Chronologie

26. August 2017 21:34; Akt: 26.08.2017 21:34 Print

Die bedeutendsten Felsstürze der Geschichte

Immer wieder kommt es, wo es Berge, Eis und Schnee gibt, zu Fels- oder gar Bergstürzen. Hier eine Übersicht der wichtigsten Ereignisse seit prähistorischer Zeit.

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Der Flimser Bergsturz war mit einem Volumen zwischen 9 Milliarden Kubikmetern und 15 Milliarden Kubikmetern das grösste alpine Bergsturzereignis aller Zeiten. Von der Totalp im Parsenngebiet stürzten weit über 300 Millionen Kubikmeter ins Tal. Die Gesteinsmassen bildeten so den Wolfgang-Pass und den Davosersee (Bild). Am 30. September 1513 ging oberhalb von Biasca (Bild) ein Bergsturz von der Westflanke des Monte Crenone (heute Pizzo Magn) nieder. Die Geröllmassen versperrten das Bleniotal, worauf sich der Brenno zu einem 5 km langen See staute. Am 20. Mai 1515 brach der Damm. Rund 600 Menschen starben. Die fruchtbare Ebene bis zum Langensee verwandelte sich in eine Wüste. Nach einem Erdbeben kam es am 4. März 1584 oberhalb von Luan zu einem Bergsturz. Er riss Häuser und Ställe von Corbeyrier fort und zerstörte einen grossen Teil von Yvorne (Bild). Rund 330 Menschen starben. Yvorne wurde erst 1607/08 weiter östlich wieder aufgebaut. Die beiden Bergeller Dörfer, die damals bündnerisches Untertanengebiet waren, wurden durch einen Bergsturz komplett zerstört. Wohl gegen 2400 Menschen starben. Ursache war der unsachgemässe Abbau von Speckstein. Zahlreiche Bergwerkslöcher hatten den Monte Conto destabilisiert. (Vorher/nachher-Bild von Martin Zeiller, Topographia Helvetiae, 1642/1654) Im 18. Jahrhundert ereigneten sich hier zwei riesige Bergstürze. Beim ersten am 23. September 1714 starben 15 Menschen. Beim zweiten Bergsturz brach im Frühling 1749 ein grosser Teil einer Felswand des Diablerets ab. Die Geröllmassen liessen den Lac de Derborence entstehen. Mit einem Volumen von rund 50 Millionen Kubikmetern war es der gewaltigste Bergsturz, der sich in historischer Zeit in der Schweiz ereignet hat. Am 2. September 1806 lösten sich an der Südflanke des Rossbergs gegen 40 Millionen Kubikmeter Gestein. Die Gesteinsmassen zerstörten die Dörfer Goldau, Röthen sowie Teile von Buosingen und Lauerz. 457 Menschen starben. Wie gut 250 Jahre zuvor in Plurs war auch der verheerende Bergsturz von Elm vom Menschen zumindest mitverschuldet. Im Bergbau unerfahrene Elmer hatten derart ungeschickt Schiefer abgebaut, dass am 11. September 1881 rund 10 Millionen Kubikmeter Gestein abstürzten. 114 Menschen starben, 83 Gebäude wurden vernichtet. Aus der Südwand des Flimsersteins stürzten am 10. April 1939 100'000 Kubikmeter Fels zu Tal. Sie begruben das Kinderheim Sunnehüsli (Bild) unter sich. 5 Erwachsene und 13 Kinder kamen ums Leben. Am 18. April und am 9. Mai 1991 kam es zu zwei Abbrüche mit einem Gesamtvolumen von 33 Millionen Kubikmetern. Bahnlinie und Strassenverbindung nach Zermatt wurden unterbrochen. Die Vispa wurde zugeschüttet und aufgestaut. Um der Überschwemmungsgefahr zu begegnen, musste ein 20 Meter tiefer Kanal durch den Schuttkegel gegraben werden. Am 13. Juli 2006 stürzten 500'000 Kubikmeter Fels von der die Ostflanke des Hörnli am Eiger auf den Unteren Grindelwaldgletscher. Das Geröll staute einen 250'000 Kubikmeter grossen See auf, der seit 2009 über einen Stollen kontrolliert abgelassen werden kann. Am 30. Oktober 2006 stürzten bei den Dents du Midi im Val d'Illiez im Unterwallis über eine Million Kubikmeter Gestein ins Tal. Der Fels hatte sich in rund 3000 Metern Höhe von der Haute-Cime, der höchsten Spitze der Bergkette gelöst. Trotz der Massen wurde niemand verletzt, auch Sachschäden gab es keine. Als Ursache wird der ungewöhnlich warme Sommer vermutet. Am 28. Dezember 2011 kam es im Gipfelbereich des Piz Cengalo zu einem gewaltigen Felssturz: Rund 1,5 Millionen Kubikmeter Fels stürzten ins Val Bondasca. Weil das Tal unbewohnt ist, kam niemand zu Schaden, allerdings wurde der Wanderweg Vial zwischen Sasc-Furä- und Sciorahütte verschüttet und ist seither gesperrt. Das Gebiet wird seitdem überwacht. Am 15. Mai 2012 donnerten in den frühen Morgenstunden bei Preonzo rund 300'000 Kubikmeter Fels ins Tal. Insgesamt waren während dieser Zeit bis zu 800'000 Kubikmeter in Bewegung. Menschen kamen nicht zu Schaden. Das ist laut Experten dem Umstand zu verdanken, dass der Fels nicht aufs Mal, sondern in kleineren Portionen abrutschte. Als Auslöser gelten der schneereiche Winter 2011/12 und das regenintensive Frühjahr. Am 5. Juni 2012 ging zwischen den Urner Gemeinden Gurtnellen und Zgraggen ein Felssturz auf das Bahntrassee der Gotthardstrecke nieder. Dabei wurden zwei Bauarbeiter verletzt, die gerade dabei waren, den Fels zu sichern. Ein weiterer wurde unter den 2000 bis 3000 Kubikmetern Geröll begraben. Weil weitere 500 Kubikmeter Fels abzustürzen drohten, konnte er erst Tage später tot geborgen werden. Die Bahnlinie musste für einen Monat unterbrochen werden. Am 23. August 2017 stürzten gegen 9.30 Uhr vom Piz Cengalo im Val Bondasca, einem Seitental hinter Bondo, nach bisherigem Kenntnisstand 4 Millionen Kubikmeter Fels hinab. Das Geröll wurde dann als Murgang vom Bach Bondasca talauswärts bis nach Bondo geschoben, wo dieser zwei Ställe sowie Maiensässe zerstörte. Acht Wanderer werden zurzeit vermisst.

