Kannibalismus

14. Mai 2011 20:02; Akt: 14.05.2011 20:03 Print

Wenn Menschen Menschen essenWenn Menschen Menschen essen

von Daniel Huber - Man nennt sie «Metzger», «Vampir» oder «Werwolf»: Der Fall des slowakischen Kannibalen Matej C. lenkt den Blick auf Gewalttäter, deren Verbrechen jede Vorstellungskraft sprengen.

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Der slowakische Informatiker Matej C. (l.) verabredete sich im Mai 2011 mit einer Internetbekanntschaft. Doch das Opfer aus der Schweiz meldete sich bei der Polizei, als ihm klar wurde, dass es C. tatsächlich Ernst meinte. Bei der Festnahme schwer verletzt, starb C. zwei Tage danach. Er wird verdächtigt, die 30-jährige Elena Gudjáková (l.) und die 20-jährige Lucia Uchnárová verzehrt zu haben. Der Fall erinnert an den «Kannibalen von Rotenburg»: Der Computerfachmann Armin Meiwes schnitt 2001 einem Internet-Bekannten mit dessen Einverständnis das Geschlechtsteil ab. Die Tat zeichnete er auf Video auf. Nach der Tötung ass er Teile der Leiche. Links das Opfer, der Berliner Diplom-Ingenieur Bernd Jürgen Armando Brandes. Das Landgericht Frankfurt verurteilte Meiwes im Mai 2006 wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu lebenslanger Haft. Erst im November 2011 hatte der 26-jährige Jan O. im niedersächsischen Bodenfelde zwei Jugendliche ermordet. Jan O. wurde in der Nähe des Bahnhofs Bodenfelde festgenommen. Der mutmassliche Mörder gestand, dass er bei der Tötung des ersten Opfers Blut aus dessen Wunden gesaugt hatte. Stephen Griffiths studierte an der Universität von Bradford ausgerechnet Kriminologie, mit besonderem Augenmerk auf das Thema Serienmorde im viktorianischen England. Ihm wird der Mord an drei Frauen zur Last gelegt: Susan Rushworth, Suzanne Blamires und Shelley Armitage (v.l.). Im Mai 2010 wurde der 40-Jährige in seinem Haus am Rand des Rotlichtbezirks von Bradford festgenommen. Bei einer ersten Anhörung vor Gericht gab er seinen Namen als «Kannibale mit der Armbrust» an. Im Oktober 2001 wurden zwei Männer in Kasachstan zum Tode verurteilt, weil sie sieben Prostituierte ermordet hatten. Die zerstückelten Leichen verarbeiteten sie zu Schaschlik. Das Fleisch assen sie selbst oder boten es ahnungslosen Verwandten an. Der 40-jährige Kanadier chinesischer Herkunft Vince Weiguang Li erstach im Juli 2008 den 23-jährigen Tim McLean in einem Greyhound-Bus in Kanada. Während die anderen Passagiere aus dem Bus flohen, schnitt Li Stücke aus dem Toten, die er ass. Er befindet sich jetzt in einem psychiatrischen Hochsicherheitstrakt. Vier Jugendliche mussten sich im März 1999 in Finnland wegen Kannibalismus und Mordes vor Gericht verantworten: Die Anhänger eines «Satanskults» sollen ein Gruppenmitglied gefoltert, umgebracht und Körperteile verzehrt haben. Tsutomu Miyazaki tötete 1988 und 1989 vier junge Mädchen, verging sich sexuell an den Leichen und verzehrte Teile von zweien der Opfer. Den Familien der Mädchen schickte Miyazaki Briefe mit detaillierten Beschreibungen seiner Gräueltaten. Nach seiner Verhaftung wurde er zum Tode verurteilt und am 17. Juni 2008 in Tokio gehängt. Während des Bürgerkriegs in Liberia soll Joshua Milton Blahyi von 1989 bis 1996 mit seinen Kindersoldaten 20 000 Menschen umgebracht haben. Er zog nackt in den Kampf, was ihm den Spitznamen «General Butt Naked» («General Splitternackt») eintrug. Man sagte ihm den rituellen Verzehr von Menschenfleisch nach. Nach dem Krieg wandelte Blahyi sich zum Prediger; derzeit ist er nicht angeklagt, da er zur Tatzeit als nicht zurechnungsfähig galt. Jeffrey L. Dahmer, der «Kannibale von Milwaukee», beging seit 1978 17 Morde. Opfer waren meist schwarze oder jugendliche Männer. Er missbrauchte die Leichen, ass Körperteile und machte Fotos davon. Köpfe und andere Körperteile bewahrte er im Kühlschrank auf. In seiner Wohnung wurden gekochte und verweste Reste seiner Opfer gefunden. Im Februar 1992 wurde er zu 15 Mal lebenslanger Haft verurteilt. 