Königin Nofretete

06. Dezember 2012 11:06; Akt: 06.12.2012 12:12 Print

3400 Jahre alt und noch immer wunderschön

Vor 100 Jahren machte der Ägyptologe Ludwig Borchardt den Fund seines Lebens: Er entdeckte das nach Tutanchamuns Totenmaske berühmteste Artefakt der Pharaonenzeit: die Büste der Nofretete.

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Neben der Mona Lisa ist sie die wohl berühmteste Frau der Kunstgeschichte: Nofretete, die schöne Hauptgemahlin des Pharao Echnaton. Ihre weltberühmte Büste wurde am 6. Dezember 1912 im mittelägyptischen Tell el-Amarna am Ostufer des Nils in den Überresten einer antiken Werkstatt gefunden. Der Archäologe Ludwig Borchardt leitete damals die Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft, bei denen insgesamt 14'000 Fundstücke geborgen wurden.

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Im Rahmen einer damals üblichen Fundteilung zwischen Ägypten und den Ausgräbern gelangten 5500 Objekte ins kaiserliche Berlin. Der Kaufmann James Simon, der die Grabungen finanziert hatte, schenkte die Nofretete-Büste und weitere Funde der Amarna-Grabungen im Jahre 1920 dem Ägyptischen Museum in Berlin. Die Büste wurde erstmals 1923 dem Publikum gezeigt.

Seit 2009 ist die Büste aus Kalkstein und Gips im Neuen Museum im Nordkuppelsaal des Stüler-Baus auf der Berliner Museumsinsel zu sehen. Seitdem hatte das Museum etwa drei Millionen Besucher. Hauptanziehungspunkt für viele ist der alles überstrahlende Frauenkopf mit den mandelförmigen Augen, der geraden Nase und den geschwungenen, vollen Lippen.

Für den derzeitigen Vorsitzenden der Deutschen Orient-Gesellschaft, Markus Hilgert, ist die Büste ein Faszinosum. Es sei unglaublich, dass ein Kunstwerk, das rund 3400 Jahre alt sei, «uns immer noch so sehr» anziehe.

«Moderne» Schönheit

Nofretete schlage damit eine Brücke zwischen dem alten Ägypten und heute. «Sie ist uns in ihrer Schönheit vertrauter als andere Kunstwerke aus ihrer Zeit», sagt Hilgert, der Altorientalist und Professor an der Universität Heidelberg ist.

Ihre Gesichtszüge näherten sich unserer Ästhetik an. «Ist es Ägypten, ist es Hollywood oder Südamerika?», könnte ein Betrachter mutmassen, der nur die Büste sieht und nicht den Kontext, in dem sie steht, sagt Hilgert.

Dieser Kontext ist Gegenstand der grossen Ausstellung «Im Licht von Amarna - 100 Jahre Fund der Nofretete», die das Neue Museum ab Freitag bis zum 13. April nächsten Jahres zeigt. Nicht nur Theologie und Kunst jener Zeit stehen im Mittelpunkt, erklärt das Museum zur Ausstellung. Auch der Alltag der Menschen in der damaligen Metropole Amarna soll widergespiegelt werden.

Diskussion um Eigentümer

Zum einen werden Varianten der Nofretete-Büste gezeigt: ein unvollendeter Modellkopf, eine Standfigur und der Kopf einer einstigen Doppelsitzstatue - alle mit den sofort wiedererkennbaren Gesichtszügen.

Auch eine Büste des Pharao Echnaton wurde eigens für die Schau rekonstriert. Daneben zeigt das Museum zahlreiche bisher noch nicht ausgestellte Fundstücke: Fragmente von Fliesen, von Gefässen, ausserdem Fotos der Grabung, bei der Nofretete gefunden wurde.

Besonders letztere dürften wieder Fragen nach der Rechtmässigkeit von Nofretetes Aufenthalt in Berlin aufwerfen. Der ehemalige Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Sahi Hawass, hatte sich in den vergangenen Jahren energisch dafür eingesetzt, die Pharaonen-Gattin an den Nil zurückzubringen.

Mehrfach unternahm der prominente Ägyptologe diplomatische Vorstösse und forderte das Kunstwerk zurück. Unter anderem kündigte er 2011 an, eine offizielle Eingabe beim Auswärtigen Amt einreichen zu wollen. Doch Hawass geriet in den Strudel der politischen Umwälzungen, der ihn das Amt des Ministers für Altertumsgüter kostete.
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(Video: Reuters)

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Friedbert/Munz am 07.12.2012 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schöne ist gekommen

    Meine kleine Portraitserie Nefertiti, mit beiden Augen und richtigen fleischigen Ohren, damals bestimmt ein Schönheitsmerkmal des Menschen! Kein schielendes Etwas wie in der Ausstellung!

  • Marie am 07.12.2012 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Sie ist in der Tat wunderschön

    Ich sehe in ihr eine zeitlose Eleganz, eine klassische Schönheit. Wobei ich sagen muss, dass sie auf mich auch einen ambivalenten Eindruck macht. Es könnte ebensogut ein Mann sein. Ein sehr feiner, schöner Mann. Ich bin nicht sicher, ob dieses Gesicht einer Frau gehört. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall finde ich, dass der Mensch, der hier Modell stand, sehr schön war.

    • Marie am 07.12.2012 13:26 Report Diesen Beitrag melden

      Kurzer Nachtrag

      Auf Foto Nr. 3 sieht man ihr rechtes Profil. Da sieht sie sehr feminin aus. Auf Foto Nr. 6 sieht man ihr linkes Profil. Da sieht sie eher maskulin aus. Faszinierend.

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  • Althistoriker am 07.12.2012 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hawass

    Immer dieser fürchterliche Zahi Hawass! Ägyptens Nationalarchäologe sieht ja nie die Notwendigkeit wissenschaftlich fundierten Vorgehens ein. Hauptsache, seine Propagandaziele werden irgendwie erreicht. Wäre er doch Schlangenfänger geblieben!

  • Peter2106 am 07.12.2012 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Schönheit ist relativ

    Schönheit ist relativ. Was DU als Schön bezeichnest, findet bei mir vielleicht keinen Gefallen. Wenn ich mir Nofretete so vorstelle, wie die Skulptur gearbeitet ist, dann ist sie für mich nichts besonderes sondern geht unter den Begriff "Normal".

  • Angel Heart am 06.12.2012 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berlin

    Ich empfehle sehr, wenn man Berlin besucht, sich die Ägypten-Ausstellung und die Nofretete anzuschauen. Sie ist wirklich wunderschön!