USS Enterprise

13. März 2012 09:23; Akt: 13.03.2012 12:31 Print

Der letzte Einsatz des Leistungs-Trägers

von P. Dahm - Sie blockierte Kuba, sie brannte vor Vietnam. Sie brachte Bagdad Bomben, doch berühmt wurde sie wegen «Top Gun»: Der Flugzeugträger USS Enterprise hat ausgedient. Ein Blick zurück.

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Aufräumarbeiten auf der USS Enterprise: Der amerikanische Flugzeugträger tritt seine letzte Fahrt Richtung Arabisches Meer an. 2013 legt sie endgültig in Norfolk, Virginia an. In der dortigen Marine-Basis findet das legendäre Navy-Schiff seine letzte Ruhe. Wir schauen auf die bewegte Geschichte der schwimmenden Festung zurück. Die Enterprise trat ihren Dienst im November 1961 an - nach nur knapp vier Jahren Bauzeit in der Newport-Werft in Virginia. Die Kosten betrugen damals 451,3 Millionen Dollar, was inflationsbereinigt einem Betrag von 3,25 Milliarden Dollar im Jahr 2010 entspricht. Mit 342 Metern war die USS Enterprise 1961 das längste Schiff der Welt. Während dieser Rekord heute eingestellt ist, kommt an die acht (!) Nuklearreaktoren noch immer kein Schiff heran. Im Oktober 1962 beteiligt sich die Enterprise an der Kuba-Blockade und bildet ab 1964 zusammen mit der USS Long Beach und der USS Bainbridge die Gruppe «Task Force One» (im Bild), die erste nukleargetriebe Eingreiftruppe der Navy. Im November 1965 wird die «Big E» in den Pazifik verlegt und dient fortan als Basis für Bombardements im Vietnamkrieg (Im Bild: Startende F-8 Crusader und A-5 Vigilante). Am 14. Januar 1969 kommt es zu einem schweren Brand auf der Enterprise, als sich Raketen an einer parkierten F-4 Phantom entzünden. 27 Matrosen sterben bei den folgenden Explosionen, 314 Menschen werden verletzt. 15 Flugzeuge werden zerstört. Nach dem Waffenstillstand von 1973 wird der Träger in Washington überholt, um die neueste Errungenschaft der Navy an Bord nehmen zu können: die F-14 Tomcat. Der Jet und das Schiff spielen die Hauptrolle in dem Hollywoodstreifen ... ... «Top Gun» von 1986, der Tom Cruise berühmt macht. Die Navy unterstützt den Dreh mit Material und bekommt im Gegenzug Gratis-Werbung und Mitspracherechte. Eine Szene, bei der ein Jet auf das Flugdeck eines Trägers stürzen sollte, wird beispielsweise gestrichen. Mit Flugzeugen für Luftüberwachung und elektronische Kriegsführung wie der C-2 Greyhound oder der moderneren ... ... E-2 Hawkeye setzt die USS Enterpprise 1996 Flugverbotszonen über Bosnien und dem Irak durch. 1998 ist die USS Enterprise wieder im Kampfeinsatz: Zu Beginn der Operation «Desert Fox» fliegen F-14 Tag ... ... und Nacht Einsätze über dem Irak. Die Jets bilden nach den Marschflugkörpern die zweite Welle: ... ... Mit Raketen vom Typ HARM greifen sie feindliche Radarstellungen an. In der dritten Welle werden dann Kampfbomber auch von den Kommandoräumen der Enterprise zum Ziel gelotst. Als am 11. September 2001 das World Trade Center angegriffen wird, befindet sich die Enterprise auf dem Weg von einem Manöver in der Nordsee zurück in die USA. Der Träger kehrt um und zum Persischen Golf zurück. Ohne Befehl. Eine F-14 beim Start: Ab Oktober 2001 werden von der Enterprise aus Luftangriffe gegen Taliban in Afghanistan geflogen. Nach einer Werftüberholung 2002 sorgte die Enterprise in den beiden Folgejahren über dem Irak für Lufthoheit. Auf dem Flugdeck kommt es zur Wachablösung: Die F-14 Tomcat ... ... wird peu à peu von der F/A-18 Hornet abgelöst. Bis Dezember 2007 ist die Enterprise im Nahen Osten, dann kehrt sie zu einer Überholung zurück. Im Bild: Die «Big» E im August im Suez-Kanal. Als die Reparaturkosten explodieren, wird die «Pensionierung» des Trägers von 2015 auf 2013 vorverlegt, nachdem sie ein letztes Mal im Arabischen Meer Dienst tut. Der Stolz der Navy geht in Rente. Hier noch einige Erinnerungen: Das Flugfeld bei Nacht und Tag. Start einer F/A-18 Hornet im Grau ... ... und in der Abendröte. Eine F-14 wird 2001 für den Afghanistan-Einsatz vorbereitet. Das Startkatapult des Flugdecks.