1994 tötete ihn ein Mithäftling im Gefängnis. Der Russe Andrej Tschikatilo soll zwischen 1970 und 1982 53 Morde vor allem an Frauen und Kindern begangen haben. Geschlechtsteile einiger Opfer ass er auf. Der «Metzger von Rostow» wurde 1992 zum Tode verurteilt und 1994 hingerichtet. Der japanische Student Issei Sagawa war von hochgewachsenen europäischen Frauen fasziniert. 1981 tötete er in Paris eine niederländische Kommilitonin und ass sie teilweise auf. Die Überreste wollte er in zwei Koffern im Bois de Boulogne entsorgen, wobei er auffiel. Nach seiner Verhaftung wurde Sagawa vorerst ohne Prozess in eine psychiatrische Klinik in Villejuif gebracht, wo er bis 1985 blieb. Dann wurde er nach Japan abgeschoben – wo er nur ein Jahr später nach Interventionen seines Vaters, des Industriellen Akira Sagawa, auf freien Fuss gelangte. Seither wurde der Kannibale in Japan mehrmals in Talk Shows eingeladen, wo er stolz seine Erlebnisse schilderte. Richard Trenton Chase erlangte als «Vampire of Sacramento» grausige Berühmtheit. Chase glaubte, sein Blut verwandle sich in Pulver, wenn er sich nicht fremdes Blut zuführe. Aus diesem Grund tötete er zu Beginn Tiere und trank deren Blut. Danach begann die Serie bestialischer Morde, die bis zu seiner Verhaftung im Januar 1978 andauerte. In einigen Fällen trank Chase das Blut seiner Opfer und verzehrte Teile der Leiche. Wegen sechsfachen Mordes trotz seiner psychischen Krankheit zum Tode verurteilt, brachte sich Chase im Dezember 1980 in der Todeszelle mit einer Überdosis Antidepressiva um. Joachim Kroll war mit einem Intelligenzquotienten von 76 nahezu schwachsinnig. Ausserdem war der «Menschenfresser von Duisburg» sexuell auf das Abstechen und Ausweiden von Tieren fixiert. Schliesslich begann er auch Menschen zu töten. Als die Eingeweide seines letzten Opfers die Toilette verstopften, wurde Kroll 1976 verhaftet. Er starb 1991 in Haft. Ed Gein, der «Plainfield Ghoul» («Monster von Plainfield»), lebte als Junggeselle in dem kleinen Dorf Plainfield im US-Staat Wisconsin und fing nach dem Tod seiner dominanten Mutter damit an, Frauenleichen aus Gräbern auszugraben. Schliesslich ermordete er zwei Frauen, aus deren Haut er verschiedene Gegenstände anfertigte, beispielsweise Armbänder. Er war Vorbild für den Serienmörder Jame Gumb alias «Buffalo Bill» im Thriller «Das Schweigen der Lämmer» (1991). Nach seiner Verhaftung 1957 wurde Gein für geisteskrank erklärt. Er starb 1984. Fritz Haarmann, der «Werwolf von Hannover», war einer der berüchtigsten deutschen Serienmörder. Zwar wurde nie ganz klar, ob er seine Opfer auch tatsächlich verspeist hatte. Sicher ist nur, dass Haarmann, der überdies als Polizeispitzel tätig war, einen schwunghaften Handel mit billigem Fleisch betrieb. Bild: Hier verstaute Haarman die Leichen seiner Opfer bis zum nächsten Tag. Zwischen 1918 und 1924 lockte er mindestens 24 Männer und Jungen in sein Zimmer, wo er sie dann beim Geschlechtsakt umbrachte. Teile der Leichen verbrannte er in seinem Gasofen. Haarmann (M.) mit Kriminalbeamten. Er wurde zum Tod verurteilt und starb am 15. April 1925 im Gefängnishof des Landgerichts Hannover unter dem Fallbeil. Karl Denke aus Münsterberg (heute Ziebice) galt als Wohltäter, der – obwohl selber arm – immer eine Mahlzeit für Bedürftige übrig hatte. In Wahrheit hatte «Papa Denke», wie er auch genannt wurde, 30 Menschen umgebracht. 1924 fand die Polizei in seiner Wohnung gepökeltes Fleisch und Blechdosen mit 420 menschlichen Zähnen. Denke nahm sich in der Zelle das Leben.

