US-Bürgerkrieg

09. April 2015 11:18; Akt: 09.04.2015 14:19 Print

Kein Krieg tötete mehr Amerikaner

Vor 150 Jahren endete der amerikanische Bürgerkrieg, der über 600'000 Menschenleben kostete. Er machte aus den USA, was sie heute sind.

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Am 9. April 1865 endete der amerikanische Bürgerkrieg in diesem Haus im Ort Appomattox Court House im US-Bundesstaat Virginia. Das Haus gehörte dem Farmer Wilmer McLean. Im Haus unterzeichnete der Südstaaten-General Robert E. Lee (l.) die Kapitulation. Der Unionsgeneral Ulysses S. Grant nahm sie entgegen (am Tisch sitzend). Der Krieg war auch einer der ersten, der von Fotografen begleitet wurde, was den Schrecken für die Nachwelt fassbar machte. Im Bild: Die Leichen von Südstaatlern, die 1865 aus einem Massengrab bei Cold Harbor, Virginia, exhumiert wurden. Damit ging der blutigste Krieg der US-Geschichte zu Ende. Über 600'000 Amerikaner starben. Im Bild: Opfer eines Angriffs der Union am Fluss Antietam in Maryland am 17. September 1862. Über 400'000 wurden verwundet. Im Bild: Ein Arzt der Union macht sich 1863 bei Gettysburg, Pennsylvania, daran, das Bein eines Verletzten zu amputieren. Mitglieder der United States Sanitary Commission, die Freiwillige bei ihren Hilfsaktivitäten unterstützten, während der Schlacht um Gettysburg im Juli 1863. Der US-Sezessionskrieg wird als der erste moderne Krieg bezeichnet. Tatsächlich erinnern die Bilder der zerstörten Stadt Richmond, Virginia an Bilder aus aktuellen Kriegsgebieten. Noch einmal Richmond, das ab Ende Mai 1861 die Hauptstadt der Konföderation war. Die Befestigungsanlagen der Union nahe Yorktown, Virginia. Eine Stellung der Union während der Schlacht von Seven Pines, auch Schlacht von Fair Oaks genannt, die am 31. Mai und 1. Juni 1862 stattfand. Unionstruppen bringen im Dezember 1862 die Artillerie in der Schlacht um Fredericksburg, Virginia, in Stellung. Erstmals kamen im Krieg Panzerschiffe und sogar erste U-Boote zum Einsatz. Im Bild: eine Schlacht auf dem Mississippi am 6. Juni 1862. Die Darstellung wurde von Konteradmiral Henry Walke vom Unionsschiff Carondelet (rechts) angefertigt. Abraham Lincoln (mit Zylinder), der US-Präsident während des Krieges, besuchte mehrfach die Front. Abraham Lincoln besuchte am 3. Oktober 1862, wenige Tage nach der Schlacht, Antietam.

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Im US-Bürgerkrieg starben mehr Amerikaner als in allen anderen Kriegen zusammen. Und doch war die Tragödie einer ganzen Nation zugleich ihre zweite Geburt. Und irgendwie begann und endete alles mit einem Mann.

Eine Granate der ersten Schlacht des amerikanischen Bürgerkrieges landete vor dem Haus von Wilmer McLean. Der Kaufmann packte seine Sachen und floh nach Süden.

Fast auf den Tag vier Jahre später suchten Offiziere im Örtchen Appomattox Court House in Virginia ein Haus für eine Zeremonie und McLean bot seines an. Kurz darauf wurde bei ihm die Kapitulation des Südens unterzeichnet. «Der Bürgerkrieg begann in meinem Vorgarten und endete in meinem Wohnzimmer», sagte er später.

Vor 150 Jahren, am 9. April 1865, endete der Amerikanische Bürgerkrieg. Es war der blutigste Krieg, den die USA je fochten, und einer der ersten modernen Kriege.

