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Kampf um Reitschule
26. Oktober 2012 10:54; Akt: 26.10.2012 11:26 Print
Berns heissester Herbst jährt sich zum 25. Mal
Krawalle, Konflikte, Konzerte: Vor 25 Jahren besetzten links-autonome Jugendliche erstmals die Berner Reitschule. Das Ereignis war der Auftakt zu gewalttätigen Kämpfen und zähen Verhandlungen.
Es sind die 80er-Jahre - in Zürich lösen die Krawalle mehrerer hundert Jugendlicher vor dem Opernhaus Proteste in der ganzen Schweiz aus, in Bern fordert die links-autonome Bewegung ein Jugendzentrum und nimmt im Jahr 1981 erstmals die Reithalle in Beschlag. Doch das «Begegnungszentrum» überlebt nur kurz: Bereits 1982 wird das Gebäude an der Neubrückenstrasse geräumt und verbarrikadiert. Das Haus bleibt ungenutzt, doch in Bern brodelt es weiter.
Bildstrecken Tanz-Demo: Zehntausend tanzen durch Berns Innenstadt Die Reithalle feiertDie Hauptstadt feiert 25 Jahre nach dem legendären «Kulturstreik» und dem heissen Herbst eine grosse Sause. Am 26. und 27. Oktober treten diverse Berner Bands in der Reitschule auf. Höhepunkt der Jubiläumsfeier bildet am Freitag um 22 Uhr der Auftritt von «Züri West». Weitere Infos finden Sie hier.
Mit «Straf-Bars» und unbewilligten Konzerten wird gegen das mangelhafte Kulturangebot protestiert. Als der Stadtrat im Februar 1987 beschliesst, die Reithalle abzubrechen, und mit der Schliessung des 1985 errichteten Hüttendorfs Zaffaraya droht, laufen die Anhänger der Reitschul-Bewegung Sturm. In der Nacht vom 24. Oktober 1987 ziehen rund tausend Jugendliche in das verriegelte Gebäude und fordern die Wiedereröffnung der Reitschule als Autonomes Jugendzentrum.
Der «heisse Herbst» in Bern
Es ist der Auftakt zum wohl heissesten Herbst in der jüngeren Berner Stadtgeschichte: Am Tag nach der Besetzung zieht eine Demonstration durch die Innenstadt – zerbrochene Scheiben, zerstörtes Mobiliar im Stadttheater und Farbanschläge veranlassen die Polizei dazu, die Reithalle wieder rund um die Uhr zu bewachen. Drei Tage später reicht die Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (IKuR), getragen von einer breiten Solidaritätswelle und unterstützt von mehreren Kulturlokalen, ein Gesuch für die Bewilligung eines Festes ein.
Unter grossem Druck erlaubt der Gemeinderat den «Kulturstreik» am 31. Oktober: Tausende von Besuchern, dreizehn Bands und zahlreiche Kunstdarbietungen versammeln das nahezu komplette Nachtprogramm der Kulturlokale Berns unter dem Dach der Reithalle. Die links-autonome Bewegung fordert die Freigabe sämtlicher Räume des Reitschulareals und verlangt uneingeschränkte Selbstverwaltung des Gebäudes.
Nach dem Kulturstreik verlagern sich die Konflikte – das Hüttendorf Zaffaraya steht unter Beschuss. Als am 15. November das gemeinderätliche Ultimatum zur Räumung des Geländes verstreicht, errichten rund 200 Sympathisanten und Anhänger der Reitschul-Bewegung Barrikaden auf dem Gaswerkareal. Zwei Tage später schreitet die Polizei ein. Es kommt zu schweren Auseinandersetzungen mit dutzenden Verletzten.
Schandfleck oder Kulturoase?
Eine Welle der Entrüstung erfasst die Bevölkerung – Berner Schüler treten in einen Protest-Streik, die Studios zweier Lokalradios werden besetzt und
Doch damit sind die Konflikte nicht behoben – die Bewegung fordert Autonomie. Bei einer weiteren Hausräumung in Bern werden über hundert Personen verhaftet, Anfang Dezember zieht mehrmals ein tausendköpfiger Demonstrationszug durch die Hauptstadt und stört den Weihnachtsverkauf. Nach diesen Krawallen und der provisorischen Öffnung beginnt die Zeit zäher Verhandlungen. Erst nach vier Jahren, im Dezember 1991, stimmt die IKuR dem gemeinderätlichen Vertrag zur Nutzung der Reithalle zu.
Doch das Kulturzentrum bleibt ein Brennpunkt in der Bundesstadt. Unruhen zwischen den Besetzern des Vorplatzes auf dem Reitschulgelände und der IKuR sowie erneute Räumungen sorgen bis in die Gegenwart für Konflikte und negative Schlagzeilen. Schandfleck im Herzen Berns oder Kulturoase ausserhalb gängiger Konventionen? Die Reithalle polarisiert nach wie vor. Doch sicher ist: Das autonome Kulturzentrum kann sich seit der ersten Besetzung vor 25 Jahren als solches halten und noch immer auf eine breite Unterstützung zählen. Auch die jüngste Initiative der SVP zum Verkauf der Immobilie ist im September 2010 auf klare Ablehnung gestossen.
(dwi/meg)
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Alle 92 Kommentare

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Platz für Veränderungen schaffen
Die Jugendlichen haben genügend andere Möglichkeiten ihre Freizeit sinnvoll zu verbringen. Statt zu randalieren, saufen, bekiffen oder Polizisten anzugreiffen sollten sie sich mal richtige Hobbys zulegen und etwas sinnvolles tun. Sport, Vereine, Basteln, Wandern egal was, hauptsache etwas gescheites. Mit Kultur hat die Reithalle nichts zu Tun, es ist einfach ein Ort geworden, wo sich die Versager unserer Gesellschaft treffen und ihren Frust ausleben. Alles Andere sind nur Argumente von Leuten, welche Blind durchs Leben laufen und eine rosa Sonnenbrille tragen.
@Peacekeeper123
Tolle Meinung, vone jemmanden, der noch nie dort war.... Ich war am Freitag dort. Selten eine so friedliche Party erlebt..
Sprengen!
Abreissen und Wohnungen bauen. Wenn man bedenkt: Die Stadt Bern rodet Wälder um Wohnungen bauen zu können und lässt Chaoten auf gutem Bauland hausen.
Parkhaus
Warum macht man nicht ein Parkhaus aus der Reithalle? So hätte man das Parkplatzproblem in Bern gelöst! Ausgangslokale hat es nämlich mehr als genug.
Warum wohl?
Weil der Platz den Jugendlichen gehört, die später Ihnen Ihre Rente zahlen wird. Denken Sie bitte einmal nach...
Bruno weiter denken...
Bruno denke einmal weiter? Die Jugendlichen zahlen auch ohne Reitschule unsere Renten :o)