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Seine Fleischeslust im blutigsten Sinn des Wortes hat ein mutmasslicher Kannibale in der Slowakei mit dem Leben bezahlt: Am Donnerstag erlag er den Verletzungen, die er in einer wilden Schiesserei mit der Polizei erlitten hatte. Der 43-jährige Informatiker Matej C. hatte sich mit einem Schweizer, den er im Internet kennen gelernt hatte, zum Essen verabredet – wobei letzterer sich selbst als Mahlzeit anbot.

Der makabere Pakt erinnert an den Fall des «Kannibalen von Rotenburg», der im März 2001 den Berliner Diplom-Ingenieur Bernd Jürgen Armando Brandes auf dessen eigenen Wunsch tötete und Teile der Leiche ass. Auch Armin Meiwes hatte sein Opfer im Internet kennen gelernt. Die grausigen Vorgänge bei dem tödlichen Rendez-vous hielt der ehemalige Oberfeldwebel auf Video fest. Die Bilder von der Entmannung, Tötung und Zerlegung von Brandes waren sogar für gestandene Rechtsmediziner zu viel. 2006 wurde Meiwes wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu lebenslanger Haft verurteilt.

Doppelmord in Bodenfelde

Nur in den seltensten Fällen freilich dient sich das Opfer dem Kannibalen selbst an und willigt in seine Tötung und Verspeisung ein, um so ein morbides Verlangen zu befriedigen, dem wohl ein vernichtender Selbsthass zugrunde liegt. In aller Regel nimmt sich der Kannibale Leben und Körper des Opfers ohne dessen Einverständnis. So auch der 26-jährige Jan O., der im November 2010 im niedersächsischen Bodenfelde zwei Jugendliche umbrachte. Der mutmassliche Mörder gestand, dass er bei der Tötung des ersten Opfers Blut aus dessen Wunden gesaugt hatte und in den folgenden Tagen immer wieder zu der Leiche zurückgekehrt war, um dieser weitere Verletzungen zuzufügen. Dem Mann droht nun die Sicherungsverwahrung oder die Einweisung in eine psychiatrische Klinik.

Der «Werwolf von Hannover»

Als berüchtigtster Kannibale in der deutschen Rechtsgeschichte vor dem spektakulären Fall von Rotenburg gilt wohl Fritz Haarmann – obwohl nie ganz klar wurde, ob der «Werwolf von Hannover» seine Opfer auch tatsächlich verspeist hatte. Sicher ist nur, dass Haarmann, der überdies als Polizeispitzel tätig war, einen schwunghaften Handel mit billigem Fleisch betrieb. Zwischen September 1918 und Juni 1924 lockte er mindestens 24 Männer und Jungen in sein Zimmer, wo er sie dann beim Geschlechtsakt umbrachte: «Bei dieser Gelegenheit habe ich dann meine Opfer in die Kehle gebissen und dann mit den Händen abgedrosselt.» Die Leichen zerstückelte er und verbrannte sie teilweise im Ofen seiner Wohnung. Die Überreste warf er in den Fluss Leine. Dort fanden spielende Kinder im Frühsommer 1924 mehrere menschliche Schädel, was schliesslich zur Verhaftung von Haarmann führte. Der Schlächter freute sich während seines Prozesses sichtlich über seine plötzliche Berühmtheit und wollte auf dem Marktplatz hingerichtet werden: «Dann sehen doch alle Leute, dass ich tot bin – in Amerika – da bin ich auch im Kino – ich bin doch ganz berühmt.» Dieser Wunsch wurde ihm nicht erfüllt: Es war im Gefängnishof des Landgerichts Hannover, wo Haarmann am 15. April 1925 unter dem Fallbeil starb. Noch heute erinnert das «Haarmann-Lied» an den Hannoveraner Serienmörder:


«Haarmann-Lied»
(Quelle: YouTube)


