Von Markow bis Kim Jong-nam

25. Februar 2017 22:45; Akt: 26.02.2017 02:35 Print

Die spektakulärsten Giftanschläge

Kim Jong-nam wurde mit Nervengift getötet. Der Fall erinnert an weitere Verbrechen in der jüngeren Geschichte.

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Giftmorde sind ein Bestandteil der realen Spionagewelt, so wie James Bonds Lizenz zum Töten in die Fiktion gehört. Bei dem bulgarischen Dissidenten Georgi Markow wurde 1978 das Gift Rizin benutzt, bei Kim Jong-nam, dem Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, wurde das Nervengift VX zum Verhängnis. Hier ein kurzer Überblick über einige spektakuläre Fälle:

  • Kim Jong-nam
Der in Ungnade gefallene Halbbruder des nordkoreanischen Staatschefs wurde am 14. Februar inmitten anderer Reisender auf dem Flughafen von Kuala Lumpur mit einem chemischen Spray besprüht. Nach Angaben der malaysischen Ermittler entpuppte sich die Substanz als das Nervengift VX. Kim Jong-nam zeigte schnell Krankheitssymptome und starb noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Den Sanitätern sagte er zuvor noch, dass er von zwei Frauen mit etwas besprüht worden sei.

Aufnahmen von Überwachungskameras sollen den Anschlag auf den Halbbruder von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un zeigen. Video: Reuters

Die malaysische Polizei hat bisher nicht Nordkorea als Auftraggeber des Giftmords bezeichnet. Ermittlern zufolge haben aber vier Nordkoreaner den Frauen das Gift gegeben.

Giftattacke auf Kim Jong-nam

  • Alexander Litwinenko
Dem ehemaligen russischen Geheimdienstagenten wurde am 1. November 2006 in einem Londoner Hotel ein Tee mit einer tödlichen Dosis Polonium-210 gereicht. Drei Wochen später starb er an akuter Strahlenkrankheit. Zehn Jahre danach, im Januar 2016, kam ein britischer Richter zu dem Schluss, dass der russische Präsident Wladimir Putin möglicherweise persönlich einen Plan des Geheimdienstes FSB zur Ermordung Litwinenkos gebilligt habe. Litwinenko, ein Kreml-Kritiker, hatte noch auf dem Totenbett diesen Vorwurf erhoben. Bis heute wurde niemand wegen der Tötung Litwinenkos zur Rechenschaft gezogen.

Der Mord an Alexander Litwinenko

  • Wiktor Juschtschenko
Im September 2004 wurde der damalige ukrainische Präsidentschaftskandidat von einer schweren Dioxinvergiftung aus seinem Wahlkampf katapultiert. Juschtschenko überlebte, sein Gesicht war allerdings von der fast tödlichen Dosis gezeichnet. Mit der Orangenen Revolution kam er schliesslich doch noch ins Präsidentenamt. Im Oktober 2005 wurde offiziell ein Mordversuch gegen Juschtschenko festgestellt und der ukrainische Generalstaatsanwalt Swjatoslaw Piskun dafür verantwortlich gemacht.

  • Chaled Maschaal
Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad sprühten dem Führer der militanten palästinensischen Hamas-Bewegung 1997 eine Substanz in ein Ohr, als er in Amman spazieren ging. Es wurde vermutet, dass es sich um ein dem Schmerzmittel Fentanyl ähnliches Mittel gehandelt hatte. Maschaal überlebte, weil der jordanische König Hussein damit drohte, die gefangen genommenen Mossad-Agenten auf einem Platz der Hauptstadt öffentlich hängen zu lassen, sollte Israel kein Gegenmittel liefern. Israel lieferte, und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sah sich auch noch gezwungen, etliche palästinensische Gefangene im Austausch gegen die Mossad-Agenten freizulassen.

  • Georgi Markow
Der bulgarische Dissident wartete im September 1978 an einer Haltestelle an der Londoner Waterloo Bridge auf den Bus, als er einen Stich in den Oberschenkel verspürte. In der Spitze eines Regenschirms war ein Rizin-Kügelchen in Stecknadelgrösse versteckt, das ihm injiziert wurde, wie britische Forscher herausfanden. Der Journalist und Regimekritiker starb nach vier Tagen. Für seinen Tod wurde nie jemand zur Verantwortung gezogen. Es war einer der berühmtesten Mordfälle des Kalten Kriegs. Über den Verdacht, dass wohl der sowjetische Geheimdienst KGB und die bulgarische Geheimpolizei dahintersteckten, kam man damals nicht hinaus.

(woz/NXP)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 25.02.2017 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo USA?

    Und wo sind die Giftanschläge der USA? Ahh ja stimmt die sind ja die guten...

    einklappen einklappen
  • :-( :-( :-( am 26.02.2017 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Viel längere Liste

    Es gäbe eine viel längere liste die heissen würde - die Mörder die diese Welt regieren -:-(

  • vollmond am 26.02.2017 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schweigen

    auch wenn es schwer fällt, manchmal ist schweigen wirklich goldwert...

Die neusten Leser-Kommentare

  • EMM am 26.02.2017 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Familienmord

    War in hohen Amt, gang und gäbe. Da war bei Osmanen und China vor 2000 Jahren nicht viel anders, weil man durch Geschwister etc, seine Macht bedroht sah. Und ich dachte die dinge hätte sich geändert, ist wohl nicht der Fall :-(

  • EMM am 26.02.2017 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm

    Wenn ich mich nicht täusche, gab es bei NSA Affäre paar Probleme, weil sie gegen die Verfassung verstösst. Zwei Personen mussten wegen Magensäure ins Spital. War das vielleicht alles zufall? Oder gibt es einen Mittel der in der Lage wäre der Magen regelrecht zu schaden?

  • Junior am 26.02.2017 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Yassir Arafat

    da fehlt noch ein wichtiges Opfer , Spekulationen zufolge wurde er auch mit Polonium-210 vergiftet wie Alexander Litwinenko . Das radioaktive Isotop ist ein ideales Gift nur leider sehr schwer nachweisbar.

  • J. Blond am 26.02.2017 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Ebene

    Wenn Geheimdienste ihren geheimen Dienst tun, dann wohl kaum für die Wohlfahrtsstiftung. Übrigens jeder Staat hat so einen, die Schweiz auch.

  • :-( :-( :-( am 26.02.2017 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Viel längere Liste

    Es gäbe eine viel längere liste die heissen würde - die Mörder die diese Welt regieren -:-(