Pioniere der Lüfte

13. November 2011 15:47; Akt: 28.11.2011 09:30 Print

Der erste Flugzeugträger der WeltDer erste Flugzeugträger der Welt

Am 14. November vor 101 Jahren wurde eine Waffengattung geboren, die noch heute einen Eckpfeiler amerikanischer Militärpolitik bildet: Zum ersten Mal startete ein Flugzeug von einem Schiff.

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Willkommen auf der USS Birmingham, dem ersten Flugzeugträger der Welt. Von hier aus startete am 14. November 1910 erstmalig ein Luftfahrzeug von einem Schiff. Die Birmingham war eigentlich ein Kreuzer, … .. der 1908 in Dienst gestellt wurde. Am Bug des Schiffes wurde auf der Navy-Werft in Norfolk nahe Portsmouth anno 1910 eine einfache Rampe aus Holzbrettern installiert, die bei 5 Grad Neigung 24,3 Meter lang und 7,3 Meter breit war. Dass es überhaupt zu der Luftfahrt-Sensation gekommen ist, ist in erster Linie drei Amerikanern zu verdanken. Auf Seiten der Navy war Washington Chambers verantwortlich, der aber einen schweren Stand hatte. Die Marine war der neuen Flugtechnologie gegenüber skeptisch: Dem Captain wurden keine Geldmittel, kein Stab und kein Büro für seine Evaluierung zur Verfügung gestellt. Auf einem Luftfahrertreffen in New York lernte Captain Chambers im Jahre 1910 den Piloten Eugene Ely (im Bild) kennen. Der damals 24-Jährige besass ein Flugzeug, das der Konstrukteur Glenn Curtiss gebaut hatte. Während es die Gebrüder Wright als zu gefährlich abgelehnt hatten, ein Flugzeug von einem Schiff zu starten, war Ely Feuer und Flamme für die Idee. Weil die Navy keine Mittel zur Verfügung stellte, mussten Konstrukteur Curtiss und Pilot Ely den Erstflug aus eigener Tasche zahlen. Am 14. November 1910, nur einen Monat nach dem Treffen mit Captain Chambers, war es dann soweit. Der Flieger wurde per Kran aufs Deck gehievt und zum Start vorbereitet. Elys Ausrüstung spiegelt die finanziellen Verhältnisse wider. Seine Kappe bestand aus einem aufgeschnittenen Lederfussball. Schwimmen konnte das Fliegerass nicht: Zwei überkreuzte Veloschläuche dienten ihm als Rettungsweste. Das Wetter an jenem Tag wurde schlechter, so dass das Pionier-Trio fürchten musste, die Presse und die Admiralität könnten abrücken. Hastig startete Ely also von der Birmingham. Nach dem Start sackte das Fluggefährt gefährlich durch. Die Räder streiften noch die Wellen, so dass Ely Gischt ins Gesicht flog. Als der Pilot versuchte, mit seinen ölverschmierten Handschuhen seine Brille zu säubern, sah er gar nichts mehr. Ely flog, so gut er konnte, und setzte den Flieger an Land auf. Erst dachte er, er wäre gescheitert, bis Chambers die Aktion als Erfolg wertete und einen weiteren Test nahe San Francisco anberaumte. Konstrukteur Curtiss stellte sein Wasserflugzeug zur Verfügung und bot der Navy (und auch der Army) Gratis-Pilotentraining an. Die Army musste bei den Wright-Brüdern, die die Generäle berieten, für solche Dienste zahlen. Anfang 1911 schulte Curtiss dann den ersten Navy-Piloten namens Theodor Ellyson. In San Francisco wurde das zweite Flug-Experiment wieder auf einem umgebauten Kreuzer durchgeführt. Hier war es die USS Pennsylvania, bei der anders als bei der Birmingham (im Bild) die Rampe am Heck installiert wurde. So wurde nicht nur die Start- und Landebahn länger, sondern es machte auch Einsätze möglich, während das Schiff in Fahrt war. Voilà: Die USS Pennsylvania. Ely sollte am 18. Januar 1911 nicht auf dem Schiff starten, sondern darauf landen. Er startete auf einem nahe gelegenen Flugplatz. Damit das Unterfangen gelang, wurde eine «Bremsanlage» ersonnen, die in ähnlicher Form noch heute zum Einsatz kommt. Wie auf diesem Bild gut zu sehen ist, waren 22 Seile über die Bahn gespannt, die an beiden Enden mit Sandsäcken fixiert wurden. Die Fangseile waren in in 30 Zentimeter Höhe angebracht: Einer der drei neuen Greifarme am Flugzeug sollte hinein fassen und das Gefährt bremsen. Die Landung war perfekt, der Jubel der zahlreichen Zuschauer gross. Nachdem sich der Flugpionier hatte feiern lassen, startete er erneut von der Pennsylvania und kehrte auf den Flugplatz zurück. Landesweit berichteten US-Medien über das erfolgreiche Experiment. Weil die Navy 1910 und 1911 vor allem in Häfen und Flüssen operierte, setzte sie nach dem Experiment vorerst auf Wasserflugzeuge. Sie konnten per Kran auf Schiffe und ins Wasser gehoben werden und brauchten keine Rampe, die Platz für Kanonen wegnahm. Schlussendlich hatte sich die Navy aber von der Nützlichkeit der Luftfahrt überzeugt. Am 8. Mai 1911 durfte Captain Washington Chambers zwei Flugzeuge von Curtiss à 5000 Dollar kaufen. Eines war für Wasserlandungen gebaut, eines hatte ein Radfahrwerk. Die Pilotenausbildung begann. Eugene Ely wollte dabei nicht zusehen und bat Captain Chambers um einen Pilotenjob, doch der lehnte ab. Der Pionier starb bald darauf im Oktober 1911, als er bei einer Flugschau abstürzte. Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, besass die Navy 109 Flugzeuge.

