George Metesky

18. Februar 2018 18:05; Akt: 19.02.2018 11:21 Print

Irrer Bombenleger hielt New York 16 Jahre in Atem

Weil er sich von seinem Arbeitgeber unfair behandelt fühlte, legte ein Amerikaner 33 Bomben. Damit hielt er über viele Jahre eine ganze Stadt in Atem.

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Auf den alten Schwarzweiss-Aufnahmen sieht George Metesky so gar nicht wie ein gefährlicher Verbrecher aus. Eher wie ein netter Nachbar, mit dem man ab und zu vor dem Haus ein harmloses Schwätzchen hält. Doch harmlos war Metesky keineswegs. Hinter dem freundlichen Antlitz verbarg sich ein Mann, der in den 1940er- und 1950er-Jahren mit selbstgebastelten Bomben 15 Menschen verletzte.

Das Verhängnis nahm seinen Lauf, als Metesky bei der United Industrial Light and Power Company arbeitete, einer Tochterfirma des Energieversorgers Consolidated Edison. Dort wurde er bei einem Arbeitsunfall so schwer verletzt, dass er seinen Beruf aufgeben musste. 26 Wochen lang bekam er danach eine Lohnfortzahlung, dann war Schluss. Seine Forderung nach einer Kompensation wurde vor Gericht abgeschmettert, weil er damit zu lange gewartet hatte. Ob dieser Behandlung tief verbittert, sann Metesky auf Rache.

Die erste Bombe

Am 16. November 1940 fand die Polizei auf einem Fenstersims des Consolidated-Edison-Gebäudes eine Rohrbombe mit einer Notiz, die da lautete: «Con-Edison-Schufte, das ist für euch!» Ein Jahr später fand die Polizei eine weitere Bombe in der Nähe des Consolidated-Edison-Gebäudes, diesmal ohne Schreiben. Dann war vorerst Schluss. In einem Schreiben gab sich Metesky patriotisch und gelobte, solange die USA im Krieg waren, keine Bomben mehr zu legen. Er beschränkte sich in der Zeit darauf, Polizeiposten, Zeitungen und Consolidated Edison mit Briefen einzudecken, in denen er Gerechtigkeit forderte.

Dann, 1951, ging der Bombenterror weiter. Als Ziele wählte er nun hauptsächlich öffentliche Gebäude wie Bahnhöfe, Kinos und Bibliotheken. Am 29. März ging erstmals eine Metesky-Bombe auch wirklich hoch. Die Detonation in der Grand Central Station forderte keine Opfer. Im Dezember 1952 verletzte Metesky mit einer Bombe dann erstmals einen Menschen. Er hatte sie in einen aufgeschnittenen Sitz im Loew's Theater gesteckt. Ein Vorgehen, dass er mehrmals wiederholen sollte.

Verängstigte Bürger

Die Polizei bat die Presse, das Ereignis kleinzureden und keine Briefe des Bombenlegers zu veröffentlichen. Doch die Bevölkerung hatte längst Lunte gerochen und war entsprechend beunruhigt. Denn nun war klar: Ein irrer Bomber treibt sein Unwesen in der Metropole. Der Übername «Mad Bomber» war geboren.

Die Polizei suchte fieberhaft nach dem Täter. Ohne Erfolg. Bis 1956 legte Metesky weitere Bomben, die schliesslich insgesamt 15 zum Teil schwer verletzte Opfer forderten. Nicht alle Bomben gingen aber hoch; teils wurden sie erst später oder gar nie entdeckt.

Profiler kommt ins Spiel

In ihrer Verzweiflung wandte sich die Polizei schliesslich an den Kriminologen und Psychiater James A. Brussels und beauftragte ihn, ein Profil des irren Bombers zu erstellen – eine zu der Zeit noch wenig verbreitete Ermittlungsmethode. Brussels machte sich ans Werk und erstellte eine Beschreibung des Täters.

Die Informationen wurden mit der Öffentlichkeit geteilt, und Consolidated Edison wurde aufgefordert, ihre Akten nach Angestellten zu durchsuchen, auf die die Beschreibung passen könnte. Tatsächlich kam der entscheidende Hinweis schliesslich von Meteskys Ex-Arbeitgeber.

Am 21. Januar 1957 wurde der irre Bomber in seinem Haus in Connecticut verhaftet. Den Polizisten entging nicht, dass der Mann, den sie antrafen, fast genau dem Profil von Brussels entsprach. Metesky gestand auf der Stelle. Vier Monate später befanden die Richter Metesky für unzurechnungsfähig. So blieb ihm das Gefängnis erspart. Er wurde ins Matteawan Asylum for the Criminally Insane eingeliefert, einer Anstalt für geisteskranke Straftäter nördlich von New York. 1973 wurde er entlassen. Er ging zurück nach Connecticut, wo er 1994 mit 90 Jahren starb.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M/21 am 18.02.2018 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    In Österreich wurde jemandem mal das Kunst Studium verweigert. Der Rest der dunkelsten deutschen Geschichte ist ja bekannt.

    einklappen einklappen
  • Matthias am 18.02.2018 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts

    Hätten die den armen Mann mal anständig kompensiert...

  • FernLeser am 18.02.2018 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nun heist es abwarten

    Wie lange wird es dauern bis der IS die "Verantwortung " Für diese Anschläg übernimmt?

Die neusten Leser-Kommentare

  • M/21 am 18.02.2018 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    In Österreich wurde jemandem mal das Kunst Studium verweigert. Der Rest der dunkelsten deutschen Geschichte ist ja bekannt.

    • anonym am 18.02.2018 22:37 Report Diesen Beitrag melden

      @M/ 21:

      Komm nach Basel - da ist voll mit solchen Leuten...

    • Jossif am 19.02.2018 13:16 Report Diesen Beitrag melden

      in Georgien

      ist jemand anstatt Priester lieber Revolutionär geworden... die Folgen sind auch bekannt.

    einklappen einklappen
  • marko 33 am 18.02.2018 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Das ist Wahnsinnig schrecklich

  • Norbert am 18.02.2018 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosskonzern!!Achtung !Manager!

    Kommt hier auch einmal ,wenn man mit den Arbeitern so umgeht ,welche diese Firmen aufgebaut haben und nicht die Manager.

    • Xardas am 18.02.2018 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Norbert

      Nein kein Mitleid mit solchen Irren. Er hat unbeteiligte Leute verletzt. Wenn überhaupt hätte er die Firmenbosse und den Richter angreifen müssen.

    • marko 33 am 18.02.2018 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Norbert

      Genau

    einklappen einklappen
  • ukulele am 18.02.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    krank

    es ist unglaublich wie man hier kriminelle aufeinmal zu Stars darstellt .kein Wunder gibt es so viel kaputte Leute.

    • SamField am 18.02.2018 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ukulele

      Ich habe nicht wirklich das Gefühl, dass der Täter zu einem Star aufgespielt wird... Es ist einfach ein interessanter und vorallem sachlicher Bericht, mehr nicht!

    einklappen einklappen
  • Der Beste Mann der Welt am 18.02.2018 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich schätze

    er hatte einfach genug