US-Fremdenfeindlichkeit

05. Februar 2017 15:46; Akt: 05.02.2017 15:46 Print

Trump war nicht der Erste, der die USA abschottete

von Rolf Maag - Donald Trumps Einwanderungsbeschränkungen widersprechen amerikanischen Werten. Es gab in den USA früher aber schon Ähnliches.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Schickt sie mir, die Heimatlosen, vom Sturm Getriebenen, hoch halt ich mein Licht am gold’nen Turm!» So lauten die beiden letzten Verse eines Gedichts von Emma Lazarus, das die USA als sicheren Hafen für die Schutzbedürftigen aus aller Welt feiert. Es steht auf einer Bronzetafel, die heute bei der Freiheitsstatue zu sehen ist.

Tatsächlich boten die Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert Millionen von Menschen aus aller Welt Zuflucht vor Armut und Unterdrückung. Nach dem Ersten Weltkrieg war es damit aber zunächst vorbei.

Das Gesetz

1924 verabschiedete der Kongress den Immigration Act (Einwanderungsgesetz). Die Vorlage legte Quoten für die Einwanderung aus allen Ländern fest: Basis für die Berechnung war die Zahl der bereits aus einem Land, zum Beispiel der Schweiz, in den USA lebenden Menschen. Zwei Prozent davon ergaben das Kontingent, das pro Jahr aus dem jeweiligen Land einwandern durfte. Die meisten Asiaten wurden ganz ausgeschlossen. Als Berechnungsgrundlage diente die Volkszählung von 1890.

Dieses Bezugsjahr war nicht zufällig gewählt: Vor 1890 waren vor allem Mittel- und Nordeuropäer eingewandert, danach kamen immer mehr Süd- und Osteuropäer sowie Chinesen und Japaner. Die ethnische und weltanschauliche Homogenität des überwiegend weissen und protestantischen Landes sollte so gewahrt bleiben.

Die Begründungen

Viele Kongressabgeordnete rechtfertigten das Gesetz auf unverhohlen rassistische Art und Weise. Einer der Stichwortgeber war ein damals äusserst populärer Autor namens Lothrop Stoddard. In seinem Buch «The Rising Tide of Color» behauptete er, die «nordische Rasse», die angeblich allein den Fortbestand der Zivilisation garantieren könne, werde von einer Flut von Asiaten und Afrikanern überschwemmt. Dazu komme noch «der Kehricht aus dem Süden und Osten Europas».

Hinter Trumps Erlass steht vor allem die Angst vor dem islamistischen Terrorismus. Eine ähnliche Rolle spielte damals die «Red Scare», also die Furcht vor einem kommunistischen Umsturz auf amerikanischem Boden, die seit der russischen Oktoberrevolution von 1917 im Land umging. Vor allem osteuropäische Einwanderer standen im Verdacht, revolutionäres Gedankengut mitzubringen. Bereits 1919 waren 500 angebliche Aufrührer in die noch junge Sowjetunion deportiert worden.

Die Folgen

Die Auswirkungen des Gesetzes waren drastisch: Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts waren noch jährlich 200‘000 Italiener eingewandert, nun waren nur noch 4000 pro Jahr zugelassen. Nach dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 lag die Gesamtzahl der erlaubten Einwanderungen bei bescheidenen 153‘879 jährlich. Ab 1933 hatte das vor allem für Juden verhängnisvolle Konsequenzen.

Die Irrfahrt der St. Louis

Im Mai 1939 stach der Dampfer St. Louis in Hamburg in See. An Bord waren 937 Juden, die in Nazi-Deutschland kein normales Leben mehr führen konnten. Sie hatten Visa für Kuba, von wo sie in die USA weiterreisen wollten. Doch als die St. Louis in Havanna ankam, hielten sich die kubanischen Behörden nicht an ihre Zusage und verweigerten die Landung. Das Schiff steuerte nun die amerikanische Küste an, wurde aber von der Küstenwache vertrieben. Als Grund dafür gab Präsident Roosevelt den Immigration Act an.

