Sklaverei

07. März 2011 21:40; Akt: 08.03.2011 07:37 Print

Was Lincoln wirklich mit den Sklaven vorhatte

von Matthew Bakarat, AP - Der ehemalige US-Präsident Abraham Lincoln gilt als Vorkämpfer gegen die Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Historiker werfen jetzt aber ein neues Licht auf ihn.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Tatsächlich waren Lincolns Ansichten zur Lage der Schwarzen in den USA weit kontroverser als bisher angenommen, berichtet der Historiker Philipp Magness in seinem neuen, bisher nur auf Englisch erschienenen Buch «Colonization after Emancipation».

Anlässlich des 150. Jahrestages der ersten Amtseinführung des US-Präsidenten am kommenden Freitag wird in dem Buch neues Licht auf Lincolns Vorhaben geworfen, die ehemaligen Sklaven in Kolonien ausserhalb des Landes anzusiedeln.

Lincoln wollte Sklaven in Mittelamerika ansiedeln

Zumindest unter Historikern waren Lincolns umstrittene Thesen zur Aussiedlung der Schwarzen aus den Vereinigten Staaten bereits ein gut belegtes Faktum. In seiner wohl bekanntesten Rede, der Gettysburg Address 1862, rief er die Schwarzen in den USA dazu auf, sich in anderen Ländern anzusiedeln, in der Meinung Schwarze und Weisse könnten nicht friedlich zusammenleben.

Er bezeichnete jene in Freiheit lebende Schwarze als «selbstsüchtig», die sich ein Leben in den USA ausmalen würden. Stattdessen schlug er Mittelamerika als neuen Lebensraum für die befreiten Sklaven vor, «besonders aufgrund des ähnlichen Klimas zu Ihrer Heimat - das besser zu Ihren körperlichen Voraussetzungen passt.» Anders als viele seiner Landsleute war Lincoln allerdings für eine freiwillige Kolonisierung anstatt die Schwarzen zur Emigration zu zwingen.

Bisher glaubten viele Historiker, dass Lincoln später von dieser Auffassung abwich, als Datum wurde dabei die Emanzipationsproklamation am 1. Januar 1863 genannt. Damit wurde in den US-Südstaaten die Sklaverei offiziell abgeschafft, sie war ausserdem ein Versuch während des US-Bürgerkriegs (1861-1865) die Sklaven gegen den abtrünnigen Süden aufzubringen.

Lincoln arbeitete im Hintergrund

Doch Lincoln betrieb die Idee einer Kolonisation der Sklaven offenbar weiter, wie Magness und Mitautor Sebastian Page in Archiven in den USA und Grossbritannien herausgefunden haben.

Über private und diplomatische Kanäle habe Lincoln versucht, eine Kolonie für ehemalige Sklaven im heutigen Belize einzurichten, nachdem die Kritik an dem Vorhaben immer stärker geworden war, berichten die Autoren. Noch zumindest bis 1864 habe er ausserdem versucht, das bereits abgeschaffte Amt des Kolonisierungsbeauftragten am Leben zu halten.

Tom Schwartz, Forschungsdirektor an der Abraham Lincoln Presidental Library in Illinois, meint hingegen, es gebe ausreichend Beweise dafür, dass Lincoln ab 1863 von seiner Idee der Kolonisierung abgewichen sei. Er habe in Reden immer wieder auf die Rechte der Schwarzen hingewiesen, die sich im Bürgerkrieg auf der Seite der Nordstaaten verpflichtet hätten.

Abraham Lincoln war nicht der einzige US-Präsident, dessen Ansichten zur Sklaverei weit weniger idealistisch sind, als es in Schulbüchern den Anschein macht. Der erste US-Präsident, George Washington, und auch der dritte, Thomas Jefferson, behielten trotz eigener Bedenken ihre Sklaven.

Autor Magness sieht Lincoln jedenfalls als vielschichtige Person, die auch weiterhin für divergierende Ansichten sorgen wird. Nicht umsonst ist das Vermächtnis des US-Präsidenten bereits seit seiner Ermordung 1865 für politische Agenden jedweder Art verwendet worden.