr auch der Forscher und Dokumentarfilmer Mike Libecki bei. Er gibt die Schuld dem Menk. So nennen die Russen den Yeti.


Seine Theorie verbreitet Libecki im Dokumentarfilm «Russian Yeti: Die Killer leben». (Video: Youtube/Ivar Erdal)

Weil das Massaker während des Kalten Krieges stattgefunden hat, gab es zudem Spekulationen, wonach die Gruppe von einer streng geheimen, sowjetischen Waffe getötet worden sein soll. Eine nachvollziehbare Haltung, die zumindest eine Erklärung für die radioaktive Kontamination, die plötzliche Alterung und das abwiegelnde Verhalten der offiziellen Stellen liefern würde.

Auch der Ansatz des US-Autors Donnie Eichar klingt logisch: Er hält eine besondere Art von wiederkehrenden Höhenwinden, wie sie durch die spezielle Topografie der Gegend hervorgerufen werden können, und damit zusammenhängenden Infraschall-Phänomene für den Auslöser des Panikverhaltens der neun Bergwanderer. Doch auch hier fehlen endgültige Beweise. Und so ist das Unglück am Djatlow-Pass bis heute ungeklärt.

Welche Variante halten Sie für am glaubwürdigsten? Oder haben Sie sogar noch eine andere Idee? Erzählen Sie uns davon – in den Kommentaren!


Im Film «Devil's Pass» (2014) will eine Gruppe US-Studenten den Todesfällen am Djatlow-Pass auf den Grund gehen – und kommt selbst ums Leben. (Video: Youtube/Ascotdrei3333)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ancient aliens am 17.10.2015 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erde

    Auch hier gibt es so viel das wir nicht verstehen, und vielleicht nie verstehen werden.

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  • JHJJJFJ am 17.10.2015 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist mein Nobelpreis?

    Es war der radioaktive Yeti. Er kann sich auch unsichtbar machen. Die hatten keine Chance gegen dieses Tier. Klingt plausibel. Gelöst!

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  • Der Mensch am 17.10.2015 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Meinung

    Würde die Bilder und den Film mit vorsicht geniessen nichts für schwache Nerven. Vorallem nicht der Film.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kupo am 18.10.2015 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu unheimlich

    Hab gerade die Doku gesehen... Ich weiss zwar nicht was da los war... Aber das ganze macht mir ziemlich Angst... Ich hoffe, es gibt eine "normale" Erklärung dafür. Heute bleibt das Licht beim schlafen an.

  • Trin am 18.10.2015 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das war ein Blitz ist ja logisch

    Baum und zelte beschädigt. Leute ohne Kleider diese wucht zeigt sich bei einem Blitzeinschlag

  • Waldimir am 18.10.2015 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertuschung

    Es war ein Militärisches versuchungs gebit für Bomben. Die Feuer bälle waren von einem Russischen Raketen test mit einer kleinen Nukleare füllung. Warscheindlich wurden die Gruppe aufgeschreckt und flohen oder flog in die Welder auf der Flucht wurden sie nochmals durch ein rakete die ihn Wald einschlug erschreckt. Und ranten wider und die einte stach sich die Augen aus beim Rennen. Als die Russische Armee ankamm beseitigten sie alle spuren. Und lissen alles so aussehen als were es ein Yeti gewesen.

  • Lukas am 18.10.2015 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Doku

    Die Yeti Doku ist hochinteressant. Bin mir nicht sicher ob ich sie glauben kann (heute kann ja jeder etwas erzählen). Die Zusammenhänge regen zum nachdenken an un klingen plausibel. (Das Original-negativ vom Menk ist echt verstörend).

    • er ist abgehauen am 18.10.2015 17:30 Report Diesen Beitrag melden

      Also

      der Yeti wohnt jetzt bei mir zu Hause. Er hat sich 4 Räder zugelegt.

    • P. Meier am 18.10.2015 20:06 Report Diesen Beitrag melden

      Gute Doku?

      Kann ich nicht nachvollziehen. Fragen nach ein paar Recherchen: der unterschiedlichen Auffindungszeitpunkt der Leichen nicht angegeben / die Frau mit dem skelettieren Schädel wurde scheinbar in einem Bach gefunden / die später gefundenen Leichen lagen in einem Tal (Schlucht)? / Die später gefundenen Leichen sollen Kleidungsstücke der zuerst Verstorbenen getragen haben / ist das immer wieder eingespielte Fluchtvideo durch die Opfer aufgenommen worden? / Im Archiv wird das Negativ mit dem Melk auf Anhieb gefunden / kein Einsatz moderner Technik in der Höhle und auf dem Berg (Kamerafallen) ...

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  • Marco am 18.10.2015 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Eine neue Verschwörung.....

    Na ja, ich bin Anhänger von Verschwörungstheorien. Mal sehen was alles so zusammen gereimt wird? Für mich war dort oben der letzte Zufluchtsort der Romanovs. Als diese von den Bergsteigern entdeckt worden waren, mussten sie ihre Anwesenheit mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln geheimhalten... U.s.w.