In seiner Verzweiflung wollte Kapitän Gustav Schröder das Schiff vor der englischen Küste auf Grund setzen und so eine Rettung der Passagiere erzwingen. Doch im letzten Moment erklärten sich Frankreich, Grossbritannien, die Niederlande und Belgien bereit, die Flüchtlinge aufzunehmen. In Antwerpen durften sie an Land gehen. 254 von ihnen nützte auch das nichts: Nachdem ihre Zufluchtsländer 1940 von den Nazis überrannt worden waren, starben sie in Vernichtungslagern.

Der Immigration Act wurde erst 1965 vollständig aufgehoben.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt Feldmann am 05.02.2017 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    und auch Obama

    nicht vergessen: Obamas Einreisesperre gegen Irak während 6 Monaten im Jahr 2011

    einklappen einklappen
  • Simba74 am 05.02.2017 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt einigen nicht, aber

    die Frage ist, was daran schlecht ist?

    einklappen einklappen
  • Sador am 05.02.2017 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Obama

    Soweit ich weiß, hatte Obama auch von diesem Recht Temporär gebrauch gemacht. Dies soll keine Legitimation für das sein, wass Trump jetzt in einem grösserem Stil als Obama macht. Dennoch finde ich jetzt die Beschimpfungen und Anfeindungen seitens der Demokraten Moralisch etwas Zweideutig. Viel mehr sollte man sich von der Emotional geprägten Debatte lösen und zur einer sachlichen Debatte übergehen. Nur somit kann man die Probleme auch nachhaltig lösen!!!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas Oetjen am 06.02.2017 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nix gelernt

    Gerade das Schicksal der abgewiesenen Juden sollte doch zeigen, dass so eine Pauschale Abweisung das falsche Mittel ist.

  • Knaller am 06.02.2017 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    an die Empörten!

    Tagtäglich werden in gewissen Länder Leute ausgepeitscht, gesteinigt oder Gliedmassen abgehackt, aber von täglicher Empörung keine Spur! Das finde ich eine geheuchelte Doppelmoral!

    • Thomas Oetjen am 06.02.2017 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Knaller

      Nur weil du dich nicht darüber empörst, heisst das nicht, das es andere nicht tun. Das nenn ich Doppelmoral.

    • Knaller am 06.02.2017 12:15 Report Diesen Beitrag melden

      @thomas

      aha, du weisst über was ich mich empöre... es ist das Ungleiche und die Entschuldigungssuche, das mir unendlich auf den Senkel geht!

    einklappen einklappen
  • Andi am 06.02.2017 01:14 Report Diesen Beitrag melden

    Halal

    Ich gebe allen USA-Reisenden einmal einen Rat: Bestellt im Flugi das Halal-Menue! einfach so, ohne zu konvertieren! Und dann wartet auf die Fragen des Beamten der Einwanderungsbehörden! Also sollte ich nächstens nach den USA fliegen (müssen, freiwillig nicht!) dann ziehe ich den durch!

  • StupidAmericans am 05.02.2017 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amerika

    Ich finde es immer wieder erschreckend dass in den USA keine zwei besseren Kanditaten zu finden waren als Trump und Hillary

    • Peter P. am 05.02.2017 22:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @StupidAmericans

      Sanders war mein Favorit gewesen. Als sie ihn aufs Abstellgleis gestellt haben war für mich klar: Jetzt bleibt nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera :/

    • Swiss Guy am 05.02.2017 22:17 Report Diesen Beitrag melden

      nun ja

      Mich erstaunt es bei uns auch immer wieder, dass im ganzen Land keine besseren Kandidaten für politische Ämter zu finden sind....

