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Zweiter Weltkrieg
10. Juli 2010 17:41; Akt: 10.07.2010 17:42 Print
Englands grösste Stunde
von Daniel Huber - Vor 70 Jahren begann die Luftschlacht um England. Was als Auftakt zur Invasion Britanniens geplant war, wurde zur ersten Niederlage der deutschen Militärmaschine.
Britische Soldaten bewachen in Devonshire eine notgelandete deutsche Messerschmidt (Bild: Keystone/Findlay Kember)
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Der Zweite Weltkrieg
Im Sommer 1940 standen die Armeen Hitlers, die zuvor Polen, Dänemark, Norwegen und dann die Beneluxstaaten und Frankreich in schnellen Feldzügen erobert hatten, an der französischen Kanalküste. Auf der anderen Seite leckten die Briten ihre Wunden; die britische Armee bestand aus nicht viel mehr als den Resten des Expeditionskorps, die im «Wunder von Dünkirchen» aus Frankreich evakuiert worden waren und dort die schweren Waffen hatten zurücklassen müssen.
Gut vorbereitet: Londoner Feuerwehrleute bei einer Übung
Ausgebombt: Kinder in London
Bombenschäden in der britischen Hauptstadt
Englische Piloten im Einsatz
Effizientes britisches Luftabwehrkonzept: Radaranlagen und Luftraumbeobachter
Infografik
Der Zweite WeltkriegNürnberger Prozess
Luftwaffe
Die drei gegen Grossbritannien operierenden Luftflotten der deutschen Luftwaffe verfügten im Juli 1940 über beinahe 1600 Bomber der Typen Dornier Do 17, Heinkel He 111 und Junkers Ju 87 («Stuka»). Dazu kamen über 800 einmotorige Jäger des Typs Messerschmitt Bf 109 und 300 zweimotorige Jäger des Typs Messerschmitt Bf 110.
Die Stukas wurden aufgrund hoher Verluste bald nicht mehr eingesetzt. Die Messerschmitt BF 110 waren zu wenig wendig und enttäuschten die Erwartungen. Die Messerschmitt Bf 109 hingegen blieb der herausragende Jäger auf deutscher Seite, der der britischen Spitfire in Höhen über 6000 Metern überlegen war.
Die Luftwaffe verlor bis Mai 1941 rund 2000 Luftwaffenangehörige im Kampf; 2600 wurden vermisst oder gefangen. Vom 10. Juli bis 31. Oktober wurden insgesamt 1733 Flugzeuge im Luftkampf abgeschossen.
Messerschmitt Bf 109 RAF
Im Juni 1940 konnte die RAF rund 500 Bomber, 700 einmotorige Jäger (davon ca. 250 Spitfires) und knapp 100 zweimotorige Jäger aufbieten. Der Standardjäger der Royal Air Force war die zuverlässige Hawker Hurricane. Daneben verfügte die RAF über den modernen Jäger Supermarine Spitfire, der der deutschen Messerschmidt Bf 109 unter 6000 Meter Flughöhe überlegen war. Als zweimotoriger Jäger wurde in geringen Stückzahlen die Bristol Blenheim eingesetzt.
Vom 10. Juli bis zum 31. Oktober 1940 verlor die RAF 544 Piloten und 1547 Flugzeuge, von denen 915 im Luftkampf abgeschossen wurden.
Supermarine Spitfire
Dem Führer, der sich im Erfolg des Westfeldzugs sonnte, schienen alle Optionen offen zu stehen. Noch hielt im Osten der Pakt mit Stalin, mit dem er sich Polen geteilt hatte. Gegen den «Blitzkrieg» der Wehrmacht schien kein Kraut gewachsen. Die deutsche Luftwaffe hatte im Frankreichfeldzug ihre Überlegenheit demonstriert. England, so schien es, musste um Frieden bitten, oder es würde vernichtend geschlagen werden.
«Operation Seelöwe»
Der britische Premierminister Churchill indes schwor sein Land auf unbedingten Widerstand ein. In seiner berühmten Rede vom 4. Juni sagte er: «Wir werden unsere Insel verteidigen, was auch immer die Kosten sein mögen.» Und am 18. Juni bezeichnete er den Kampf der Briten gegen die Nazis als «ihre grösste Stunde» («their finest hour») und prägte den Begriff der «Battle of Britain»: «Die Schlacht, die General Weygand die Schlacht um Frankreich nannte, ist vorbei. Ich erwarte, dass jetzt die Schlacht um Britannien beginnen wird.»
