Bronzezeit

04. September 2017 23:43; Akt: 05.09.2017 00:03 Print

Frauen wanderten 500 Kilometer zu Männern

In der Bronzezeit waren Frauen mobiler als Männer, wie Forscher herausgefunden haben. Damit dürften sie auch das Wissen vergrössert haben.

storybild

Die Forscher untersuchten genetisches Material: Ein Skelett in einem Hockergrab aus der Glockenbecherkultur im Archäologischen Museum Königsbrunn (D). (Bild: Neitram)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Vor rund 4000 Jahren waren Frauen in Deutschland extrem mobil und wanderten vermutlich teilweise Hunderte Kilometer zu ihren künftigen Ehemännern. Und brachten wohl Wissen und neue Techniken mit.

Davon gehen deutsche Forscher mehrerer Institute aus, nachdem sie 84 Skelette aus dem bayrischen Lechtal unter die Lupe genommen haben. Über ihre Forschungsergebnisse schreiben sie im Fachblatt «PNAS». Die Leichen waren zwischen 2500 und 1700 vor Christus beerdigt worden – also während des Übergangs von der Steinzeit zur Bronzezeit.

Mit 17 auf Wanderschaft

«Nicht die Männer, sondern die Frauen hatten vermutlich eine wichtige, vielleicht entscheidende Rolle beim Austausch von Kenntnissen», sagte Projektleiter Philipp Stockhammer von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Etwa zwei Drittel der untersuchten Frauen kamen den Forschern zufolge in einem Alter von etwa 17 Jahren vermutlich aus der Gegend zwischen Halle und Leipzig oder aus Böhmen auf die verstreut liegenden Gehöfte ins mehr als 500 Kilometer entfernte Lechtal, an der österreichischen Grenze. «Alles deutet darauf hin, dass in der Bronzezeit Frauen extrem mobil waren. Wir haben keine vergleichbaren Belege bei Männern», sagte Stockhammer.

Weitergabe von Wissen

In der frühen Bronzezeit hatten die Menschen in der Gegend zwischen Elbe und Saale die Techniken zur Metallverarbeitung besonders weit entwickelt. Die Frauen haben dem Forscher zufolge wahrscheinlich dazu beigetragen, dass das Wissen weitergegeben wurde.

Den Analysen zufolge zeigen die untersuchten Skelette eine grosse genetische Vielfalt auf. Das deute darauf hin, dass mit der Zeit zahlreiche Frauen aus der Fremde kamen. «Anhand der Analyse von Strontium-Isotopenverhältnissen in Backenzähnen, die Rückschlüsse auf die Herkunft der Personen erlauben, konnten wir feststellen, dass die Mehrheit der Frauen nicht aus der Region stammte», sagte Corina Knipper vom Curt-Engelhorn-Zentrum in Mannheim, die ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Viele Jahrhunderte dauernde Tradition

Die Forscher hatten Knochen und Zähne von sieben Fundorten untersucht. Sie stammen aus einer Zeit, als in Süddeutschland Ackerbauern und Viehzüchter lebten. Die Wanderschaft der Frauen sei allein durch diese Studie über rund 800 Jahre nachweisbar. «Es war offenbar eine Tradition, die über viele Jahrhunderte bestand», sagte Stockhammer.

Die Erkenntnisse werfen laut Stockhammer viele neue Fragen auf. Die Frauen in diesem Alter seien wohl kaum einfach alleine losgelaufen, um sich einen Mann zu suchen. «Wie waren sie unterwegs, gab es Trecks? Wie haben die Männer die Frauen von so weit her bekommen? Wie waren die Menschen vernetzt?», sagte Stockhammer. «Sie konnten ja nicht anrufen und fragen: Hast du mal jemanden für mich?»

Keine Nachkommen gefunden

Rätsel gibt den Forschern auch auf, dass im Lechtal keine Nachkommen der zugewanderten Frauen gefunden wurden. Es sei unwahrscheinlich, dass die Frauen gar keine Kinder bekamen, sondern nur zum Arbeiten geholt wurden und einen minderen Status hatten. Die Art ihrer Beisetzung habe sich nicht von der Einheimischer unterschieden. Die Frauen seien in die Gemeinschaft integriert gewesen, sagte Knipper. Unklar sei, wohin ihre Nachkommen gewandert sein könnten. «Es war vermutlich ein grösseres System dahinter», sagte Stockhammer.

Bereits in einer 2016 im Fachblatt «PLOS ONE» veröffentlichten Studie hatten schwedische Forscher anhand von Funden aus mehreren Ausgrabungsstätten in Bayern und Baden-Württemberg aus der Zeit 2800 bis 2200 vor Christus gezeigt, dass auch in dieser Zeit ein hoher Anteil der Bestatteten nicht dort geboren worden war.

(oli/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beltran Leyva am 05.09.2017 00:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wie sich die Zeiten ändern!

    vor 4000Jahren machten Frauen 500KM Märsche für ihre Männer,heute wollen sie nur noch abgeholt werden :-)

    einklappen einklappen
  • Peter S am 05.09.2017 00:01 Report Diesen Beitrag melden

    Freiwillig?

    So so... sie sind also gewandert und haben Wissen und vielleicht gar noch Goldschätze mitgenommen und sich als Ehefrau angeboten. Erachte ich als sehr realistisch... :-) Aber vielleicht "WURDEN sie auch gewandert". Als Geschenk (wieso nur die jungen Frauen sonst?), oder als Kriegsbeute, oder als Anzahlung... who knows...

    einklappen einklappen
  • Enrico Palazzo am 05.09.2017 00:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Wissen macht auch nichts

    Ich denke die wurden eher verschleppt.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beantwoter.. am 19.09.2017 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragen..

    Einige Frauen wurden bei dem uns im Dorf Einigen aufgenommen..die anderen in Andeer..ein Teil in Rüschegg Heubach..auch in Guggersbach..wohnten zwei Fremde...Eriz hatte auch zwei Frauen vom Lerchental..von ganz zuoberst bei der Bachquelle..könnte noch viele Orte aufzählen,aber wen interessiert das schon..

  • 45.. Generation.. am 19.09.2017 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich in..

    Heiratete vor 3891 Jahren zum ersten mal..eine zugewanderte.. wusste nie woher Sie kam..wir beide konnten nicht Lesen.. aber lieben..Danke den heutigen Forschern zur Lösungs gwunderheit... (evt..findet ihr noch meine damalige erste grosse..Liebe..Kleinwüchsig..gut beleibt..oben re.fehlte ihr der Echzahn und der neben dem Eckzahn..Danke!)

  • P. Müller am 05.09.2017 23:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Geknechtete

    Ich wäre froh, wenn meine Alte auch auf Wanderschaft gehen würde, soll sich einen anderen Sklaven suchen..... seufzt.

  • Alfred E. Neumann am 05.09.2017 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber schlecht gefahren, als gut gelaufen

    Die Männer haben das Rad erfunden, und hatten das Wandern nicht mehr nötig.

    • suppenkasper am 05.09.2017 22:46 Report Diesen Beitrag melden

      Vom wegen Rad erfunden...

      das Rad erfunden hat vielleicht die Frau, der der Pfannendeckel davonrollte...

    einklappen einklappen
  • Geschichte am 05.09.2017 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bauern und Könige

    Verstehe nicht, dass in Knochen etwas hinein interpretiert wird. Zu der genannten Zeit gab es bekannte Mächte wie Assyrien und Ägypten. Was heisst hier Bronzezeit? Die Menschen in Zentraleuropa waren halt einfache Bauern und Hirten, wie überall auf der Welt und auch heute z.T. noch.