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Eisenhowers Abschied
20. Januar 2011 07:42; Akt: 20.01.2011 14:56 Print
Die Warnung des Generals vor dem Militär
von Peter Blunschi - Die Vereidigung von John F. Kennedy begeisterte vor 50 Jahren die Welt. Bis heute aktuell ist jedoch die düstere Abschiedsrede von Vorgänger «Ike» Eisenhower.
Am 20. Januar 1961 fand mehr als ein Generationenwechsel statt. Der jugendlich-dynamische John F. Kennedy löste den alten General Dwight D. Eisenhower als Präsident der Vereinigten Staaten ab. Kennedys Antrittsrede bei eisigen Temperaturen ging in die Geschichte ein, nicht zuletzt durch den legendären Satz (siehe unten): «Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann, fragt, was ihr für euer Land tun könnt.»
Heute löst diese Rede vor allem nostalgische Gefühle aus. Mit Wehmut denken viele zurück an die Aufbruchstimmung zu Beginn der 60er Jahre, als noch alles möglich schien. Ein leicht verklärter, aber verständlicher Blick angesichts der heutigen gesellschaftlichen Realität. Nicht nur, aber vor allem in den USA scheint persönlicher Egoismus mehr zu zählen als der Einsatz für das Gemeinwohl, den Kennedy angemahnt hatte.
Der militärisch-industrielle Komplex
Um einiges aktueller wirkt die Abschiedsrede von Dwight Eisenhower, die er drei Tage vor der Vereidigung seines Nachfolgers im Fernsehen gehalten hatte. Eindringlich warnte er vor «unberechtigtem Einfluss» durch «den militärisch-industriellen Komplex». Noch deutlicher waren die folgenden Worte: «Das Potenzial für den katastrophalen Aufstieg fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiter bestehen. Wir dürfen nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet.»
Die unverblümte Warnung erstaunte, denn «Ike», wie alle Welt ihn nannte, war durch und durch Soldat. Als Oberkommandierender der alliierten Truppen in Europa war er der glorreiche Sieger über Adolf Hitler und damit ein Kriegsheld. Seine Worte haben zahlreiche Verschwörungstheoretiker inspiriert, etwa Regisseur Oliver Stone, der in seinem «JFK»-Film den besagten «militärisch-industriellen Komplex» für die Ermordung Kennedys verantwortlich machte, weil der sich angeblich aus Vietnam zurückziehen wollte.
Ausgaben tendenziell gesunken
Sicher ist, dass Eisenhower nicht einfach einen spontanen Gedanken ausgesprochen, sondern monatelang an seiner Abschiedsrede gefeilt hatte, wie sein Enkel David Eisenhower dem «National Public Radio» erklärte. Kürzlich entdeckte Manuskripte belegen dies. Sein Grossvater habe auf die Bedrohung für den demokratischen Prozess durch Einzelinteressen hinweisen und an den Bürgersinn appellieren wollen, sagte David Eisenhower.
Wie gross der Einfluss von Militär und Rüstungsindustrie in den USA wirklich ist, bleibt eine Frage des Standpunktes. Zu Eisenhowers Zeit war er, angetrieben durch die paranoide Stimmung während des Kalten Kriegs, in der Tat beträchtlich. Die Verteidigungsausgaben machten rund zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts aus. Heute ist es noch die Hälfte, was konservative Kreise gerne hervorheben. Der Anteil des Gesundheitssektors etwa ist sechsmal höher. Tatsache ist aber auch, dass keine Nation so hoch gerüstet ist wie die USA.
Wie viele Bomber und Schiffe sind nötig?
Die Rüstungslobby ist eine der finanzkräftigsten in Washington, ihre Argumente stossen im Kongress stets auf offene Ohren, erst recht in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit. Und doch stellt sich angesichts rekordhoher Defizite die Frage, ob das Geld nicht sinnvoller ausgeben werden kann. Schon «Ike» Eisenhower äusserte sich dazu in aller Deutlichkeit: «Jede Waffe, jedes Kriegsschiff, jede Rakete ist letztlich Diebstahl. Die Kosten eines modernen, schweren Bombers entsprechen einem modernen Backsteinschulhaus in mehr als 30 Städten.»
Es ist dieser Aspekt, der Eisenhowers Rede so aktuell macht. Selbst Verteidigungsminister Robert Gates, ein Verehrer des Generals, dachte letztes Jahr bei einem Auftritt in der Eisenhower-Präsidentenbibliothek laut darüber nach, ob «wirklich eine ernsthafte Bedrohung besteht, wenn wir 2020 nur 20 Mal mehr Tarnkappen-Bomber als China haben» oder «so viele Kriegsschiffe wie die nächsten 13 Seestreitkräfte zusammen». Einen ersten Schritt hat Gates unternommen: Er will das Verteidigungsbudget um 78 Milliarden Dollar kürzen.


