Wohltäter mit Spitzhacke

Nur ein Jahr vor Haarmann segnete ein anderer deutscher Kannibale das Zeitliche: Karl Denke aus dem schlesischen Münsterberg (heute Ziebice). «Papa Denke», wie er auch genannt wurde, galt als gutmütiger Korbflechter, der – obwohl selber arm – immer eine Mahlzeit für Bedürftige übrig hatte. Erst im Dezember 1924 fiel die Maske des vermeintlichen Wohltäters: Ein obdachloser Wanderarbeiter, der sich bei Denke verpflegen liess, entkam knapp der Attacke des 54-jährigen Serienmörders, der ihn mit der Spitzhacke verletzte. Zunächst wurde jedoch das Opfer verhaftet, da Denke behauptete, der Landstreicher habe ihn bestehlen wollen; er selbst habe sich nur gewehrt. Erst am Tag danach wurde Denke doch noch verhaftet. Als man seine Wohnung durchsuchte, fand man Schreckliches: Fässer voll mit gepökeltem Menschenfleisch, Töpfe voller Fett, zwei Blechdosen mit 420 menschlichen Zähnen. Zudem aus Menschenhaut gefertigte Schnürsenkel und schliesslich ein Notizbuch, in dem der Kannibale von 1903 an akribisch seine 30 Mordtaten eingetragen hatte. Denke aber konnte nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden – er hatte sich inzwischen in seiner Zelle erhängt.

Der «Menschenfresser von Duisburg»

Ebenfalls aus Schlesien stammte Joachim Kroll, der aber im Ruhrpott sein Unwesen trieb und als «Menschenfresser von Duisburg» oder «Ruhrkannibale» berüchtigt wurde. Der Waschraumwärter war mit einem Intelligenzquotienten von 76 nahezu schwachsinnig; ausserdem war er – seit er bei einem Metzger gelernt hatte, wie man Tiere schlachtet – sexuell auf das Abstechen und Ausweiden von Tieren fixiert. Nach dem Tod seiner Mutter begann er auch Menschen zu schlachten. 1976 entführte er schliesslich ein vierjähriges Mädchen und tötete es. Als er die Eingeweide des Opfers die Toilette hinunterspülen wollte, verstopfte diese, und dies führte zu seiner Festnahme. Den Beamten zeigte Kroll bereitwillig den Suppentopf auf dem Herd, in dem die Gliedmassen des Mädchens in Salzwasser kochten. «Ich habe davon probiert», sagte der Mörder den Polizisten, «aber es schmeckt nicht.» Kroll wurde wegen achtfachen Mordes zu neunmal lebenslänglicher Haft verurteilt und starb 1991 im Gefängnis.

Vom Grabräuber zum Frauenmörder

Als Filmfigur wurde Ed Gein, der «Plainfield Ghoul» («Monster von Plainfield»), weltweit bekannt: Seine Verbrechen flossen in die Filme «Psycho» (1959) und «Texas Chain Saw Massacre» (1974) ein, und er war Vorbild für den kannibalistischen Serienmörder Jame Gumb alias «Buffalo Bill» im Thriller «Das Schweigen der Lämmer» (1991). Gein lebte als Junggeselle in dem kleinen Dorf Plainfield im US-Staat Wisconsin und fing nach dem Tod seiner dominanten Mutter damit an, Frauenleichen aus Gräbern auszugraben. Schliesslich ging er dazu über, Menschen zu töten. Mindestens zwei Frauen fielen ihm zum Opfer; aus ihrer Haut fertigte er verschiedene Gegenstände an, beispielsweise Armbänder oder Totenmasken. Nach seiner Verhaftung 1957 wurde Gein für geisteskrank erklärt. Er starb 1984 mit 77 Jahren in einer psychiatrischen Einrichtung.

Der «Vampir von Sakramento»

Der 1950 geborene Richard Trenton Chase erlangte als «Vampire of Sacramento» grausige Berühmtheit. Chase glaubte, sein Blut verwandle sich in Pulver, wenn er sich nicht fremdes Blut zuführe. Aus diesem Grund tötete er Katzen und andere Tiere und trank deren Blut. Mit 26 Jahren wurde er in eine psychiatrische Klink eingewiesen, weil er sich Kaninchenblut injiziert hatte. Als er in der Klinik einem Vogel den Kopf abbiss und dessen Blut trank, nannte ihn das entsetzte Personal «Dracula». Gleichwohl wurde er im Jahr darauf entlassen. Danach begann die Serie bestialischer Morde, die bis zu seiner Verhaftung im Januar 1978 andauerte. In einigen Fällen trank Chase das Blut seiner Opfer und verzehrte Teile der Leiche. Wegen sechsfachen Mordes trotz seiner psychischen Krankheit zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt, nahm sich Chase im Dezember 1980 in der Todeszelle mit einer Überdosis Antidepressiva das Leben.