Und Churchill hatte Recht: Im Juli liess Hitler Pläne zur Invasion Grossbritanniens («Operation Seelöwe») ausarbeiten — ein Unterfangen, das zuletzt den Normannen im Jahr 1066 gelungen war. Angesichts der gewaltigen britischen Überlegenheit zur See war die Erringung der Luftherrschaft eine unabdingbare Voraussetzung für die Invasion. Luftwaffenchef Göring legte die Ziele in gewohnt grössenwahnsinniger Weise fest: Die Luftwaffe sollte die Royal Air Force in nur vier Tagen ausschalten; danach sollten innerhalb von vier Wochen die Produktionsanlagen für Flugzeuge zerstört werden. Vielleicht würde sich das Königreich gar zur Kapitulation bomben lassen, hoffte der Reichsmarschall.
«Adlertag»
Am 10. Juli 1940 begann die Luftschlacht um England, zunächst mit deutschen Angriffen auf Konvois im Kanal und Ziele an der englischen Südküste. Die deutschen Luftstreitkräfte waren in fünf Luftflotten aufgeteilt, von denen drei an den Angriffen auf England teilnahmen. Auf britischer Seite hatte Fighter Command Air Marshall Hugh Dowding vier Verteidigungszonen geschaffen; die Briten verfügten zudem über ein modernes System zur Früherkennung von Luftangriffen, das mit Radarstationen und Luftraumbeobachtern arbeitete.
Im August eskalierte der Luftkrieg. Am 2. August erliess Göring den Befehl für den «Adlertag»: Mit Beginn am 12. August erfolgten massive Angriffe auf britische Radarstationen und Einrichtungen der RAF in Südengland; allein im August wurden 390 Maschinen der RAF vollständig zerstört. Doch die Deutschen erlitten noch schwerere Verluste. Ihnen machte zu schaffen, dass die Messerschmitt BF 109 über unzureichende Treibstoffreserven verfügte. Der wichtigste deutsche Jäger hatte maximal 30 Minuten Kampfzeit über England und konnte die deutschen Bombergeschwader nicht weiter als bis London begleiten.
«The Blitz»
Gleichwohl brachten die deutschen Angriffe die RAF an den Rand der Niederlage. Allein am Wochenende des 30./31. August verlor die britische Luftwaffe 65 Jäger. Die Briten reagierten auf die bedrohliche Lage, indem sie ihre Flugzeuge weiter ins Landesinnere zurückzogen — ausserhalb der Reichweite deutscher Jäger. Und sie produzierten konstant mehr Flugzeuge als die Deutschen, die zudem bereits im Westfeldzug zahlreiche Maschinen verloren hatten. Überdies konnten abgeschossene britische Piloten, die überlebt hatten, wieder eingesetzt werden, während die deutschen Flieger in Gefangenschaft wanderten.
Frustriert über den Misserfolg änderte Göring im September die Taktik: Die Angriffe auf die Radarstationen wurden eingestellt; von nun sollte London mit Terrorangriffen mürbe gebombt werden. Ein strategischer Fehler — nun hatten die britischen Jägergeschwader die dringend benötigte Gelegenheit sich zu erholen. Der «Blitz», wie die Briten den Bombenkrieg der Deutschen nannten, verfehlte ausserdem die beabsichtigte Wirkung — die englische Bevölkerung zu demoralisieren — vollkommen. Die deutschen Bomben stärkten im Gegenteil den britischen Widerstandswillen.
Noch einmal, am 15. September — heute noch als «Battle of Britain Day» gefeiert — kulminierte die Luftschlacht; danach gab sich die Luftwaffe mit Nachtangriffen auf London zufrieden. Am 17. September verschob Hitler die Operation Seelöwe auf unbestimmte Zeit. Im Mai 1941 wurden die dezimierten Kampfgeschwader der Luftwaffe für das bevorstehende «Unternehmen Barbarossa», den Überfall auf die Sowjetunion, abgezogen. Es war die erste, vielleicht entscheidende deutsche Niederlage im Zweiten Weltkrieg.
Entscheidende Niederlage
Die Niederlage verunmöglichte die Invasion der Britischen Inseln endgültig und schwächte die Luftwaffe nachhaltig. Umgekehrt hingegen — eine Meinung, die heute noch oft vertreten wird — hätte ein deutscher Sieg in der Luftschlacht nicht zwangsläufig die Besetzung Grossbritanniens nach sich gezogen. Jedenfalls wäre die Invasion angesichts der starken britischen Flotte und der fehlenden deutschen Ausrüstung kein Spaziergang geworden. Ohnehin wandte sich Hitler nun seinem eigentlichen Ziel — dem Osten — zu. Im Westen aber blieb ein Gegner zurück, den Hitler nie besiegen konnte. Churchill bedankte sich bei den Piloten in seiner berühmten Parlamentsrede vom 20. August: «Niemals zuvor hatten so viele so wenigen so viel zu verdanken.»
Deutsche und britische Propagandaaufnahmen
(Quelle: YouTube.com)
«Blitzkrieg, Teil V: Die Luftschlacht um England»
(Quelle: Youtube.com)

