Sklaverei spaltet die Nation

Die Sklaverei hatte die USA gespalten. Jeder siebte Amerikaner gehörte einem anderen. Der Süden war ganz auf Sklaven ausgerichtet, der Norden auf einen Maschinenkapitalismus, zuweilen kaum weniger grausam. «Als die Verfassung geschrieben wurde, lag die Schlange der Sklaverei schlafend unter dem Tisch», schrieb der Autor John J. Chapman.

Als der als Sklavereigegner geltende Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt wurde, sagte sich der Süden los. Dabei ging es dem Republikaner gar nicht um «die Negerfrage», sondern nur um den Erhalt der Union. Die Befreiung der schwarzen Sklaven – nur in den kriegsführenden Südstaaten – war 1863 nur Mittel zum Zweck.

Fast alle Schlachten fanden in den Südstaaten statt, aber selbst vor Japan gab es Seegefechte. 600'000 Menschen, zwei Prozent der US-Bürger, starben in dem Krieg. In Cold Harbor fielen in 20 Minuten 7000 Mann. Winchester, Virginia, wechselte 72 Mal die Fahne.

Der erste moderne Krieg

Doch erst mit dem Krieg war die Weltmacht USA möglich. Der Konflikt revolutionierte die Wirtschaft des Nordens, ruinierte den Süden, schuf die Sklaverei ab und formte ein Land, das seitdem die Welt prägt.

Friedrich Engels nannte den Konflikt den ersten modernen Krieg. Maschinengewehre und Panzerschiffe tauchten auf, aber der Süden hatte die fähigeren Generäle. Robert E. Lee siegte, fast immer deutlich in Unterzahl, in einer Schlacht nach der anderen.

General John Magruder hatte nur 10'000 Mann, liess diese aber immer wieder über denselben Hügel marschieren. Unionsgeneral George McClellan fiel darauf rein – und forderte trotz 13-facher Übermacht erstmal Verstärkung an.

Der Bruderkrieg nahm bizarre Formen an. Manchmal brachten Soldaten Hurrarufe auf den Mut des Feindes aus – um ihn dann trotzdem zusammenzuschiessen. Der Riss ging nicht selten durch die Familien. Nach einem Seegefecht vor Texas fand ein Südstaaten-Major auf einem gegnerischen Schiff einen sterbenden Leutnant – es war sein Sohn.

Trotz der verzweifelten Arbeit vieler Frauen starben doppelt so viele Soldaten an Krankheiten als in den Schlachten. Im Süden pflegte Sally Tompkins mit nur sechs Frauen 1333 Verwundete. Nur 73 überlebten nicht – die beste Bilanz aller Lazarette.

Im Norden folgte Mary Ann Bickerdyke der Armee durch 19 Schlachten, war bei Amputationen dabei und versorgte die Soldaten. General William Sherman sagte über «Mutter Bickerdyke»: «Sie steht höher im Rang als ich.»

Folgen bis heute sichtbar

Der Norden hatte den längeren Atem. Das Bruttosozialprodukt des gesamten Südens machte gerade ein Viertel dessen des Staates New York aus. Zudem hatte der Norden 21 Millionen Einwohner, der Süden gerade neun – davon vier Millionen Sklaven.

Im Norden hingegen war zuletzt jeder zehnte Soldat schwarz – bei einem Anteil von nur einem Prozent an der Bevölkerung. Nach vier Jahren war der Krieg vorbei, auch wenn die Folgen noch heute jeder sieht. Der Süden ist nach wie vor ganz hinten bei Wirtschaft und Bildung, ganz vorn bei Arbeitslosigkeit und Armut.

Was ist noch übrig vom Konflikt? Mary und Rick Hatcher arbeiteten Jahrzehnte am Fort Sumter, da wo der Krieg begann. «Wir haben herausgefunden, dass unsere Urgrossväter hier aufeinander geschossen haben», sagt Mary. «Nur weil beide nicht getroffen haben, sind wir heute hier.»

Ihr Mann Rick sieht keine Kluft mehr zwischen Nord und Süd. «Die Tradition wird gern hochgehalten, gerade hier im Süden. Aber das ist nur noch Folklore. Wir haben doch heute ganz andere Konflikte und Probleme in Amerika.»

(jcg/sda)