«General Splitternackt»

Von 1989 bis 1996 tobte im westafrikanischen Liberia der erste von zwei blutigen Bürgerkriegen. Die Kampfhandlungen wurden mit äusserster Grausamkeit geführt, wobei sich einer der Warlords besonders hervortat: Joshua Milton Blahyi, der als «General Butt Naked» («General Splitternackt») mit seinen Kindersoldaten 20 000 Menschen umgebracht haben soll. Nur mit Turnschuhen bekleidet zog Blahyi in den Kampf, was ihm seinen Spitznamen eintrug. Die Nacktheit sollte ihn unbesiegbar machen. Auch der morgendliche Verzehr von Menschenfleisch, der ihm nachgesagt wurde, hatte eine rituelle Funktion. Der 1971 geborene Blahyi war bereits als Elfjähriger in einer geheimen Zeremonie erstmals Zeuge einer rituellen Verspeisung eines Menschen geworden. Als seine Dienste am Ende des Kriegs nicht mehr so gefragt waren, floh der Warlord ins Ausland. Dort wandelte er sich zum Prediger, der seine Verbrechen damit rechtfertigte, er sei vom Satan besessen gewesen. Auch nach seiner Rückkehr nach Liberia 2008 ist bisher keine Anklage gegen ihn erhoben worden, da er zur Tatzeit unzurechnungsfähig gewesen sei.


«General Butt Naked Speaks!» (Englisch)
Quelle: YouTube

Der «Metzger von Rostow»

Eine wahrhaft unglaubliche Mordserie ging im November 1990 in Russland mit der Verhaftung des «Metzgers von Rostow» zu Ende. Andrei Tschikatilo hatte 53 Menschen grausam umgebracht, nach eigenen Angaben waren es mindestens 56. Seinen ersten Mord beging er 1978; dafür wurde irrtümlich der vorbestrafte Alexander Kraftschenko zum Tode verurteilt und 1983 exekutiert. Dem jungen Tschikatilo erzählte seine Mutter, sein älterer Bruder sei während der Hungersnot in der Ukraine von hungrigen Bauern entführt und verzehrt worden. Möglicherweise beflügelte dies Tschikatilos morbide Fantasie. Der zeitweise als Lehrer tätige Mann litt unter einer schweren Sehstörung, mangelndem Selbstbewusstsein und Impotenz; er tötete Mädchen, Jungen, Frauen – aber keine erwachsenen Männer. Da er glaubte, das Bild des Mörders bleibe auf der Netzhaut des Opfers zurück, stach er den Sterbenden oder Toten die Augen aus. Er schnitt oft Teile der Genitalien ab, die er dann ass, oder biss den Opfern die Brustwarzen ab. 1992 wurde er zu 86 Jahren Haft und dreifacher Todesstrafe verurteilt und 1994 hingerichtet.

Kannibale in der Talk Show

Der magische Glaube, mit der Einverleibung von dessen Körperteilen auch erwünschte Eigenschaften eines Menschen erwerben zu können, trieb den japanischen Studenten Issei Sagawa 1981 dazu, eine mit ihm befreundete Kommilitonin zu töten. Für den nur gerade 1 Meter 50 grossen Sagawa, der nicht gerade als hübsche Erscheinung durchging, waren hochgewachsene europäische Frauen eine Obsession. Seine wohlhabenden Eltern ermöglichten ihm einen Studienaufenthalt an der Sorbonne in Paris, wo er der Niederländerin Renée Hartevelt begegnete. Sie willigte ein, ihm Deutschstunden zu geben und suchte ihn in seiner Wohnung auf, wo er ihr mit einem Gewehr in den Nacken schoss. Zwei Tage lang ass er Teile der Leiche auf, bis der Geruch und die Fliegen ihn dazu brachten, die Überreste in zwei Koffern im Bois de Boulogne zu entsorgen. Von Passanten überrascht, geriet Sagawa in Panik, rannte davon und liess die Koffer zurück. Es dauerte nicht lange, bis die Polizei bei ihm klingelte. Der Kannibale wurde vorerst ohne Prozess in eine psychiatrische Klinik in Villejuif gebracht, wo er bis 1985 blieb. Dann wurde er nach Japan abgeschoben – wo er nur ein Jahr später nach Interventionen seines Vaters, des Industriellen Akira Sagawa, auf freien Fuss gelangte. Seither wurde der Kannibale in Japan mehrmals in Talk Shows eingeladen, wo er stolz seine Erlebnisse schilderte.

Diese und weitere Beispiele von Kannibalen finden Sie in unserer Bildstrecke!

Mitarbeit: Lukas Egli