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Vor 50 Jahren
17. November 2011 16:12; Akt: 17.11.2011 16:54 Print
Bauernkrawall auf dem Bundesplatz
von Daniel Huber - Wüste Szenen spielten sich am 17. November 1961 vor dem Bundeshaus in Bern ab. Für Zoff sorgten aber nicht Linke, sondern die sonst so staatstreuen Bauern.
Polizisten und Soldaten in Kampfmontur, die Knüppel und Tränengas einsetzen und in einer wüsten Strassenschlacht Demonstranten vom Bundesplatz vertreiben: Dieses Szenario lässt an die üblen Krawalle vom Oktober 2007 denken, als hunderte von vermummten Autonomen kurz vor den Wahlen eine Kundgebung der SVP verhinderten und die SVP-Bühne auf dem Platz verwüsteten.
Doch die Bilder von der Demo sind schwarz-weiss, die Soldaten tragen altmodisch anmutende Stahlhelme und die Demonstranten – übrigens in der grossen Mehrzahl Männer – sind Bauern, keine Autonome. Die rund
Billige Importe aus dem Ausland
Der Bauernstand profitierte damals noch stark vom Landigeist, der vor dem und im Zweiten Weltkrieg in der Abwehr gegen Nationalsozialismus und Faschismus das bäuerliche Element der Schweiz extrem betont hatte. In der Zeit des Kalten Krieges galten die Bauern dem Bürgertum auch als zuverlässige Verbündete gegen den Kommunismus. Doch mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft, durch den immer weniger Bauern immer mehr produzierten, begann sich auch die Rolle der Bauern allmählich zu verändern. Hinzu kamen billige Importe aus dem Ausland, die bei den heimischen Erzeugnissen zu Absatzproblemen führten; schon Anfang der 60er-Jahre war es in der Romandie zu ersten Protesten gegen die Zoll- und Importpolitik gekommen.
«Und jetzt rennen die Leute»
Diese Unzufriedenheit des Landvolks brach sich nun am 17. November auf dem Bundesplatz Bahn: Nach der Demonstration, die noch friedlich verlaufen war, weigerten sich zahlreiche Bauern, den Bundesplatz wieder zu räumen. Irgendwann flogen Steine, Eier und faules Gemüse gegen das Bundeshaus und das kleine Polizeiaufgebot. Der Reporter Fredy Weber berichtete im Schweizer Radio live vom Bundesplatz: «Nun scheint es doch etwas dramatischer zu werden: 30 Polizisten im Kampfanzug haben sich (...) bereitgemacht und in einer Linie aufgestellt. Sie sind bewaffnet; ob sie Tränengas haben oder ob sie den Platz räumen werden, das werden wir jeden Moment erleben.» Kurz darauf intervenierten die Sicherheitskräfte tatsächlich. Weber: «Und jetzt rennen die Leute; die Tränengasgranaten werden geworfen, auf den ganzen Platz, überall – auch wir müssen zurück!»
Mit diesen wüsten Szenen endete die aggressivste Kundgebung auf dem Bundesplatz bis zur «Schlacht von Bern» 46 Jahre später.

























