Hitlers Familienverhältnisse

25. Februar 2010 23:28; Akt: 15.03.2010 07:04 Print

Verwandt mit HitlerVerwandt mit Hitler

von Daniel Huber - Das Wiener Wochenmagazin «News» hat einen Verwandten des «Führers» im österreichischen Waldviertel aufgespürt. Für den Mann war die Nachricht ein Schock.

storybild

Familiäre Wurzeln im Waldviertel: Adolf Hitler (Bild: Keystone/Theo Stoetzel)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Stellen Sie sich vor, da kommt ein Reporter zu Ihnen und eröffnet Ihnen, Sie seien mit Adolf Hitler verwandt. So erging es dem 46-jährigen Norbert H. (der Name wurde von «News» geändert), einem Bauern im österreichischen Waldviertel, wo die familiären Wurzeln Hitlers liegen. Der Mann steht unter Schock.

«News»-Reporter David Pesendorfer schildert den Hitler-Verwandten in einem Video auf der Website des Magazins als angesehenen Mann, der ein normales Familienleben führe und einen Bauernhof betreibe. Der ehemalige Feuerwehrhauptmann bewerbe sich gerade in seiner Gemeinde um ein politisches Amt, und nun: «Plötzlich Hitler», wie sich Pesendorfer ausdrückt.

«Kollektiver Alptraum Österreichs»

«News» betont, die Identität des Hitler-Verwandten werde sorgfältigst geheim gehalten. Der Mann sei ein Opfer, erklärt Pesendorfer, der aus dem Einzelfall eine allgemeine Erkenntnis zieht: «Ich glaube, dass dieser Alptraum, den dieser Waldviertler Bauer durchlebt, eigentlich der kollektive Alptraum Österreichs ist.» Man habe Hitler nach dem Krieg weghaben wollen; es sei eine Mischung von «verdrängen, vergessen und nur in geringem Masse verarbeiten» gewesen.

Der 46-Jährige, der sich nun mit dem Gedanken anfreunden muss, ein Verwandter eines der schlimmsten Massenmörder der Weltgeschichte zu sein, ist nicht der einzige, der sich mit der Last dieser unerfreulichen Verwandtschaft abplagen muss. Pesendorfer erwähnt einen heute 70-jährigen Grosscousin des Führers, ebenfalls aus dem Waldviertel, der resigniert feststelle: «Hitler hat mein Leben zerstört.»

Hitlers «widerlichster Verwandter»

Hitlers nächste noch lebenden Verwandten sind freilich keine Bauern aus dem Waldviertel, sondern drei Brüder im US-Bundestaat New York: die Enkel eines Halbbruders von Adolf Hitler. Alois Hitler war nach einem Gefängnisaufenthalt nach Grossbritannien ausgewandert, hatte dort eine Irin geheiratet und mit ihr einen Sohn gezeugt. Dieser, William Patrick Hitler (1911-1987), ging nach der Machtergreifung seines berühmten Onkels nach Deutschland und versuchte dort vergeblich Kapital aus der Verwandtschaft zu schlagen; der Führer soll ihn als seinen «widerlichsten Verwandten» bezeichnet haben.

Freiwillig oder unter Druck verliess William Deutschland wieder und wanderte in die USA aus, wo er sich während des Kriegs als guter Neffe eines monströsen Onkels profilierte. Nach dem Krieg zog er sich indes komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Seine drei überlebenden Söhne — ein vierter kam 1989 bei einem Autounfall ums Leben — tragen nicht den Namen Hitler. Es wird ihnen nachgesagt, sie hätten einen Pakt geschlossen, dass sie nie Kinder in die Welt setzen würden, um so das hitlersche Erbgut nicht weiterzugeben.

Eine New Yorker Serviette und die French Connection

Obwohl keiner der drei Grossneffen Hitlers gern mit Journalisten spricht, gelang es dem belgischen Reporter Jean-Paul Mulders, an eine unfreiwillige Speichelprobe des ältesten Bruders, Alexander Adolf, zu kommen: Er nahm eine Papierserviette an sich, die Alexander Adolf in einem Drive-In weggeworfen hatte, nachdem er sich damit den Mund abgewischt hatte. Im Hühnerfett fand sich genügend DNA für eine Probe.

Mulders konnte damit den Anspruch von Jean-Marie Loret widerlegen, er sei ein Sohn Hitlers. Der schon 1965 verstorbene Franzose hatte behauptet, seine Mutter habe ihm vor ihrem Tod gestanden, er sei der Sohn eines deutschen Soldaten, mit dem sie 1918 eine amouröse Begegnung hatte: Adolf Hitler. Mit dem Vergleich der DNA seiner Nachkommen mit jener aus der Serviette in New York war diese Behauptung endgültig aus der Welt geschafft.

Hitler war kein Jude

Hitlers Familienverhältnisse waren schon immer schwierig zu klären. So legte der Diktator nach seinem kometenhaften Aufstieg grossen Wert darauf, dass nicht zu viel Licht auf seine Herkunft fiel. Seine politischen Gegner dürften nicht wissen, sagte er 1930, «woher ich komme und aus welcher Familie ich stamme.» Immerhin hatte Hitlers Vater seine eigene Cousine geheiratet, und möglicherweise gab es unter den Vorfahren Fälle von Inzest.

Das Dunkel, das über Hitlers familiärer Herkunft lag, bot so immer wieder wilden Spekulationen Raum. Am bekanntesten ist wohl die Behauptung, Hitler selbst habe einen jüdischen Grossvater gehabt; der Führer des Dritten Reiches sei mithin nach Massgabe der Nürnberger Rassegesetze selber Vierteljude gewesen. Diese mittlerweile eindeutig widerlegte These stammt aus den Erinnerungen des 1946 hingerichteten ehemaligen Generalgouverneurs im besetzten Polen, Hans Frank. Man darf annehmen, dass dieser fanatische Antisemit den verhassten Juden so ausgerechnet einen jüdischen Hitler unterschieben wollte.