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Der 14. November 1910 hat die USS Birmingham zum ersten Flugzeugträger der Welt gemacht: Eigentlich handelte es sich bei dem Schiff um einen Kreuzer, der mit einer einfachen Holzrampe versehen worden war. Und die Navy war ursprünglich kein Fan der neuen Technologie: Captain Washington Chambers bekam für das erste Projekt weder Geld noch Personal. Doch dank des Pioniergeistes des mutigen Piloten Eugene Ely und des Flugzeugbauers Glenn Curtiss schaffte es das Trio mit einfachsten Mitteln für eine Luftfahrtsensation zu sorgen (Die ganze Geschichte und Fotos finden Sie in obiger Bildstrceke).

Japaner und Briten überholen USA

Die ersten Angriffe von See aus flog jedoch Japan, das 1914 den Transporter Wakamiya umgebaut und mit vier japanisch-französischen Fliegern vom Typ Maurice Farman bestückt hatte. Sie wurden per Kran zu Wasser gelassen und stürzten sich dann auf das vom Deutschen Reich kontrollierte Tsingtao.

Der erste Flugzeugträger in der Form, wie wir sie heute kennen, war die HMS Argus. Das britische Schiff war ein umgebauter Ozeandampfer und wurde im September 1918 in Dienst gestellt. Das Flugdeck mass 167,3 Meter und zog sich über das ganze Boot, doch wegen diverser Kinderkrankheiten diente die Argus als Experiment- und Trainingsschiff. Sie wurde 1946 an einen Schrotthändler verkauft. Ihr Nachfolger schlug sich besser: Die HMS Hermes wurde 1924 an die britische Navy übergeben und im April 1942 von japanischen Fliegern versenkt.

Japan und USA: erste Test-Träger

Nippon selbst hatte 1922 als erste Nation einen Flugzeugträger in Dienst gestellt, der als solcher gebaut worden ist. Auch die Hōshō diente anfangs Flugexperimenten, die 1924 zu einem Umbau führten. Sie wurde im japanisch-chinesischen Krieg und bis zur Schlacht von Midway im Zweiten Weltkrieg eingesetzt, bevor sie für Trainingszwecke in heimische Gewässer versetzt wurde. 1946 wurde die Hōshō verschrottet.

Der erste US-Carrier in seiner heutigen Form war die USS Langley, die wie die HMS Argus und die Hōshō gebaut wurde, um späteren Träger-Generationen Bahn zu brechen. Dazu wurde das Kohlenschiff USS Jupiter zwischen 1920 und 1927 umgebaut. An Bord: Eine Voliere mit Brieftauben für die Kommunikation. Weil die Tiere aber nicht zuverlässig eingesetzt werden konnten, blieb es bei diesem einem Experiment für Marine-Tauben. 1936 war die Träger-Karriere schon wieder vorbei: Die Langley wurde zu einem Flugboot-Tender umgebaut, dass die Piloten per Kran zu Wasser liess.

Heute sind Träger schwimmende Festungen

Doch ohne die wertvollen Erkenntnisse, die mit der Langley gemacht worden sind, wäre die erste US-Trägerklasse nicht möglich geworden. Die USS Lexington wurde der Marine 1927 übergeben und 1942 von den Japanern versenkt. Heute sind die Schiffe machtvoller denn je: Die aktuellste Träger-Generation ist die der Gerald-R-Ford-Klasse: 2015 soll das erste dieser Boote ausgeliefert werden. Die Entwicklung verschlang angeblich neun Milliarden Dollar, der Bau schlägt mit 14 Milliarden zu Buche, berichtet «Strategy Page».

Weil die schwimmenden Flugplätze so teuer und wertvoll sind, besteht eine Flugzeugträgerkampfgruppe immer aus einem Konvoi von Marine-Schiffen. Mit ihnen fahren zwei Lenkwaffenkreuzer mit Marschflugkörpern, zwei bis drei Lenkwaffenzerstörer gegen Luft- und U-Boot-Angriffe, eine Fregatte, zwei Jagd-U-Boote und ein Versorger.


Historische Aufnahmen der Navy von 1922. Quelle: YouTube


Alte Aufnahmen der USS Langley. Quelle: YouTube

(phi)