Sirenen damals und heute

01. Februar 2012 23:38; Akt: 02.02.2012 09:02 Print

Töne des thermo-nuklearen ZeitaltersTöne des thermo-nuklearen Zeitalters

Wenn heutzutage Luftschutzsirenen zur Probe heulen, wirkt das Warnsignal überholt. Doch historische Filmaufnahmen belegen anschaulich, wie viel blutiger Ernst und bizarre Propaganda einst in den Übungen steckten.

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«Lassen Sie uns ohne Panik der Realität unserer Zeit ins Auge blicken», beginnt dieser US-Film von 1951, der Tipps für das Überleben nach einem Atomschlag gibt. Medizinisch wird allerdings geflunkert: «Die Mehrheit der Leute, die Radioaktivität ausgesetzt war, erholt sich vollständig.» Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Mindestens zweimal stand unsere Welt auf der Schwelle zu einem Atomkrieg: 1962 während der Kubakrise verhinderte das Einlenken des sowjetischen Regierungschefs Nikita Chruschtschow Schlimmeres. 1983 wäre der Kalte Krieg beinahe heiss geworden, als die Sowjetunion das NATO-Manöver «Able Archer 83» falsch interpretierte. Als die Truppen des Warschauer Paktes in Alarmbereitschaft versetzt wurden, dämmerte es der Gegenseite, dass die Simulation fatale Konsequenzen haben könnte - und sie entschärfte ihr Kriegsspiel.

Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, dass Ost und West im Kalten Krieg immer wieder Luftschutzübungen durchführen liessen. Während das Warnsignal heute niemanden mehr in Aufregung versetzt, hielten die Menschen in den USA oder Deutschland die Bedrohung durch Nuklearangriffe für wahrscheinlich und real, wie historische Lehrfilme zeigen. «Duck and cover», ducken und in Deckung gehen, wurde den Kindern seit den 50ern in der Schule eingebläut, nachdem Moskau rüstungstechnisch mit Washington gleichgezogen hatte und russische Bomber amerikanisches Festland potenziell bedrohten.

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US-Schulkinder lernen in den 1950er-Jahren durch «Bert, die Schildkröte», wie wichtig das Prinzip «duck and cover» bei einem Atomangriff ist. «Es kann dich auf verschiedene Weisen verletzen», sagt der Sprecher über die Nuklearwaffen. «Manchmal, und das ist sehr, sehr wichtig, kann die Bombe ohne Vorwarnung explodieren.»

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«Das sind die Zeichen der Zeit», sagt der Sprecher mit Blick auf Schilder, die 1954 Evakuierungsübungen ankündigen. Der Film der US Air Force zeigt, wie geschockt Amerika war, als die Sowjetunion in der Nukleartechnologie gleichzog.

Dass auch die Schweiz betroffen gewesen wäre, legen Nachforschungen eidgenössischer Wissenschaftler nahe: Sie fanden laut «Telegraph» 2001 heraus, dass selbst das neutrale Wien vom Warschauer Pakt beschossen worden wäre. Weil auch süddeutsche Städte wie München oder Stuttgart auf der Liste sowjetischer Ziele standen, wäre Helvetien bei einem Kriegsausbruch verseucht worden.

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«Wir brauchen diese Übungen»: Ein US-Lehrfilm für Schulen über Radioaktivität, Atombomben und Luftschutz von 1951.

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Die US-Dokumentation «Fallout» von 1955 erklärt die Folgen eines Atomschlags. Gestapelte Bücher halten Strahlung ab, rät der Film.