«Kleine Sensation»

20. August 2013 14:28; Akt: 20.08.2013 14:29 Print

Handschriftliche Notizen von Martin Luther entdeckt

Überraschender Fund in der berühmten Herzog August Bibliothek im deutschen Wolfenbüttel: Bisher unbekannte handschriftliche Anmerkungen des Reformators Martin Luther sind entdeckt worden.

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Anmerkungen am Buchrand: Der deutsche Reformator Martin Luther. (Bild: colourbox)

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Lange Zeit nahm offenbar niemand in der Wolfenbütteler Herzog August Bibliothek (HAB) Notiz von den handschriftlichen Anmerkungen, die in zwei gedruckten Büchern eingetragen waren. Jetzt hat sich herausgestellt: Die Notizen stammen aus der Feder des deutschen Reformators Martin Luther (1483-1546).

Der Heidelberger Theologieprofessor Ulrich Bubenheimer habe Luthers Bemerkungen am Rand einer Chronik und einer lateinischen Dichtung gefunden, teilte die HAB am Montag mit. Sie zählten zu den ältesten erhaltenen handschriftlichen Zeugnissen des Reformators. Luthers Handschrift sei aus zahlreichen Schriften bekannt, deshalb bestehe kein Zweifel.

«Das ist schon eine kleine Sensation»

Beide Druckwerke sind gemeinsam in einem Sammelband der Bibliothek eingebunden. «Das ist schon eine kleine Sensation», sagte Direktor Helwig Schmidt-Glintzer am Montag.

Insgesamt seien es ein Dutzend Anmerkungen des noch jungen Luther aus seiner Studienzeit in Erfurt. Unter anderem habe Luther seltene lateinische Worte aus einem Text aufgegriffen und am Rande erklärt, zum Beispiel das Wort fides (Glaube). An einer anderen Stelle habe Luther die Lebensdaten von Elisabeth von Thüringen eingetragen, einer Heiligen aus seiner Heimat.

Die neuen Funde bieten eine Möglichkeit, Luthers humanistische Bildung und theologische Entwicklung nachzuverfolgen. In dem Wolfenbütteler Sammelband wurden mehrere Druckschriften eingebunden, die einst zur Bibliothek des humanistischen Erfurter Lehrers Johannes Lang (1487-1548) gehörten. Wie Luther gehörte er dem Erfurter Kloster der Augustinereremiten an.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Mitterberger am 20.08.2013 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Schön, auch mal einen solchen Text auf 20 Minuten zu lesen, und nicht immer Beiträge über Serverlatpromis, Bärte und Liveticker übers schöne Wetter. Weiter so!

  • sven mueller am 20.08.2013 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Luther versus Papst

    Martin Luther handelte eher im Sinne von Jesus als dass es der Papst tut. Die Päpste haben sich längst von einer christlichen Lebensweise entfernt, auch wenn der neue Papst von einer "armen Kirche" predigt, die für die Armen da sein sollte-------der schwerreiche Apparat dahinter bleibt, und das ist unchristlich!!!

  • Alain_T. am 20.08.2013 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Religion reformieren

    Martin Luther war ein Revolutionär, er wagte es, den Papst zu kritisieren, als Antichrist zu bezeichnen. Das war damals eine mutige Tat, denn die katholische Kirche war sehr mächtig. Vielleicht passiert heute in der arabischen Welt das Gleiche, wenn modern eingestellte Menschen gegen die Islamisten kämpfen. Der Islam müsste sich reformieren, um eine Zukunft zu haben. Das heisst nicht, den Glauben und die kulturellen Wurzeln aufzugeben, aber zu reformieren und vor der Instrumentalisierung durch den Menschen zu befreien, so wie es Luther getan hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • sven mueller am 20.08.2013 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Luther versus Papst

    Martin Luther handelte eher im Sinne von Jesus als dass es der Papst tut. Die Päpste haben sich längst von einer christlichen Lebensweise entfernt, auch wenn der neue Papst von einer "armen Kirche" predigt, die für die Armen da sein sollte-------der schwerreiche Apparat dahinter bleibt, und das ist unchristlich!!!