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Der mit Abstand grösste Bergssturz ereignete sich vor knapp 10'000 Jahren im Gebiet des heutigen Flims. Milliarden Kubikmeter Geröll veränderten damals die Landschaft nachhaltig. Doch auch kleinere Ereignisse können verheerende Folgen haben.

Von einem Bergsturz spricht man, wenn mehrere Millionen Kubikmeter Gestein aus einem Felsverband abstürzen. Kleinere Ereignisse bezeichnet man als Felssturz. Von Steinschlag spricht man bei Gesteinsvolumina unter 100 Kubikmetern.

(jcg/fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fridolin Freuler am 26.08.2017 21:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Phänomen Berg

    Fels- Bergsturz, Geröll- und Schlammlawinen gehören einfach zur Natur dazu. Warum? Berge sind stets in Bewegung, falten sich auf (Glatzentektonik) und werden durch Wind und Wetter wieder abgetragen. Alles ganz natürlich.

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  • smitran am 26.08.2017 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    Eiger

    Am Eiger sind am 21.07.2006 sicher nicht 500´000 Millionen m3 abgerutscht. 500´000 m3 also eine halbe Million währen richtig. ist schon ein kleiner unterschied.

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  • Giräffli am 26.08.2017 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gondo VS

    Und was ist mit Gondo? Weiss nicht wieviel Kubikmeter Gestein, aber es kamen 13 Menschen ums Leben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Arnet am 27.08.2017 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spekulation

    1910 Sörenberg, Jahre später kauft ein Wolhuser Unternehmer das "Schuttgebiet" um es anschliessend mit Gewinn parzellenweise weiterzuverkaufen. Auf dem Schuttkegel werden über 40 Ferienhäuser gebaut. Der Berg rutscht weiter und es müssen Schutzdämme gebaut werden, mit Steuergeldern versteht sich. Gut gemacht Herr Unternehmer.

  • Peter Ärger am 27.08.2017 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Felssturz von Arth war auch sehr schlimm, 50 Mio m3 Stein und das ohne das Verkaufsthema Klimawandel.

    • B. Ergler am 27.08.2017 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Vergleich

      @Peter Ärger: Auf dem Rossberg (1600 müM) gab es damals garantiert keinen schmelzenden Permafrost. Die "Quelle" des aktuellen Felssturzes liegt nun aber auf 3300 müM. Ihr Vergleich ist an Dekadenz nicht zu überbieten.

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  • Lebensarchitekt am 27.08.2017 04:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unbeschreibliche Kräfte haben gewirkt...

    Die Natur hat uns wieder einmal gezeigt, wie unberechenbar sie ist und wie ernst und gewaltig sie sein kann. Fazit: Naturereignisse jeglicher Art - hat es schon immer gegeben und wird es auch in Zukunft geben.

    • Pragmatiker am 27.08.2017 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lebensarchitekt

      Ja. Früher alle paar tausend Jahre...dann alle hundert...dann alle fünfzig usw. Eine deutliche Zunahme. Aber ja, man kann seine Augen vor jeder Tatsache verschliessen.

    • Phil am 27.08.2017 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      In der Neuzeit....

      Ist in vielen Fällen war der unsachgemässe Bergbau und das Bauen in gefährdeten Zonen die Hauptursache für die Katastrophen in welchen Menschen ums Leben kamen.

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  • Cello am 27.08.2017 03:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefahrenzonen

    Einige Unglücke könnten in der heutigen Zeit vermieden werden. Ich finde es von teils Gemeinden auch Verantwortungslos, Bauland in den bekannten roten Gefahrenzonen, überhaupt freizugeben für Neubauten. Allen Betroffenen von Bondo wünsche ich alles Liebe und Gute und viel Kraft.

  • Staatsanwalt am 27.08.2017 03:04 Report Diesen Beitrag melden

    Untersuchung

    Nur Naivlinge glauben dass das Ereignis unverhofft eintrat, der Berg rumpelte schon seit Jahrzehnten, würde mich nicht wundern wenn die Untersuchung Fehler der Behörde aufdeckt!