    • Andi am 06.02.2017 01:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Swiss Guy

      Bewerben Sie sich doch selber! Immerhin opfern PolitikerInnen einiges von ihrer Freizeit für die Politik. Und nun möchte ich sehen dass Sie es besser machen werden!

    • Peter am 06.02.2017 11:06 Report Diesen Beitrag melden

      Vor der eigenen Tür kehren

      Also wenn ich unsere Bundesräte sehe, muss ich leider sagen: auch wir in der Schweiz, scheinen keine besseren Kandidaten zu finden.

    • Peter P. am 06.02.2017 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Dann geh nach Bern und mache es besser :D Andere zu kritisieren ohne es besser machen zu können ist immer einfach ;)

    einklappen einklappen
  • Versteh Nix am 05.02.2017 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann es nicht nachvollziehen

    Ich kann es nicht nachvollziehen, wie hier pro Trump "gevotet" wird. Der Begriff Alternative Fakten wurde durch die Trump-Regierung "eingeführt". Allein dieser Fakt, für den die Trump-Befürworter sicher Alternative Fakten bereit haben, zeigt, dass Trump sich die Fakten zurecht biegt, wie es ihm gerade passt und man ihn und seine Beschlüsse kritisch hinterfragen sollte.

    • defence first am 05.02.2017 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Versteh Nix

      Trump wird von den (manipulativen) Medien schlecht gemacht... Das ist eindeutig Rufmord!

    • Peter P. am 05.02.2017 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @defence first

      Wird er das? Ich meine, die Medien reagieren auf seine Aussagen und Taten :D Hat ihn ja niemanden gezwungen all diese Leute nur wegen ihrer Herkunft zu diskriminieren, das hat er ganz alleine gemacht ;)

    • defence first am 05.02.2017 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter P.

      Typisch heutig Gesellschaft, alles wird so negativ wie nur möglich gesehen... Nun denn: die Welt (v.a. Sozialmedia, die neue ferngesteuerte Weltmacht) hat sich auf Trump eingeschossen, der kann von nun an tun was er will, das "böser Trump" hat sich bereits in unsere Gehirne eingebrannt. Rufmord eben.

    • Peter P. am 05.02.2017 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @defence first

      Korrigiere mich wenn ich falsch liege: Aber Menschen die Einreise zu verweigern nur weil sie aus einem bestimmten Land kommen und das obwohl sie gültige Einreisepapiere haben, oder schon Jahre lang im Amiland wohnen ist immer noch diskriminierend, oder? ;) Also wo bitte sehe ich etwas "negativer" als es nicht schon ist? Da bin ich jetzt aber gespannt :)

    • defence first am 05.02.2017 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter P.

      Ich rede nicht von dem Einreisetheater, das interessiert mich nicht. Ich spreche davon das da ein Mensch abgestempelt wird bevor er sich irgendwie beweisen konnte. Mal abgesehen davon, seine Politische Einstellung war schon lange bekannt, und trotzdem wurde er gewählt. Wurden da wiedermal Millionen von Wählern nicht ernst genommen?

    • Peter P. am 05.02.2017 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @defence first

      Doch doch, er hat von Anfang an klar gemacht was für eine Politik er machen wird. Ich sage deshalb auch: Ihr Amis habt ihn gewollt und jetzt könnt ihr ihn für 4 Jahre behalten ;) Meine persönliche Meinung nach den ersten Wochen: Nach ihm wird vermutlich lange kein Politiker mehr gewählt werden, der auf tiefstem Stammtischniveau politisiert wie er. Aber wie du gesagt hast, lassen wir ihn zuerst noch ein bisschen werkeln bevor wir urteilen. Ich habe mein Popcorn bereit und freue mich schon auf die nächsten Schlagzeilen :D

    • K.Ermit am 05.02.2017 22:37 Report Diesen Beitrag melden

      Gipfelgespräch

      @Peter P. Die Liste der Länder mit Einreisesperre wurde offenbar noch unter Obama zusammengestellt. Wurde jedenfalls in Fernsehdiskussion in ARD mal so gesagt. P.S.Hauptsache Morgen gibts frische Croissants im Büro!

