Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Königin Nofretete
06. Dezember 2012 11:06; Akt: 06.12.2012 12:12 Print
3400 Jahre alt und noch immer wunderschön
Vor 100 Jahren machte der Ägyptologe Ludwig Borchardt den Fund seines Lebens: Er entdeckte das nach Tutanchamuns Totenmaske berühmteste Artefakt der Pharaonenzeit: die Büste der Nofretete.
Neben der Mona Lisa ist sie die wohl berühmteste Frau der Kunstgeschichte: Nofretete, die schöne Hauptgemahlin des Pharao Echnaton. Ihre weltberühmte Büste wurde am 6. Dezember 1912 im mittelägyptischen Tell el-Amarna am Ostufer des Nils in den Überresten einer antiken Werkstatt gefunden. Der Archäologe Ludwig Borchardt leitete damals die Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft, bei denen insgesamt 14'000 Fundstücke geborgen wurden.
Bildstrecken Tutanchamun - der junge PharaoGrab von Pharaonen-Prinzessin entdeckt Infografik Tutanchamun
War Nofretete die Mutter Tutanchamuns?
Nofrete lebte im 14. Jahrhundert v. Chr. Sie war die Hauptgemahlin von Pharao Amenophis IV., der sich später Echnaton nannte. In den meisten Sprachen ist sie unter dem Namen Nefertiti bekannt, was «Die Schöne ist gekommen» bedeutet. Es gilt als gesichert, dass sie sechs Töchter gebar, von Söhnen ist dagegen nichts bekannt. Es gibt aber Wissenschaftler, die in ihr die Mutter Tutanchamuns sehen.
So will der Ägyptologe Hermann Schlögl zusammen mit zwei Dresdener Genetikern zweifelsfrei erwiesen haben, dass Tutanchamun Nofretetes Sohn ist. Er stützte sich dabei neben historischen Quellen und anthropologischen Informationen auf DNA, die 2010 von einem Team um den damaligen ägyptischen Altertümerverwalter Sahi Hawass, extrahiert worden war.
Hawass identifizierte Echnaton als Vater Tutanchamuns, schloss aber Nofretete als Mutter aus. Stattdessen wurde eine bisher namenlose Mumie als Nebenfrau Echnatons und Mutter Tutanchamuns genannt. Die als «Younger Lady» (jüngere Dame) bezeichnete Frau war demnach eine Schwester Echnatons – Inzest war unter den damaligen Royals nicht unüblich. (jcg)
TV-Doku über Mäzen James Simon
Das Jubiläum des spektakulären Fundes wird ausser in der Sonderschau in Berlin auch im Fernsehen gewürdigt. 3sat zeigt am Samstag (8. Dezember, 20.15 Uhr) eine Dokumentation über den Kaufmann Simon mit dem Titel «Der Mann, der die Nofretete verschenkte - James Simon, der vergessene Mäzen».
Im Rahmen einer damals üblichen Fundteilung zwischen Ägypten und den Ausgräbern gelangten 5500 Objekte ins kaiserliche Berlin. Der Kaufmann James Simon, der die Grabungen finanziert hatte, schenkte die Nofretete-Büste und weitere Funde der Amarna-Grabungen im Jahre 1920 dem Ägyptischen Museum in Berlin. Die Büste wurde erstmals 1923 dem Publikum gezeigt.
Seit 2009 ist die Büste aus Kalkstein und Gips im Neuen Museum im Nordkuppelsaal des Stüler-Baus auf der Berliner Museumsinsel zu sehen. Seitdem hatte das Museum etwa drei Millionen Besucher. Hauptanziehungspunkt für viele ist der alles überstrahlende Frauenkopf mit den mandelförmigen Augen, der geraden Nase und den geschwungenen, vollen Lippen.
Für den derzeitigen Vorsitzenden der Deutschen Orient-Gesellschaft, Markus Hilgert, ist die Büste ein Faszinosum. Es sei unglaublich, dass ein Kunstwerk, das rund 3400 Jahre alt sei, «uns immer noch so sehr» anziehe.
