Edward Wilson

29. März 2012 12:08; Akt: 29.03.2012 15:07 Print

Der malende Polarforscher

von Susanne Lüthi - Zweimal ist Edward Wilson mit dem Entdecker Robert Scott an den Südpol gefahren. Auf seiner zweiten Reise – seiner letzten überhaupt – entstanden eindrückliche Bilder.

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100 Jahre nach dem Tod von Edward Adrian Wilson hat man seine Werke, die er während der zweiten, tödlichen Expedition von ... (Sonnenuntergang vom 2. April 1911 vom Hut Point aus gesehen.) ... Robert Falcon Scott schuf, wieder entdeckt. Geschaffen hat sie der Künstler in den Monaten April bis Juni 1911. Das sind die fünf Männer, die es bis zum Südpol schafften und auf dem Rückweg zu ihrem Schiff Terra Nova am 29. März 1912 den Tod fanden. Fotografiert haben sie sich am 18. Januar am Pol. Stehend von links nach rechts sind das Leutnant Henry (Birdie) Bowers, Kapitän Robert Falcon Scott und Dr. Edward Adrian Wilson. Vorne sitzen der Bootsmann Edgar Evans (l.) und Kapitän Lawrence (Titus) Oates. Bevor die Männer sich am 1. November 1911 zu Fuss Richtung Südpol aufmachen konnten, haben sie auf dem Schiff Terra Nova am Kap Evans überwintert. Der Mount Erebus. So hat Edward Wilson in der Basis in der Antarktik gearbeitet. Draussen konnte er keine Wasserfarben benutzen, da diese eingefroren wären. So hat er in der Natur Bleistiftskizzen angefertigt und sich Notizen über die Farben, die er später wählen würde, gemacht. 8000 Bewerbungen gingen bei Robert Falcon Scott ein. 65 Männer wurden ausgesucht, die nach der Discovery-Expedition (1901 is 1904) an seiner zweiten Reise zum Südpol teilnehmen durften. Blick gegen Osten vom Kap Crozier aus: Pinguine auf dem Great Ice Barrier, welches heute als Ross-Schelfeis bekannt ist. Wilson hat am 6. Juni 1911 festgehalten, wie der Leutnant Bowers das Thermometer abliest. Eine Höhle in der Great Barrier, gemalt am 4. Januar 1911. Orange Wolken nördlich vom Kap Evans. Mitternacht am Hut Point. Ein Sonnenuntergang im April beim Hut Point. Mount Erebus. Während der langen Überwinterung mussten die Teilnehmer die Ponys fit halten.

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Edward Adrian Wilson war ein britischer Ornithologe, Naturforscher und Arzt. Als solcher hat er den berühmten Antarktisforscher Robert Falcon Scott auf zwei Entdeckungsreisen (Discovery- und Terra-Nova-Expedition) an den Südpol begleitet. Da Wilson ein begnadeter Maler war, hielt er in vielen Zeichnungen (siehe Bildstrecke) die ewige Kälte fest, in welcher er dann, zusammen mit Scott und drei weiteren Männern, am 29. März 1912 sein Leben liess. Es hatte nur 39 Jahre zuvor, am 23. Juli 1872 im Südwesten Englands begonnen.

Bereits mit neun Jahren hatte er seinen Eltern verkündet, dass er Naturforscher werden wollte. Sein Vater unterstützte ihn in diesem Ansinnen. So zog der junge Wilson durch die Felder und Wälder seiner Heimat und zeichnete ab, was er interessant fand. Später studierte er Naturwissenschaften und später Medizin. Kurz vor dem Abschluss als Doktor erkrankte er 26-jährig an einer Lungenentzündung. In Norwegen und in der Schweiz erholte er sich davon. Während den langen Genesungsmonaten feilte er weiter an seinen Zeichnungskünsten.

Das Hundefutter verdarb, viele der treuen Begleiter verendeten

Zwei Mal reiste Wilson unter der Leitung von Robert Falcon Scott zum Südpol. Das erste Mal als Assistenzarzt, Zoologe und Maler am 6. August 1901, nur drei Wochen nach seiner Heirat. Während dieser «Discovery Expedition» kämpften sich Wilson, Scott und dessen späterer Konkurrent Ernest Shackleton zu Fuss so weit südlich vor, wie noch keiner vor ihnen. Nämlich rund 480 Kilometer weiter, sie konnten sich bis auf 770 Kilometer dem Pol nähern. Doch dann war Schluss, die Mission musste vorzeitig abgebrochen werden. Das Hundefutter verdarb und viele der treuen Begleiter verendeten.

Die Strapazen gingen auch an den drei Männern nicht spurlos vorbei, Shackleton war schliesslich gar zu schwach, den Schlitten zu ziehen. Diese Aufgabe mussten sich Wilson und Scott teilen. 93 Tage nach ihrem Aufbruch und nur noch knapp am Leben kehrten sie schliesslich zur rettenden Discovery zurück. Im September 1904 endete die Expedition.

Die ersten Menschen am Südpol

In London, wieder genesen, fragte Shackleton Wilson an, ob er ihn 1907 auf seine «Nimrod Expedition» begleiten wolle. Wilson winkte ab, wohl aus Solidarität mit seinem Weggefährten Scott. Mit diesem unternahm er 1910 die zweite Fahrt an den Südpol. Diese Reise sollte erfolgreich, aber auch ihre letzte überhaupt sein.

Während der Terra-Nova-Expedition segelten sie zum südlichen Packeis und kamen vor der Ross-Insel an. Von dort ging es für Wilson, seinen Freund Scott und drei weitere Männer zu Fuss weiter. Am 18. Januar 1912 erreichte der Trupp tatsächlich sein Ziel. Nur um dort festzustellen, dass dem Norweger Ronald Amundsen rund fünf Wochen zuvor gelungen war, was ihnen nun nicht mehr vergönnt war: Die ersten Menschen am Südpol zu sein.

Der eisige Tod

Auf dem langen Rückweg zu ihrem Schiff Terra Nova verstarben zunächst Kapitän Lawrence Oates und Bootsmann Edgar Evans. Wilson, Scott und Leutnant Henry Bowers schleppten sich drei Tage und 30 Kilometer weiter. Seine letzte Tagebucheintragung machte Scott am 29. März 1911 – am Tag, an dem die Männer ihren eisigen Tod fanden.

Ihre Leichen wurden ein Jahr später entdeckt. Wilson und Bowers lagen in ihren Schlafsäcken, Scott war zur Hälfte heraus gekrochen. Um seinen Freund in den Arm zu nehmen, über den er einmal geschrieben hatte: «Denke ich an Bill Wilson, fehlen mir die Worte. Ich glaube, er ist der feinste Mensch, dem ich jemals begegnet bin.»

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