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Genfer Unruhen von 1932
09. November 2012 12:52; Akt: 09.11.2012 12:53 Print
Als die Armee aufs Volk schoss
von Rolf Maag - Am 9. November 1932 töteten Rekruten der Schweizer Armee in Genf 13 demonstrierende Arbeiter. In der Folge verschärfte sich der Links-rechts-Gegensatz erheblich.
Zu Beginn der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts waren die politischen Extreme in vielen Ländern Europas auf dem Vormarsch. Italien wurde seit 1922 von Benito Mussolinis Faschisten beherrscht, und in Deutschland hatte sich die NSDAP unter Adolf Hitlers Führung zur stärksten Partei gemausert. Andererseits herrschten seit 1917 in Russland die Bolschewisten, die ihr revolutionäres Gesellschaftsmodell zu exportieren trachteten.
Bildstrecken General Guisan Infografik Der Zweite WeltkriegRechtsextremismus in EuropaAuch an der Schweiz gingen diese Entwicklungen nicht spurlos vorüber. Besonders in Genf war die Lage angespannt: Die Sozialdemokraten (SPS) strebten dort unter der Führung des charismatischen Léon Nicole nicht nur eine «Einheitsfront» mit den Kommunisten (KPS) an, sondern sie bekämpften auch vehement die faschistische «Union Nationale» von Georges Oltramare, einem antisemitischen Schriftsteller und Journalisten.
Eine Demonstration eskaliert
Auf den 9. November 1932 berief Oltramare eine Versammlung ein, bei der Nicole öffentlich angeklagt werden sollte. Die Genfer Sozialdemokraten waren nicht bereit, sich das bieten zu lassen und forderten alle Arbeiter, auch die kommunistischen, zu einer Gegenkundgebung auf. Der Genfer Staatsrat geriet in Panik und ersuchte den Bundesrat um militärische Hilfe, die dieser auch gewährte: Eine Kompanie Rekruten wurde von Lausanne nach Genf beordert.
Als die Genfer Polizei am Abend des 9. Novembers mit den von Nicoles Reden aufgepeitschten Demonstranten nicht mehr zurechtkam, forderte sie die Truppe an. Die unerfahrenen Soldaten (sie befanden sich erst in der sechsten Ausbildungswoche) konnten die Lage allerdings auch nicht beruhigen. Mit der Zeit sahen sich die verantwortlichen Offiziere so sehr in die Ecke gedrängt, dass sie den Feuerbefehl erteilten. 13 Menschen starben, 65 wurden verletzt.
Die Linke zürnt
Schuld am Blutvergiessen war nach Meinung der Genfer Behörden vor allem Léon Nicole; der Arbeiterführer wurde kurz nach den Unruhen verhaftet. Sogleich wurden nationale Sammlungen für seine Prozesskosten, aber auch für die überlebenden Opfer der Unruhen organisiert.
Nicole wurde im Mai 1933 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die Verfahren gegen die Offiziere und Soldaten endeten jedoch mit Freisprüchen, da sie in Notwehr gehandelt hätten. Die Sozialdemokraten schäumten verständlicherweise vor Wut; in der Broschüre «Die Blutnacht von Genf» forderten sie die totale Abrüstung, da die Armee ein bürgerliches Instrument im Klassenkampf sei und nur gegen die Linke, aber nicht gegen die Faschisten eingesetzt werde. In den folgenden Jahren verschärfte sich zunächst der Ton in den Auseinandersetzungen mit dem Bürgerblock erheblich. 1935 gewannen jedoch die gemässigten Kräfte innerhalb der Partei die Oberhand und konnten ein neues Programm durchsetzen, das der Diktatur des Proletariats eine Absage erteilte und die Landesverteidigung befürwortete. Am 15. Dezember 1943 wurde schliesslich Ernst Nobs als erster Sozialdemokrat überhaupt in den Bundesrat gewählt.
Ein Schweizer Nazi
Georges Oltramare, gegen den keine Anklage erhoben worden war, betätigte sich im Zweiten Weltkrieg als Kollaborateur: Von 1940 bis 1944 arbeitete er in Paris für von den deutschen Besatzern kontrollierte Medien. Nach dem Krieg wurde er daher vom Bundesgericht für Vergehen gegen die Unabhängigkeit der Schweiz zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein französisches Gericht sprach 1950 in Abwesenheit sogar ein Todesurteil gegen ihn aus. Bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1960 hatte er ein Publikationsverbot.
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Alle 77 Kommentare

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Immer rechts vor links!
Die neuzeitliche Geschichte hat gleich mehrere Beispiele, wie gegen andersdenkende Bürger mit Gewalt vorgegangen wird. Erschreckend dabei ist, dass die "rechte Gesinnung" immer als tolerierbar angesehen wird, ja fast schon als "Kavaliersdelikt". Ist jedoch das Gedankengut zu sozial eingestellt, wird scharf geschossen. In der Schweiz gab und gibt es viele Freunde des braunen Gedankenguts. Diese nennt man neutral und scheinbar politisch korrekt: stolze Schweizer! Aufarbeitung und Transparenz sind bis heute eben linkes Gedankegut.
Extremismus führt zu Krieg
Leute mit verzerrter Wahrnehmung gibt es links und rechts. Extreme sind immer schlimm, egal ob links oder rechts.
2 Möglichkeiten...
1: Die Armee wird abgeschafft und wir benützen die eingesparten par Milliarden zum reparieren der Schäden nach den Ausschreitungen linker Verfechter farbigen Gedankengutes nach den Krawallen vom 1 Mai in Zürich... 2: (meine bevorzugte Variante) am nächsten 1 Mai rufen wir wieder irgendwelche Rekruten zu Hilfe um die friedlichen Brandschatzungen bereits im Keim zu ersticken...
herrlich
cool finde ich den begriff "friedliche Brandschatzung"... "Schatz, ich geh mal friedlich brandschatzen!" "Ja, komm mir aber nicht zu spät nach Hause!"...???
Vergangenheit = schon geschehen!
Immer an der Vergangenheit herumbasteln! Kann ich etwas dafür für all die Unfalltoten jedes Jahr?? Spulen wir ab jetzt immer zurück wenns knallt, versetzen die Autos und verhindern den Unfall? Genau so unrealistisch wie dieses obige Beispiel ist die tatsache, dass die einen oder anderen Glauben durch ihren nichtsbringenden Kommentar etwas ändern zu Können!