    • Didi am 05.02.2017 22:43 Report Diesen Beitrag melden

      Ist der Ruf erst ruiniert...

      An defense first: Um einen Ruf zu ermorden, muss man zuerst einmal einen haben... - Trump lässt das wohl so ziemlich kalt, der lebt nämlich frei nach dem Motto von Wilhelm Busch...

    • Peter P. am 05.02.2017 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @K.Ermit

      So, auch für dich nochmal zum nachlesen: Der vorgerige Präsident hat angeordnet, das Menschen welche aus bestimmten Länder kommen, genauer kontrolliert werden, richtig. Wenn nichts gefunden wurde, durfte eingereist werden. Der jetzige Präsident hat ganz einfach vestimmt das jeder der aus einem dieser Länder kommt nicht mehr einreisen darf. Punkt. Ganz egal ob mit gültigem Reisevisum, Green Carrd, etc. und ganz egal ob diese Person jahrelang schon in den USA lebt, dort arbeitet und Familie hat. Siehst du den Unterschied? Habe ich es einfach genug erklärt? ;) Und ja, frische Gipfeli mag jeder :D

    • Werner am 06.02.2017 00:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Didi

      Das was Sie antönen ist eben das Gute an Trump. Da sind mir Leute wie Hillary oder Obama, die alles tun nur um Anderen zu gefallen weitaus unsympathischer. Denn diese Leute tun hauptsächlich das was ihnen nützt und das wiederum nützt mir als normaler Staatsbürger überhaupt nichts.

    • SheTuti am 06.02.2017 03:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter P.

      Und wir haben es auf Video :-D

    • SheTuti am 06.02.2017 03:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @defence first

      Er hat sich aber schön längst bewiesen

    • Kurt am 06.02.2017 06:42 Report Diesen Beitrag melden

      @ Peter P.

      O.k. ich korrigiere. Mag ja sein, dass es sehr disrkiminierend ist, wenn jemandem aufgrund seiner Herkunft die Einreise verweigert wird. Aber wie sieht es bei uns aus? Hier wird aufgrund der Herkunft gewissen Leuten das Recht zur Arbeit verweigert (Stichwort: PFZ). Die Leute dürfen zwar einreisen, gehen aber schon bald wieder, weil sie sich das Leben hier nicht leisten können. Kennne einige aus Bulgarien, denen es so ergangen ist- aufgrund ihrer Herkunft. Hoffe sie sind nicht für die PFZ, sonst wären Sie nicht besser als ein Trump Wähler. EU zuerst.

    • Peter P. am 06.02.2017 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt

      Ich bin immer der Meinung gewesen das es den richtigen Mitarbeiter, zum richtigen Preis am richtigen Ort braucht. Ganz egal ob Schweizer, Bulgare, Deutscher, usw. Qualifikationen sind das was zählt und nicht Herkunft, Hautfarbe, Religion, was auch immer ;) Jeder der Arbeiten will und somit seinen Beitrag zu unserer Gesellschaft leistet ist herzlich wilkommen.

    • Kiki am 06.02.2017 12:04 Report Diesen Beitrag melden

      War schon länger so

      Also ich bin verwundert, warum man jetzt bei Trump so ein Theater macht...! Meine muslimischen Freunde in Paris konnten vor 5 Jahren auch nicht in die USA reisen, weil sie kein Visum bekamen.

    • Peter P. am 06.02.2017 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kiki

      Eben, weil sie kein Visun bekamen. Aber nicht wie jetzt, wo Personen mit gültigen Ausweisen, welche schon jahrelang in den USA wohnen, abgewiesen werden nur wegen der Herkunft ;) Merkst du den Unterschied? War das einfach genug für dich? ;)

    einklappen einklappen