Dating-Game-Killer

08. Januar 2017 17:58; Akt: 16.01.2017 09:28 Print

TV-Charmeur hat wohl 130 Frauen auf dem Gewissen

Mit seinem guten Aussehen brachte er es in die US-Version von «Herzblatt». Doch Rodney Alcala verbarg ein ungeheuerliches Geheimnis.

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Der Serienmörder Rodney Alcala ging als Dating-Game-Killer in die Kriminalgeschichte ein. Dies, weil er 1978 in einer US-Kuppelshow auftrat (Bild). Damals hatte er bereits getötet. Er wurde von der Kandidatin Cheryl Bradshaw als Herzblatt gewählt. Trotzdem ging sie nicht mit ihm aus, weil er ihr «zu gruselig» war. In der Tat war Alcala ein Zeitgenosse der übelsten Sorte. Sein erstes Opfer vergewaltigte er 1968. Es war ein achtjähriges Mädchen, das nur mit Glück überlebte. Meist lockte er die Opfer zu sich, indem er sich als Fotograf ausgab und ihnen Model-Fotos versprach. Ein erstes (und zweites Mal) zum Tod verurteilt wurde Alcala für den Mord an Robin Samsoe (12) von Juli 1979. Beide Urteile wurden wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. Doch Samsoe war bei weitem nicht das einzige Opfer Alcalas. Beim dritten Prozess im Fall Samsoe wurden Alcala weitere Morde angelastet. Dank Fortschritten in der DNA-Analyse konnte ihm unter anderem der Mord an Georgia Wixted im Dezember 1977 nachgewiesen werden. Dazu kamen weitere Opfer, so dass Alcala 2010, nach 30 Jahren hinter Gittern, des fünffachen Mordes schuldig gesprochen und erstmals rechtskräftig zum Tod verurteilt wurde. Die fünf Mordopfer, die Alcala nachgewiesen werden konnten (Aufnahme aus dem Gerichtssaal): Jill Barcomb (18), Georgia Wixted (27) und Charlotte Lamb (31), obere Reihe. Jill Parenteau (21) und Robin Samsoe (12). Im Prozess hatte sich der 66-Jährige selber verteidigt und als Zeugen befragt. Die Taktik beeindruckte die Geschworenen nicht. 2011 wurde er zudem in New York für die Morde an Cornelia Michel Crilley (l.) und Ellen Hover zu 25 Jahren Haft verurteilt. Der Dating-Game-Killer wurde somit für sieben Morde verurteilt, doch er könnte noch Dutzende mehr getötet haben. Denn die Polizei fand in einem Lagerraum Alcalas rund 1000 Fotos von jungen Frauen und Teenager-Buben. Die meisten sind bis heute nicht identifiziert. Etwas über 100 dieser Bilder wurden von der Polizei veröffentlicht, in der Hoffnung, weitere mögliche Opfer identifizieren zu können. Rund 900 Bilder konnten nicht an die Öffentlichkeit gelangen, da sie sexueller Natur sind. Auch Knaben fotografierte Alcala. Es wird befürchtet, dass Alcala bis zu 130 Frauen ermordet haben könnte. Alle veröffentlichten Bilder können auf einer Flickr-Seite eingesehen werden,

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Es war 1978, als die hübsche Single-Frau Cheryl Bradshaw in der US-Kuppelshow «The Dating Game», aus drei Kandidaten Rodney Alcala als ihr Herzblatt auswählte. Der 35-jährige Texaner sah blendend aus mit seiner Wallemähne, den hohen Backenknochen und dem gewinnendem Lächeln. «Wir werden eine super Zeit zusammen haben, Cheryl», sagte Alcala.

Doch irgendetwas passte nicht. Denn Bradshaw verzichtete schliesslich darauf, mit ihm auszugehen. Er war ihr nach eigenen Worten «zu gruselig». Diese Entscheidung rettete ihr wohl das Leben. Denn Alcala hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ein 8-jähriges Mädchen vergewaltigt und eine Frau ermordet. Und es sollten nicht seine letzten Opfer sein.

Erste Tat

Die 8-jährige Tali Shapiro, sein erstes bekanntes Opfer, hatte er 1968 unter dem Vorwand, ihr herzige Bilder zu zeigen, in seine Wohnung in Los Angeles gelockt. Dort vergewaltigte er das Mädchen und versuchte es mit einer Eisenstange zu erschlagen. Die Polizei kam ihm zwar auf die Schliche, doch als sie bei ihm anklopfte, war er bereits durch die Hintertür abgehauen.