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Die USS Enterprise geht in Rente: Obwohl sie eigentlich erst mit dem Stapellauf ihres Nachfolgers USS Gerald R. Ford 2015 abdanken sollte, wurde ihre letzte Reise ins Arabische Meer vorgezogen. 2013 tritt sie dann die finale Fahrt in den Marinehafen von Norfolk, Virginia, an. Der alte Kahn macht einfach zu viele Kosten. Damit schliesst sich quasi ein Kreis: Nach dem Stapellauf 1960 sollten fünf weitere Träger dieser Klasse gebaut werden, doch schon damals liefen die Ausgaben aus dem Ruder und das Schiff bekam doch keine Schwesterchen.

61 000 Tonnen amerikanischer Stahl

Der Name Enterprise hat übrigens Tradition in der US-Navy – obwohl das erste so getaufte Boot ein britisches war. Es wurde 1775 von Amerikanern in einem Handstreich übernommen. Vier weitere Segelboote folgten, bis die Navy 1916 ein Schnellboot mit dem Namen kaufte. Die Enterprise Nummer 7, die CV 6, war ebenfalls ein Flugzeugträger, der 1936 in Dienst gestellt wurde und eine grosse Rolle im Pazifik-Krieg gegen Japan spielte. Er wurde 1947 abgewrackt. Das Geld für den Nachfolger CVN 65 bewilligte der Kongress sieben Jahre später.

800 Firmen verbauten 61 000 Tonnen Stahl und über 1500 Tonnen Aluminium in der USS Enterprise. Acht Kernreaktoren sorgten für die Schiffsenergie: Mehr hatte kein Schiff nach diesem. 5800 Seeleute, Piloten und Offiziere halten die schwimmende Stadt über Wasser. Es gibt eine eigene Klinik, drei Bordzeitungen - und natürlich eine Kombüse, in der täglich 12 000 Mahlzeiten zubereitet werden. Diese Matrosen erlebten die Kubakrise und den Vietnamkrieg mit, die Piloten sind über Bosnien, dem Irak und Afghanistan im Einsatz gewesen.

Mission Accomplished

Dass die Enterprise dabei nicht selbst angegriffen worden ist, liegt auch an der geballten Kampfkraft der so genannten Trägerkampfgruppe: In der Regel begleiten zwei Lenkwaffenkreuzer mit Tomahawk-Marschflugkörpern, zwei Lenkwaffenzerstörer zur Luft- und U-Boot-Abwehr, eine Fregatte, zwei U-Jagdboote und Versorger den Flugzeugträger. Nur 1969 brannte das Flugdeck – doch daran war kein Vietcong Schuld. Bei einem Unfall explodierten Raketen an einer parkierten Phantom (siehe Bildstrecke).


Wiedererkennungseffekt: Der Hollywoodstreifen «Top Gun» hat die USS Enterprise berühmt gemacht. Hier das Video zum Filmlied «Highway to the Dangerzone». Quelle: YouTube

Der Ruhm der Enterprise ist derart gross, dass nicht zuletzt «Star Trek»-Erfinder Gene Roddenberry sein Raumschiff so benannt hat. In diesem Sinne können Enterprise-Fans gewiss darauf hoffen, dass auch in Zukunft ein Träger mit dem Namen auf den Meeren schippert. Eine Klippe hat das Schiff ja gekonnt umschiffen können: Seine berüchtigte «Mission Accomplisehd»-Rede hielt George Walker Bush 2003 aus der USS Abraham Lincoln.


Dieser Navy-Film von 1969 stellt Ihnen den «neuen» Träger vor (ab Minute 1). Quelle: YouTube


So geht es heute (noch) auf Deck zu. Quelle: YouTube