Ken-und-Barbie-Killer

12. Juni 2016 15:33; Akt: 12.06.2016 15:33 Print

Die hässliche Blutspur des schönen Mörderpaars

Sie waren jung und schön, doch abgrundtief sadistisch: Paul Bernardo und Karla Homolka hielten Anfang der 90er-Jahre Kanada mit ihren Untaten in Atem.

Bildstrecke im Grossformat »
Gegen aussen machten Paul Bernardo und Karla Homolka den Eindruck eines normalen, jungen Paares. Doch unter der Oberfläche verbargen sie dunkle Triebe. Paul Bernardo hatte bereits in den 1980er-Jahren 20 Frauen vergewaltigt. Zusammen mit Karla wurden seine Taten noch brutaler. Homolka kam aus gutem Haus, während Bernardo eine schwere Kindheit hatte. Mit 15 verriet ihm seine Mutter, dass ihr Ehemann nicht sein leiblicher Vater war und begann ihn als Bastard zu bezeichnen, während er seine Mutter Schlampe nannte. Zusammen vergewaltigte und tötete das später als Ken-und-Barbie-Killer bezeichnete Paar Tammy Homolka (14, Karlas Schwester), Leslie Mahaffy (14) und Kristen French (15) (v.l.). Ihre Taten nahmen sie auf Video auf. Nach Frenchs Tod wurde Bernardo zunehmend gewalttätig gegen seine Frau. Einmal verprügelte er sie mit einer Taschenlampe so stark, dass sie mit zwei blauen Augen in die Notaufnahme eingeliefert wurde. Schliesslich konnte die Polizei Bernardo die Vergewaltigungen in den 1980er-Jahren nachweisen. Dann packte Homolka, die Bernardo verlassen hatte, aus. Die örtliche Boulevardzeitung sprach aus, was viele dachten, als Bernardo gefasst worden war. Homolka kooperierte vor Gericht und stellte sich als Opfer dar. Sie kam mit einer Strafe von zwölf Jahren Haft glimpflich davon. Bernardo dagegen erhielt lebenslänglich. Im Gegensatz zu Homolkas Prozess waren nun die Videobänder der Taten aufgetaucht. Bernardo war geliefert. Karla Homolka kam 2005 frei, gab ein TV-Interview, setzte sich in die Karibik ab, heiratete den Bruder ihres Anwalts und soll nun wieder in Kanada leben.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Blond, gebräunt und attraktiv: Paul Bernardo und Karla Homolka gaben nach aussen das brave Traumpaar. Doch sie waren getrieben von kranken, aggressiven und sadistischen Impulsen, die sie zu grausamen Mördern machten. Die Geschichte der Ken-und-Barbie-Killer gehört zu den aufsehenerregendsten Kriminalfällen in der Geschichte Kanadas.

Alles begann mit einer Serie von Vergewaltigungen in Scarborough, einem Stadtteil von Toronto. Zwischen 1987 und 1990 wurden 20 Frauen vergewaltigt. In dieser Gegend wohnte auch Paul Bernardo. Die Frauen wurden meist in der Nacht von hinten angefallen und konnten deshalb keinen guten Blick auf den Täter erhaschen. Grundsätzlich wurde er aber als recht hübscher, junger Mann beschrieben.

Der Vergewaltiger ging sehr brutal vor. Die Opfer mussten sich selber mit erniedrigenden Ausdrücken überhäufen und alles von Geschlechtsverkehr bis Analsex über sich ergehen lassen. Die Polizei riet Frauen, nachts nicht mehr allein unterwegs zu sein und beschrieb den Täter als hochgradig psychopathisch.

Schwere Kindheit

In diese Zeit fiel auch der Beginn der Beziehung von Paul Bernardo und Karla Homolka. Sie trafen sich 1987, als er 23 und sie erst 17 Jahre alt war. Bernardo hatte eine schwierige Kindheit und entwickelte infolgedessen eine Vorliebe für gewalttätigen Sex.

Homolka stammte aus gutem Haus und war zwar bildschön, aber höchst unsicher. Sie ordnete sich Bernardo unter und liess sich bereitwillig von ihm manipulieren. Schliesslich beschloss das Paar zu heiraten. Doch zuvor sollten sie gemeinsam zwei grausame Morde verüben.

Schwester als Weihnachtsgeschenk

Ende 1990 traf es Homolkas jüngere Schwester Tammy. Bernardo hatte schon länger ein Auge auf sie geworfen und Karla Homolka wollte ihm Tammys Jungfräulichkeit quasi als Geschenk überreichen, da sie selber nicht als Jungfrau in die Beziehung kam.

Einen Tag vor Weihnachten betäubten sie Tammy beim Nachtessen mit Alkohol und Valium und fielen anschliessend über sie her. Um die Betäubung zu verlängern, spritzte Karla ihrer Schwester zusätzlich noch das Anästhetikum Halothan. Beide vergingen sich an dem Mädchen und filmten sich dabei.

Plötzlich musste sich Tammy übergeben und erstickte daran. Doch niemand verdächtigte das Mörderpaar. Tammys Tod wurde als Unfall abgetan, da sie so viel getrunken hatte.

Das nächste Opfer

Nur zwei Wochen vor der Hochzeit war das nächste Opfer dran. Die 14-jährige Leslie Mahaffy war aus ihrem Haus ausgeschlossen worden, weil sie zu spät nach Hause gekommen war. Das nutzte Bernardo eiskalt aus. Er lockte sie in ihr Auto, verband ihr die Augen und nahm sie zu sich mit.

