Dunning-Kruger-Effekt

08. Oktober 2017 08:26; Akt: 08.10.2017 08:26 Print

Warum sich Inkompetente für kompetent halten

von Rolf Maag - Leute, die von einer Sache wenig verstehen, überschätzen meist ihre Fähigkeiten. Das gilt auch für Donald Trump und seine Anhänger.

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Im Jahr 1995 überfiel ein gewisser McArthur Wheeler zwei Banken in Pittsburgh. Weil er sein Gesicht nicht unkenntlich gemacht hatte, war er auf den Bildern der Überwachungskameras deutlich zu erkennen. Als er kurze Zeit später festgenommen wurde, murmelte Wheeler ungläubig: «Aber ich hatte doch den Saft drauf!» Er hatte tatsächlich geglaubt, er sei auf den Überwachungskameras nicht zu sehen, weil er sich das Gesicht mit Zitronensaft eingerieben hatte.

Diese Geschichte inspirierte die Psychologen David Dunning und Justin Kruger zu einer Studie, die sie im Jahr 1999 durchführten. Sie prüften ihre Testpersonen in verschiedenen Gebieten, etwa Logik, Grammatik oder Geschichte. Anschliessend sollten die Probanden einschätzen, wie gut sie abgeschnitten hatten. Die Ergebnisse waren erstaunlich.

Je ignoranter, desto selbstsicherer

Ausgerechnet diejenigen, die bei den jeweiligen Tests im schlechtesten Viertel gelandet waren, glaubten, sie seien überdurchschnittlich gut gewesen. Andererseits unterschätzten die Testpersonen aus dem besten Viertel ihre Fähigkeiten. Diese seither oft bestätigte Tatsache ist inzwischen als Dunning-Kruger-Effekt bekannt. Wie ist er zu erklären?

Dunning glaubt, dass dieselben Fähigkeiten, die es einem ermöglichen, in einem bestimmten Gebiet Kompetenz zu erwerben, einen auch die eigenen Grenzen erkennen lassen. Je mehr man also von einer Materie versteht, desto eher sieht man auch ihre Komplexität und wird sich daher bewusst, wie viel Wissen einem noch fehlt. Wenn jemand zum Beispiel eine Fremdsprache sehr gut beherrscht, wird er kaum behaupten, er spreche sie perfekt. Wer das für sich in Anspruch nimmt, verfügt wahrscheinlich über eher begrenzte Kenntnisse.

Trump und seine Anhänger

Donald Trump stellt gern Behauptungen auf, die offensichtlich unwahr sind. So verkündet er gern, unter Präsident Obama sei die Kriminalitätsrate besonders hoch und die Wirtschaftsleistung besonders schlecht gewesen. Auch meinte er schon, amerikanische Generäle über Raketenabschusssysteme auf Flugzeugträgern belehren zu müssen.

Trumps auffälligster Charakterzug ist sein ausgeprägter Narzissmus. Dieser scheint auch sein von keinen Selbstzweifeln angekränkeltes Auftreten zu erklären. Dunning meint aber, es sei umgekehrt: Weil Trump die eigenen Wissenslücken nicht als solche erkennt, hält er sich in allen Belangen für kompetent, was wiederum seinen Narzissmus ins Grenzenlose wachsen lässt.

Der Ausweg

Der Dunning-Kruger-Effekt ist bei allen Menschen mehr oder weniger stark am Werk. Aber es gibt Hoffnung. Dunning und Kruger gaben nämlich den Probanden, die beim Logiktest schlecht abgeschnitten hatten, Nachhilfe in Logik und liessen sie dann erneut eine Prüfung absolvieren. Ihre Leistungen verbesserten sich, während ihre Selbsteinschätzung negativer wurde. Sie wurden also gleichzeitig in der Logik und in der Bewertung ihrer logischen Fähigkeiten kompetenter.

Vor über 400 Jahren schrieb William Shakespeare: «The fool doth think he is wise, but the wise man knows himself to be a fool.» Auf Deutsch: «Der Narr meint, er sei weise, doch der weise Mann weiss, dass er ein Narr ist.» Der Dunning-Kruger-Effekt hätte den grossen Dichter kaum überrascht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rico am 08.10.2017 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Bei Allen und bei Allem so

    Ist Ihnen schon aufgefallen, dass es immer der Schlechtere ist, der glaubt, besser zu sein. Es ist meist der mieseste Arbeiter, der zu wissen glaubt, wie sein Chef eigentlich den Laden schmeissen müsste. Es sind vielfach die Versager, die eigentlich wissen wie der Hase läuft. Und doch stehen die "Inkompetenten" an der Spitze? Wie das?

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  • Bettina am 08.10.2017 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Trump.

    Die Teppichetagen der Grosskonzerne sind voll von solchen Leuten undcauch bei den Politikern scheint es auch nicht wenige zu geben die sich für allwissende Siebesieche halten.

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  • Remo am 08.10.2017 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tägliche Bestätigung

    Jeden Tag auf den Strassen anzutreffen.... diese vielen Besten Autofahrerinnen und Autofahrer. Oder DSDS ist auch sehr gutes Beispiel... :-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ursachengemäss am 08.10.2017 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Es wird nichts bringen...

    Marionetten zu kritisieren, denn ihre Strippenzieher sitzen wo ganz anders. Es bringt auch nichts, jene zu verurteilen und zu bekämpfen, die andere reiten. Die Menschen müssen wieder lernen, in Frieden aufrecht zu gehen, damit sie gar nicht geritten werden können. That's the Point.

  • Roland am 08.10.2017 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Tja...

    Wer nicht schön brav die Lösungen nachsagt, die im Lösungsheft stehen bekommen halt schlechte Noten und werden diffamiert, sogar aus den eigenen Reihen. Aber immer mehr hinterfragen, wer eigentlich sog. Lehrbücher (-meinungen) schreibt mit den Lösungen dazu. Meinungsfreiheit ist ok, solange diese gewissen Ideologien entspricht. Man muss nun kein Experte sein um zu erkennen, wohin das führt oder geführt hat. Orwell'sches "1984" und Huxley's "Schöne neue Welt" ist bereits da. Na, schon bemerkt? ;-)

  • Dede am 08.10.2017 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beweis

    Wer nicht an den Effekt glaubt, lese doch einfach die Beiträge in diesem Forum. Dann wird auch gerade klar, was das Problem des Effekts ist. Trump spricht die Sprache die viele verstehen. Einfachheit.

  • Nase Voll am 08.10.2017 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Klare Sache!

    Warum Herr Trump so viel Staub in der Welt aufwirbelt? Weil sein Tempo und seine Beschlüsse bei vielen Linken den Horizont und Intelligenz bei weitem überschreitet. Wer keine überzeugende Argumente hat, zielt direkt auf die Person.

    • Klaus07 am 08.10.2017 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nase Voll

      So ist es, direkt auf die Person, oder auf die Fake News Presse. Ups, das macht ja nur der Trump.

    einklappen einklappen
  • Nase Voll am 08.10.2017 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Das TA-Media-Wort zum Sonntag

    Und Russland mit Präsident Putin wirft man ohne echten Beweis Wahl- und Wählermanipulation in anderen Ländern vor...