Big Nose George

19. Dezember 2016 13:36; Akt: 19.12.2016 13:36 Print

Der Bandit, aus dessen Haut sie Schuhe machten

Der Wilde Westen war ein raues Pflaster. Doch das Schicksal von George Parrott ist auch für damalige Verhältnisse bemerkenswert.

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«Big Nose» George Parrott war ein übler Zeitgenosse. Ein Wildwest-Gauner wie er im Buche steht. Als Viehdieb und Eisenbahnräuber machte er im 19. Jahrhundert die Gegend, die heute den Mittleren Westen der USA bildet, unsicher. Seinen Spitznamen hatte er seiner grossen Nase zu verdanken, die ein bisschen wie ein Papageienschnabel wirkte.

«Big Nose» George war bereits einige Male mit dem Gesetz in Konflikt geraten, als er im August 1878 zu seinem dahin grössten Coup ausholte. Zusammen mit seiner Bande wollte er den Zug überfallen, der einmal im Monat die Gehälter für die Angestellten der Bahngesellschaft Union Pacific transportierte. Die Gangster sabotierten die Schienen nahe Como im Bundestaat Wyoming mit dem Ziel, den Zug zum Entgleisen zu bringen.

Verhängnisvolle Schüsse

Aufmerksame Bahnangestellte durchkreuzten den Plan. Sie reparierten das Gleis und alarmierten die Gesetzeshüter. «Big Nose» George und seiner Bande blieb nur die Flucht in den Rattlesnake Canyon, etwa 25 Meilen vom Tatort entfernt. Deputy-Sheriff Robert Widdowfield und Union-Pacific-Detektiv Henry «Tip» Vincent hefteten sich an ihre Fersen.

Kurz bevor sie die Banditen erreichten, wurden sie von diesen erspäht und kaltblütig in die ewigen Jagdgründe befördert. «Big Nose» George war nun ein gesuchter Doppelmörder. Auf seinen Kopf wurde ein Prämie von 5000 Dollar ausgesetzt, die später auf 10'000 Dollar angehoben wurde.

Derweil machte die Bande weiter. 1879 überfielen sie einen reichen Händler nahe dem heutigen Örtchen Terry im Bundestaat Montana. Es gelang ihnen dank guter Planung, mehrere tausend Dollar zu erbeuten – obwohl der Händler in einem Konvoi mit 15 US-Soldaten reiste.

Mehr als ein Glas zu viel

Doch das gestohlene Glück hielt nicht lange an. Eines schönen Tages im Jahr 1880 füllte sich «Big Nose» George in Miles City, Montana, derart die Lampe, dass er begann, mit dem Doppelmord anzugeben. Das sollte man nicht tun, wenn ein derart hohes Kopfgeld auf einen ausgesetzt ist. Prompt wurde der Outlaw festgenommen und nach Rawlins, Wyoming, überstellt, wo ihm der Mordprozess gemacht wurde.

Dieser war kurz und George Parrott sollte am 2. April 1881 gehängt werden. Er hatte jedoch andere Pläne und öffnete seine Fusseisen mit einem kleinen Messer. Es gelang ihm noch, den Gefängniswärter Robert Rankin zu überwältigen, bevor dessen Ehefrau Rosa dem Vorhaben ein jähes Ende setzte, indem sie geistesgegenwärtig die Aussentür verriegelte.

Schnell war ein wütender Mob vor Ort und es wurde beschlossen, «Big Nose» George augenblicklich aufzuknüpfen. Laut Augenzeugen verfolgte eine Meute von über 200 Menschen, wie der Mörder zehn Tage vor seinem eigentlichen Hinrichtungstermin bereits an einem Telegrafenmast gehenkt wurde.

Ein besonderes Paar Schuhe

Da niemand Anspruch auf die Leiche erhob, nahmen sie zwei Ärzte aus Rawlins für medizinische Studien an sich. Dr. Thomas Maghee untersuchte das Hirn des Kriminellen. Dafür sägte er dessen Schädel auf. Die Schädeldecke überliess er seiner 15-jährigen Assistentin Lillian Heath, die später die erste Ärztin in Wyoming wurde. Sie nutzte das praktische Geschenk unter anderem als Aschenbecher und als Türstopper.

