Digitalisierung

28. August 2017 08:51; Akt: 28.08.2017 08:51 Print

Neue Technologien - neue Jobs

Die Digitalisierung ist allgegenwärtig. Viele Branchen sind ohne Anpassung gefährdet. Dazu spricht Prof. Dr. Cornelia Oertle, Direktorin des Eidgenössischen Hochschulinstituts für Berufsbildung (EHB).

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Frau Oertle, eine Studie des WEF rechnet mit dem Verlust von bis zu 5 Millionen Arbeitsplätzen in den Industrieländern. Wie beurteilen Sie diese Zahlen?

Letztlich sind das alles Schätzungen. Wie sehr die Digitalisierung unsere Arbeitswelt verändern wird, kann heute kaum jemand voraussagen. Klar ist: Sie kostet uns nicht nur Arbeitsplätze, sie bringt uns auch neue. Bis jetzt zeigen sich die Verluste nicht, obwohl die Veränderungen ja längst eingesetzt haben. Sicher aber stellt der digitale Wandel für den Arbeitsmarkt und damit auch für die Berufsbildung eine grosse Herausforderung dar; die ist auch für uns vom EHB zentral. So planen wir ab Herbst 2019 ein neues Bachelor-Studium zur Digitalisierung und ihren Auswirkungen auf die Berufswelt.

Gibt es Jobs, die vor der Digitalisierung sicher sind?
Wenig Sorgen machen muss sich, wer im Job kreativ oder stark analytisch arbeitet, und auch wer einen Job hat, der viel anspruchsvollen Austausch mit andern verlangt – zu all dem sind Maschinen heute noch kaum fähig. Das kann sich aber auch ändern. Wer sagt uns, was Maschinen in 100 Jahren alles können?

Welche Auswirkungen der Digitalisierung spüren wir bereits heute?
Greifbar ist die Digitalisierung in der Arbeitswelt für uns alle schon jetzt vielfach: Wir lösen Tickets online oder an Automaten, in der Industrie übernehmen zunehmend Roboter Fliessbandarbeiten, und auch Bauern setzen auf digitale Hilfsmittel, um die Abläufe auf ihren Höfen zu optimieren – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Welche Veränderungen erwarten uns in den kommenden Jahren?
Das ist schwer vorausschaubar. Wir wissen zwar, woran technisch gearbeitet wird, aber wir wissen nicht, wann diese Technologien wirklich ausgereift sind und auch breit genutzt werden. Die technologischen Voraussetzungen für WhatsApp zum Beispiel gab es schon lange bevor WhatsApp populär geworden ist. Seither schreibt kaum jemand noch SMS. Ob fürs Foto oder Video von der Bergtour, den nächsten Termin für ein Feierabendbier oder um jemandem zum Geburtstag zu gratulieren – heute ist WhatsApp für viele als Kommunikationsmittel aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Welche Kompetenzen sind mit Aus- und Weiterbildungen hauptsächlich zu fördern?
Die Fachkompetenzen bleiben wichtig. Klar braucht es auch mehr Knowhow zu digitalen Vorgängen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen künftig aber vor allem mehr als bisher damit umgehen können, dass sich ihr Beruf schnell verändern kann. Sie müssen flexibel sein. Das Wichtigste ist diese Offenheit für Neues, doch die lässt sich nicht einfach rasch erlernen. Es ist eine Lebens- und Berufshaltung, die immer wieder trainiert werden muss. Flexibilität, Offenheit, Kreativität und soziale Kompetenz sind gefragt. Am besten ist es, diese Fähigkeiten ganz konkret im Berufsalltag zu stärken.

Welche Chancen bietet die Digitalisierung für die Schweiz?
Wir haben viele hoch qualifizierte Berufsleute und eine gute Infrastruktur. Das sind gute Voraussetzungen, um mit den Entwicklungen hin zu einer stärker digitalisierten Berufswelt Schritt halten zu können. Doch die internationale Konkurrenz ist da, ausruhen können wir uns nicht.

www.ehb.swiss

(ra)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mark Tobler am 28.08.2017 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Fachkräfte?

    Die CH hat viele hochqualifizierte Berufsleute? Ich dachte immer, wir hätten "Fachkräftemangel"?!? Oder ist der "Fachkräftemangel" etwa doch ein Märchen der Wirtschafts-Bosse??

    einklappen einklappen
  • Ein Optimist am 06.09.2017 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die roboter kommen

    Ich glaube die roboter werden nicht für alle ein Segen ,trotzdem glaube ich auch die Zukunft biete viele neue Chancen Hoffen wir mal das beste

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Optimist am 06.09.2017 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die roboter kommen

    Ich glaube die roboter werden nicht für alle ein Segen ,trotzdem glaube ich auch die Zukunft biete viele neue Chancen Hoffen wir mal das beste

  • Mark Tobler am 28.08.2017 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Fachkräfte?

    Die CH hat viele hochqualifizierte Berufsleute? Ich dachte immer, wir hätten "Fachkräftemangel"?!? Oder ist der "Fachkräftemangel" etwa doch ein Märchen der Wirtschafts-Bosse??

    • GuterBüezer am 28.08.2017 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      Differenziert

      Unterschied zwischen wir haben sehr gut Qualifizierte Berufsleute (google doch mal was das heisst, könnte helfen) und ein mangel an studierten Ingenuieuren, Ärzte etc.

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