  • Alain_T. am 20.08.2013 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Religion reformieren

    Martin Luther war ein Revolutionär, er wagte es, den Papst zu kritisieren, als Antichrist zu bezeichnen. Das war damals eine mutige Tat, denn die katholische Kirche war sehr mächtig. Vielleicht passiert heute in der arabischen Welt das Gleiche, wenn modern eingestellte Menschen gegen die Islamisten kämpfen. Der Islam müsste sich reformieren, um eine Zukunft zu haben. Das heisst nicht, den Glauben und die kulturellen Wurzeln aufzugeben, aber zu reformieren und vor der Instrumentalisierung durch den Menschen zu befreien, so wie es Luther getan hat.

  • Hans Mitterberger am 20.08.2013 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Schön, auch mal einen solchen Text auf 20 Minuten zu lesen, und nicht immer Beiträge über Serverlatpromis, Bärte und Liveticker übers schöne Wetter. Weiter so!

  • Susi Mai am 20.08.2013 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative

    Dank Martin Luther gibt es eine Alternative als Christin, wenn sie nicht katholisch sein will, und eine Frau kann protestantische Pfarrerin werden. Das ist gut so.

  • Johannes am 20.08.2013 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Martin Luther war sehr bedeutend

    Spannend, danke für diese News! Martin Luther, Johannes Calvin und der Zürcher Reformator Ulrich Zwingli haben die Weltgeschichte mehr beeinflusst, als wir uns bewusst sind (Frankreich, Niederlande, die heutige USA, Schweiz, Deutschland, Skandinavien). Sie haben die Kirche reformiert, und vom Papst und dem Klerus befreit, und ihre Rolle wieder so definiert, wie sie sein sollte: eine bescheidene, freiheitliche Kirche, ohne Firlefanz, die das Evangelium und die persönliche Beziehung des Menschen zu Gott in den Mittelpunkt stellt und den Menschen nicht mehr unterdrückt. Ganz christlich eben.

    • Bojo am 20.08.2013 15:14 Report Diesen Beitrag melden

      Nur bedingt...

      Na ja, Luther war auch ein (damals typisch, heute glücklicherweise nicht mehr typisch christlicher) Judenhasser. Sein bekanntestes Werk zu Lebzeiten war 'Von den Juden und ihren Lügen', ein diffamierendes, von Fäkalsprache strotzendes, ekelerregendes Traktat. Dass so jemand heute noch als 'bedeutend' gilt hat eher mit der allgemeinen Problematik von Glauben zu tun, als damit, dass Luther ein guter Mensch war.

    • Hans Meiser am 20.08.2013 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      Luther der Theokrat...

      Martin Luther war ein Anti-Semit, sicher kein Vorbild für unsere heutige pluralistische Gesellschaft. Die Säkularisierungsbewegung hat ihre Ursprünge im Geisteswissenschaftlichen Umfeld bestimmt nicht von irgendwelchen Kleriker.

    • Bernardus Silvestris am 20.08.2013 15:36 Report Diesen Beitrag melden

      Reformatoren sind eine schlechte Wahl!

      Es ist leider beschämend wie wenig aufgeklärt wird wie intolerant die Reformatoren waren. Nachdem die Katholiken es vorgemacht haben, übertrafen die Reformatoren alles an Zerstörungswut (Bildersturm!) und Hass auf Andersgläubige! Martin Luther war noch liberaler und trotzdem würde Christus sich am Kreuz umdrehen...!

    • Patrick Schwarzer am 20.08.2013 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Christlich?

      So christlich wie es heute scheint waren auch die Reformatoren nicht, die Religionskriege wohl vergessen? Und wohl auch dass die "Wiedertäufer" in der Schweiz, Österreich und Süddeutschland verfolgt wurden. Diese Täufer hingegen, haben sich damals schon als Pazifisten herauskristallisiert. Lesen Sie mal über Felix Mantz und Konrad Grebel.

    • Claudine am 20.08.2013 16:55 Report Diesen Beitrag melden

      Die Reformatoren brachen etwas auf

      @Patrick Schwarzer: Sie haben recht, auch die Reformatoren führten Religionskriege. Aber sie brachen etwas auf (Befreiung von der Macht der Religion), das sich natürlich noch lange entwickeln musste. Vielleicht ereignet sich jetzt gleiches im Nahen Osten, und das geht nicht von heute auf morgen) Zu dieser Zeit war es üblich, Krieg zu führen, die Europäer zerschlugen sich bis Ende des 2. Weltkriegs immer wieder ihre Köpfe. Das hat sich erst vor rund 70 Jahren geändert. Man muss das Wirken Luthers im Kontext des damaligen Zeitgeistes verstehen.

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