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Attentat in Kairo
06. Oktober 2011 16:27; Akt: 06.10.2011 16:27 Print
Mord an der Militärparade
von Daniel Huber - Vor 30 Jahren wurde der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat von Islamisten erschossen. Es war die Quittung für seine Aussöhnung mit Erzfeind Israel.
Die Mörder trugen Uniform. Angeführt vom Offizier Chalid Islambuli sprangen vier bewaffnete Islamisten während einer Militärparade am 6. Oktober 1981 von einem gepanzerten Lastwagen und eröffneten das Feuer auf die Präsidententribüne. Anwar as-Sadat, ägyptisches Staatsoberhaupt seit 1970, wurde von 37 Kugeln getroffen. Mit ihm starben mehrere weitere Ehrengäste, darunter der kubanische Botschafter und ein koptischer Bischof.
Bildstrecken Hosni MubarakAttentateDie neue Nummer eins der Al Kaida Infografik Die arabische Welt im UmbruchDer Sturz MubaraksDie Anschläge der Al KaidaDie Sicherheitskräfte reagierten konfus und erwiderten das Feuer erst, als den Attentätern die Munition bereits ausgegangen war. Drei von ihnen konnten verhaftet werden, einer wurde erschossen. Die Attentäter waren allesamt Mitglieder der islamistischen Terrororganisation Al-Dschihad – einer Abspaltung der fundamentalistischen Muslimbruderschaft. Sie hatten gehofft, mit ihrer Aktion den Startschuss für eine allgemeine islamistische Erhebung zu geben. Dieser Plan ging jedoch nicht auf; die Revolution blieb aus.
Der ägyptische Staat schlug mit harter Hand zurück. Zahlreiche Islamisten wurden verhaftet und gefoltert – darunter der Kairoer Chirurg Aiman al-Zawahiri, der später Osama bin Ladens rechte Hand wurde und heute die Al Kaida führt. Insgesamt fünf Täter und Mitverschwörer, unter ihnen auch Islambuli, wurden zum Tode verurteilt und erschossen; andere erhielten langjährige Gefängnisstrafen.
Angriff und Aussöhnung
Man kann es als Ironie der Geschichte sehen, dass Sadat ausgerechnet an der Militärparade ermordet wurde, die alljährlich am 6. Oktober zur Erinnerung an die Überquerung des Suezkanals im Jom-Kippur-Krieg 1973 abgehalten wird. Dieser von Sadat befohlene Überraschungsangriff erschütterte, zusammen mit dem gleichzeitigen syrischen Angriff auf den Golanhöhen, den Mythos von der Unbesiegbarkeit der israelischen Armee, auch wenn diese das Blatt nach wenigen Tagen zu wenden vermochte und beim Waffenstillstand kurz vor Kairo stand.
Für die arabische Welt kam dieser Anfangserfolg – nach der Demütigung im Sechstagekrieg von 1967 – gleichwohl einem Sieg gleich. Erst dies ermöglichte es Sadat überhaupt, seine spätere Aussöhnungspolitik mit Israel einzuleiten, die ihn im November 1977 als ersten arabischen Machthaber nach Jerusalem führte, wo er vor der Knesset sprach. Es folgten das Camp-David-Abkommen vom September 1978 und ein halbes Jahr darauf der israelisch-ägyptische Friedensvertrag.
Hassfigur der Islamisten
Ebendieser Friedensschluss mit dem zionistischen Erzfeind aber, der Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin den Friedensnobelpreis einbrachte und Ägypten die Rückgabe der Sinai-Halbinsel durch Israel, isolierte Sadat im arabischen Lager und machte ihn zur Hassfigur der Islamisten und palästinensischen Nationalisten. Im Westen dagegen galt der starke Mann am Nil fortan als Friedensbringer und Verbündeter – zumal er bereits 1972 einen brüsken aussenpolitischen Kurswechsel vollzogen und sämtliche sowjetischen Militärberater ausgewiesen hatte.
Im ägyptischen Volk war der Frieden mit Israel nie populär, doch die wachsende Unzufriedenheit mit Sadat hatte möglicherweise noch mehr mit den wirtschaftlichen Folgen seiner Politik der Öffnung («Infitah») zu tun. Sie bestand in einer dezidierten Hinwendung zu Marktwirtschaft und Deregulierung, führte in der Praxis indes zu einer Verarmung breiter Schichten und einem drastischen Anstieg der Korruption. Am Ende galt der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Sadat als Galionsfigur einer verhassten, korrupten Elite aus Offizieren und Beamten – so wie es auch seinem Vizepräsidenten und Nachfolger Hosni Mubarak ergehen sollte.
So herrschte nicht überall Trauer, als die Nachricht von Sadats Ermordung um die Welt ging. PLO-Führer Jassir Arafat beispielsweise gratulierte den Mördern; in manchen arabischen Ländern jubelten die Massen. Das iranische Mullah-Regime benannte eine Strasse in Teheran nach Islambuli. Auch in Ägypten selber dürften sich manche über das Ende der zehnjährigen Ära Sadat gefreut haben. sie freuten sich zu früh: Mit Sadats Tod begann die drei Jahrzehnte währende Despotie Hosni Mubaraks.
Video: Sadats Ermordung in Fernsehbildern
(Quelle: Youtube.com)
(Quelle: Youtube.com)
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