Der zweite Arzt, John Osborne, fertigte eine Totenmaske an und häutete die Leiche. Die Haut der Oberschenkel und jene der Brust – inklusive der Brustwarzen – schickte er an eine Gerberei in Denver. Der Auftrag lautete, ihm daraus ein Paar Schuhe und eine Ärztetasche zu machen – inklusive Brustwarzen. Die Gerber taten wie ihnen geheissen und wenig später bekam Osborne die bizarren Accessoires zurück – ohne Brustwarzen allerdings, was ihn sehr enttäuscht haben soll.

Trotzdem machte Osborne politische Karriere und wurde sogar zum Gouverneur von Wyoming gewählt. Am Ball, der zum Anlass seiner Amtseinführung 1893 gegeben wurde, soll er die Schuhe aus «Big Nose» Georges Haut getragen haben. Diese stehen heute im Carbon County Museum in Rawlins und erinnern daran, dass der Wilde Westen so ganz und gar nichts Romantisches an sich hatte.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Koch am 18.12.2016 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Letzter Wille

    Gibts tatsächlich auch als letzten Wunsch.. Hab ich mal gelesen das man seine haut nach dem tot tatsächlich für ledermode hergeben kann.. Irgendwie widerlich..

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  • Realistus am 18.12.2016 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann nicht mehr

    Das waren noch namen :) Grossnase George. Krummzahn Hansli haha

  • Unbescholtener Bürger am 18.12.2016 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Democracy

    Dies erklärt auch das Abstimmungsresultat derer Nachkommen im vergangenen November.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Statter am 19.12.2016 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Recycling

    Ich habe so viele Tattoos dass ich immer sage wenns mich mal streckt kann meine Freundin noch einen schönen Lampenschirm aus mir machen. Wäre auch schade um die schönen Bilder im Ofen verbrennen oder in der feuchten Erde vergammeln zu lassen! Das nennt sich Bio Diversität. Recycling at his Best!

    • Bio. Gegner am 19.12.2016 16:59 Report Diesen Beitrag melden

      Biodiversität?

      Du hast aber auch keine Ahnung was Biodiversität bedeutet.

    • Biologe am 19.12.2016 21:50 Report Diesen Beitrag melden

      Biodiversität

      ... oder auch biologische Vielfalt genannt, bezeichnet die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft

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  • Ronald am 18.12.2016 20:56 Report Diesen Beitrag melden

    Damals

    Im Wilden Westen waren die Menschen trotz den umständen noch einiges Freier als heute, wenn man bedenkt dass wir sogar Regulierungen und Vorschriften für Kaugummipapier haben.

    • Kauz am 19.12.2016 14:29 Report Diesen Beitrag melden

      Achtung Ironie!

      Ja, gäll! So ein paar schöne Menschenhaut-Schuhe... das waren noch gute, alte Zeiten...! ;-)

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  • Bartli am 18.12.2016 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Schuhe noch getragen

    Du meine Güte, wie abartig aber auch. Es gibt nichts schlimmeres wie ein wütiger Mob und solche, die dann die tote Hülle noch derart verwerten, wie in dem Fall. Igitt Mich schaudert.

    • Wie bitte am 21.12.2016 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bartli

      Aber Leder von anderen Tieren ist dann ok?

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  • Leser am 18.12.2016 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Spannender Artikel

    Interessanter Artikel, über etwas, dass man so wohl kaum je erfahren würde. Abstrus, wie es vor noch gar nicht langer Zeit in Amerika zu und her ging. Wobei, sind sie heute so viel weiter? ;)

    • Sarawak am 18.12.2016 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leser

      In Mitteleuropa wurde dies vor weniger als hundert Jahren noch gemacht. Sind wir weiter?

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  • Realistus am 18.12.2016 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann nicht mehr

    Das waren noch namen :) Grossnase George. Krummzahn Hansli haha