Das Mädchen überlebte, doch die Familie war derart traumatisiert, dass sie nach Mexiko auswanderte. Dadurch entkam Alcala, als ihn das FBI 1971 fasste, einer Verurteilung wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes. Denn ohne Zeugen konnten ihm diese Taten nicht nachgewiesen werden. Er musste lediglich 34 Monate wegen Körperverletzung absitzen.

Was damals keiner wusste: Kurz zuvor hatte er in New York die 23-jährige Flugbegleiterin Cornelia Michel Crilley ermordet. Dieser Fall sollte erst 40 Jahre später gelöst werden.

Tarnung als Fotograf

Nach seiner Haftentlassung verletzte Alcala seine Bewährungsauflagen, als er einem 13-jährigen Mädchen Marihuana gab. Erneut kam er nach zwei Jahren hinter Gittern wieder frei. Von da an gab er sich als Fotograf aus und brachte hunderte junge Frauen und Teenager-Buben dazu, sich von ihm fotografieren zu lassen.

Im Juli 1977 schlug Alcala wieder in New York zu. Er tötete Ellen Hover (23), ein Patenkind von Dean Martin und Sammy Davis Jr. Zurück in Kalifornien vergewaltigte er die 18-jährige Jill Barcomb, die er zudem mit einem Gürtel würgte und schliesslich mit einem Stein tötete. Es folgten Georgia Wixted (27), Charlotte Lamb (31) und Jill Parenteau (21).

Grausame Würgespiele

Bei seinen Verbrechen ging Alcala immer ähnlich vor: Er vergewaltigte seine Opfer und schlug sie mit stumpfen Gegenständen. Zuvor würgte er sie mit Nylonstrümpfen oder Schuhbändeln, bis sie ohnmächtig wurden. Dann wartete er, bis sie zu sich kamen, und wiederholte das Ganze mehrmals. Von seinen Opfern behielt Alcala oft die Ohrringe als Andenken.

Und so waren es denn auch Ohrringe, die zum ersten Todesurteil gegen Alcala führten. 1979 hatte er die 12-jährige Robin Samsoe auf gewohnt brutale Art getötet. Die Ermittler fanden schliesslich die Ohrringe des Mädchens in einem Lagerraum, den Alcala gemietet hatte. Er wurde zum Tode verurteilt.

Doch das Urteil wurde 1984 aufgehoben – wegen Beeinflussung der Geschworenen. Ihnen war vor Prozessbeginn gesagt worden, dass Alcala ein vorbestrafter Sextäter war. 2001 wurde auch ein zweites Todesurteil im Fall Samsoe aufgehoben, ebenfalls wegen eines Verfahrensfehlers.

Dritte Verurteilung zum Tod

Der Durchbruch kam bei den Vorbereitungen zu einem dritten Prozess. Inzwischen hatte die DNA-Analyse grosse Fortschritte gemacht, und so konnten Alcala vier weitere Morde aus den 1970er-Jahren nachgewiesen werden.

Vor Gericht vertrat sich der Serienmörder nun selber und befragte sich fünf Stunden lang als Zeugen, wobei er sich die Fragen in einer tieferen Stimme stellte. Überraschend trat sein erstes Opfer, Tali Shapiro, als Zeugin der Anklage auf. Alcala wurde des fünffachen Mordes schuldig gesprochen und im März 2010 zum dritten Mal zum Tod verurteilt. Das Urteil wurde jedoch nicht vollstreckt, da in Kalifornien seit 2006 niemand mehr hingerichtet wurde.

Dutzende weitere Opfer?

2011 wurde Alcala in New York wegen des Mordes an Cornelia Michel Crilley und Ellen Hover zu 25 Jahren Haft verurteilt. Zudem wird er in San Francisco und im Bundestaat Washington als Mörder mehrerer Teenagerinnen gehandelt. Im September wurde er schliesslich in Wyoming angeklagt, 1977 die schwangere Christine Thornton (28) ermordet zu haben.

Thornton wurde auf einem der rund 1000 Bilder erkannt, die die Polizei im Lagerraum Alcalas gefunden hatte. Bis heute ist über das Schicksal der meisten darauf abgebildeten Personen nichts bekannt. Deshalb haben die kalifornischen Behörden 2010 einen Teil davon veröffentlicht, in der Hoffnung, mögliche weitere Opfer Alcalas zu identifizieren. Denn der Dating-Game-Killer wurde nur für sieben Morde verurteilt, doch er könnte bis zu 130 Frauen getötet haben.


Rodney Alcalas Auftritt in «The Dating Game». (Video: Youtube/Nathan Davis)

(jcg)