«Moderne» Schönheit
Nofretete schlage damit eine Brücke zwischen dem alten Ägypten und heute. «Sie ist uns in ihrer Schönheit vertrauter als andere Kunstwerke aus ihrer Zeit», sagt Hilgert, der Altorientalist und Professor an der Universität Heidelberg ist.
Ihre Gesichtszüge näherten sich unserer Ästhetik an. «Ist es Ägypten, ist es Hollywood oder Südamerika?», könnte ein Betrachter mutmassen, der nur die Büste sieht und nicht den Kontext, in dem sie steht, sagt Hilgert.
Dieser Kontext ist Gegenstand der grossen Ausstellung «Im Licht von Amarna - 100 Jahre Fund der Nofretete», die das Neue Museum ab Freitag bis zum 13. April nächsten Jahres zeigt. Nicht nur Theologie und Kunst jener Zeit stehen im Mittelpunkt, erklärt das Museum zur Ausstellung. Auch der Alltag der Menschen in der damaligen Metropole Amarna soll widergespiegelt werden.
Diskussion um Eigentümer
Zum einen werden Varianten der Nofretete-Büste gezeigt: ein unvollendeter Modellkopf, eine Standfigur und der Kopf einer einstigen Doppelsitzstatue - alle mit den sofort wiedererkennbaren Gesichtszügen.
Auch eine Büste des Pharao Echnaton wurde eigens für die Schau rekonstriert. Daneben zeigt das Museum zahlreiche bisher noch nicht ausgestellte Fundstücke: Fragmente von Fliesen, von Gefässen, ausserdem Fotos der Grabung, bei der Nofretete gefunden wurde.
Besonders letztere dürften wieder Fragen nach der Rechtmässigkeit von Nofretetes Aufenthalt in Berlin aufwerfen. Der ehemalige Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Sahi Hawass, hatte sich in den vergangenen Jahren energisch dafür eingesetzt, die Pharaonen-Gattin an den Nil zurückzubringen.
Mehrfach unternahm der prominente Ägyptologe diplomatische Vorstösse und forderte das Kunstwerk zurück. Unter anderem kündigte er 2011 an, eine offizielle Eingabe beim Auswärtigen Amt einreichen zu wollen. Doch Hawass geriet in den Strudel der politischen Umwälzungen, der ihn das Amt des Ministers für Altertumsgüter kostete.
Im Grossformat auf dem Videoportal ![]()
(sda)
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 12 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt




















Die Schöne ist gekommen
Meine kleine Portraitserie Nefertiti, mit beiden Augen und richtigen fleischigen Ohren, damals bestimmt ein Schönheitsmerkmal des Menschen! Kein schielendes Etwas wie in der Ausstellung!
Sie ist in der Tat wunderschön
Ich sehe in ihr eine zeitlose Eleganz, eine klassische Schönheit. Wobei ich sagen muss, dass sie auf mich auch einen ambivalenten Eindruck macht. Es könnte ebensogut ein Mann sein. Ein sehr feiner, schöner Mann. Ich bin nicht sicher, ob dieses Gesicht einer Frau gehört. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall finde ich, dass der Mensch, der hier Modell stand, sehr schön war.
Kurzer Nachtrag
Auf Foto Nr. 3 sieht man ihr rechtes Profil. Da sieht sie sehr feminin aus. Auf Foto Nr. 6 sieht man ihr linkes Profil. Da sieht sie eher maskulin aus. Faszinierend.
Hawass
Immer dieser fürchterliche Zahi Hawass! Ägyptens Nationalarchäologe sieht ja nie die Notwendigkeit wissenschaftlich fundierten Vorgehens ein. Hauptsache, seine Propagandaziele werden irgendwie erreicht. Wäre er doch Schlangenfänger geblieben!