Dort misshandelten er und Homolka das Mädchen, vergewaltigten und folterten es. Und wieder liessen sie die Kamera laufen. Die Aufnahmen zeigen, wie die beiden sich bei den Misshandlungen abwechsen und dabei laut zu Songs von David Bowie und Bob Marley mitsingen. Wie das Mädchen starb ist nicht klar, da sich beide später vor Gericht widersprachen.

Nachdem sie die Leiche einige Tage im Keller lagerten, zerstückelten sie sie schliesslich und gossen sie in Zement. Den Klotz warfen sie in einen See, wo er bald darauf gefunden wurde.

Drei Tage Folter

Knapp ein Jahr suchten die beiden ein neues Opfer und fanden es in der Stadt St. Catherines. Die 15-jährige Kristen French wurde direkt vor einer katholischen Schule entführt. Sie zwangen das Mädchen, grosse Mengen Alkohol zu trinken, und vergewaltigten und folterten es über einen Zeitraum von drei Tagen. Wieder nahmen sie alles auf.

Dass sie French die Augen nicht verbanden, wurde später vor Gericht so ausgelegt, dass sie von Anfang an die Absicht hatten, sie zu töten. Als ihre Leiche gefunden wurde, war sie nackt, die Haare waren abgeschnitten. Das Paar vergewaltigte ausserdem noch mindestens zwei weitere Mädchen, die aber überlebten.

Homolka packt aus

Nach dem Mord an French wurde Bernardo auch gegenüber Homolka zunehmend gewalttätiger. Schliesslich verprügelte er sie so heftig, dass sie in die Notaufnahme musste. Darauf zog sie aus. Gleichzeitig konnte die Polizei erstmals DNA des Scarborough-Vergewaltigers abgleichen. Es war diejenige von Bernardo.

Nun wurde Homolka intensiv verhört. Bald kippte sie um und gestand alles, stellte sich aber selbst als Opfer dar. Ihr wurde der Prozess gemacht, bevor die Polizei die Videoaufnahmen gefunden hatte. Mit zwölf Jahren Haft kam sie vergleichsweise milde davon.

Lebenslänglich

Bis Bernardo vor Gericht kam, konnte die Polizei schliesslich die Videoaufnahmen der Schreckenstaten auftreiben. Für Bernardo waren sie fatal. Er konnte sich nicht mehr herausreden und wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Auch Homolka liessen die Videos in einem anderen Licht erscheinen. Sie zeigten deutlich, wie sie ihre Taten genoss. Die Empörung war gross, doch sie war für die Taten bereits bestraft worden. Eine Strafverschärfung musste sie nicht befürchten. 2005 wurde sie entlassen.


Doku über Bernardo und Homolka. (Video: Youtube/CrimeTV)

(jcg)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra am 12.06.2016 16:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwere Kindheit...

    Schwere Kindheit... Wenn ich das immer höre.. Viele Menschen haben eine schwere Kindheit... Und den Bruder des Anwalts geheiratet..? Was für eine gestörte Menschheit.. Wer will mit so einer Frau etwas zu tun haben, geschweige eine Liebesbeziehung eingehen... Aber gut, passiert immer wieder...

    einklappen einklappen
  • René B. am 12.06.2016 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerechte Strafe

    Für solche Verbrechen gibt es nur eine gerechte Strafe.

  • Peter am 12.06.2016 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    "Karla"

    Gibt einen recht guten Film "Karla" zu dieser Geschichte, bis heute unverständlich, warum nicht beide lebenslänglich erhielten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman M. am 12.06.2016 20:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Systemfehler

    In dem Fall sollte man den Passus, dass jemand nur einmal für dieselbe Tat verurteilt werden darf, streichen. Geht ja gar nicht, dass die wieder in Freiheit leben kann.

  • Art am 12.06.2016 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindheit

    Da nicht alle Kinder emotional gleich sind, kann eine schwere Kindheit einige Gehirne wirklich dazu anstiften extrem bösartig gewissenlos zu sein/ zu werden. So muss seine "Erziehung" ausgesehn haben. Wenn keine Emphatie gezeigt wurde z.B. Wenn keine pozitive Erlebnisse erlebt wurden, ect. Natürlich rechtfetigt man Unrecht nie mit Unrecht. Deshalb wird sich die schwere Kindheit (Vergangenheit) nicht strafmildern (Gegenwart) auswirken. Es sollte "nur" allen Erziehungsberechtigten die Augen öffnen, dass sie gegenüber der ganzen Menschheit Verantwortung tragen, bei der Erziehung der zukünftigen Erdbewohnern. Was Kinder betrifft, betrifft die Menschheit.

  • MIM68 am 12.06.2016 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwere Kindheit

    Ich hatte auch eine schwere Kindheit. Sehr schwer sogar. Irgendwie bin ich doch ein lieber Kerl geworden. Ja, es war auch mit Arbeit verbunden! Innere Kämpfe, Auseinandersetzungen mit sich selbst. Ja, eine schwere Kindheit ist eine Hypothek. Aber es ist keine Entschuldigung! Niemals!

  • Sarabi am 12.06.2016 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Double Jeopardy

    Das Double-Jeopardy-Prinzip sollte endlich fallen! Wenn neue Beweise auftauchen, ist sonst keine Wiederaufnahme des Verfahrens möglich...

  • Rgf92 am 12.06.2016 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fassungslos...

    Barbarisch wie krank ist unsere welt..