Havarie in der Arktis

26. November 2012 23:54; Akt: 26.11.2012 23:54 Print

Amundsens «Maud» wird geborgen

Mehr als 80 Jahre lag es im Norden Kanadas als Wrack im Eiswasser, nun wird es gehoben und nach Norwegen zurückgebracht: das Schiff des Polarforschers Roald Amundsen.

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1926 fror das Segelschiff in der Cambridge Bucht im äussersten Norden Kanadas fest; vier Jahre später schien sein Schicksal endgültig besiegelt: Die «Maud», das ehemalige Forschungsschiff des norwegischen Polarforschers Roald Amundsen, sank. Mehr als 80 Jahre lang ragte nur ein Teil des Wracks aus den eisigen Gewässern der Bucht.

Doch jetzt soll der Dreimaster Mitte kommenden Jahres geborgen und nach Norwegen zurückgebracht werden. Dies teilte der Leiter des Rückführungsprojektes, Jan Wanggard, am Sonntag mit. Das Schiff sei dank der eisigen Wassertemperaturen in erstaunlich gutem Zustand, sagte Wanggard weiter. Nach Abschluss der Bergung soll das Segelschiff ins norwegische Asker bei Oslo zurückgebracht und in einem neuen Museum ausgestellt werden.

Amundsen, der 1911 als erster Mensch den Südpol erreicht hatte, war 1918 mit der «Maud» aufgebrochen, um die Nordost-Passage von Europa nach Amerika zu durchqueren. 1906 hatte er bereits als erster Europäer die Nordwest-Passage zwischen Europa und Asien passiert. Die Expedition 1918 gestaltete sich schwierig, doch gelang es ihm nach zwei Jahren, mit der «Maud» Alaska zu erreichen. Mehrere geplante Expeditionen zum Nordpol scheiterten aber.

Kanada verliert Touristenattraktion

Amundsens Schiff wurde 1925 an die Hudson Bay Company verkauft und in «Baymaud» umbenannt. Der Dreimaster sollte als Versorgungsschiff die Aussenposten der Company in der westlichen Arktis anlaufen, doch 1926 fror er fest. Bevor das Schiff sank, wurde es als Lager benutzt. Die norwegische Gemeinde Asker, wo das nach der norwegischen Königin Maud benannte Schiff 1917 gebaut worden war, erwarb das Schiff 1990 für einen symbolischen Preis von einem Dollar.

Da die Gemeinde jedoch nicht genug Geld aufbrachte, um das Wrack in ein Museum in Norwegen zu überführen, verfiel die ausgestellte Exportgenehmigung. Erst nach Sicherung der Finanzierung durch private Geldgeber und nach längeren Verhandlungen gaben die kanadischen Behörden schliesslich grünes Licht für die Überführung.

Das Projekt zur Heimführung des legendären Schiffes war in Kanada zuerst auf Widerstand gestossen, weil der sichtbare Teil des Wracks als Touristenattraktion gilt.

(sda)