Lehrstellensuche

20. Januar 2011 19:24; Akt: 20.01.2011 19:31 Print

Schultyp wichtiger als Abschlussnoten

von Martina Huber - Ob Jugendliche eine Lehrstelle finden, hängt nicht allein von ihren Fähigkeiten ab. Wichtig ist, welchen Schulabschluss sie vorzuweisen haben. Das zeigt eine Langzeituntersuchung des Nationalfonds und der Universität Basel.

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Neun Jahre Schule sind in der Schweiz Pflicht. Wie die Ausbildung von Jugendlichen danach genau weiterverläuft und wie ihr Übertritt ins Berufsleben aussieht, ist Gegenstand eines Forschungsprojektes, das seit dem Jahr 2000 läuft: Damals erfasste die Pisa-Studie die Schulleistung von Jugendlichen in der Schweiz, die soeben die obligatorische Schulzeit abgeschlossen hatten. Ein Forscherteam hat den Karriereverlauf von 6000 dieser Schulabgänger mit regelmässigen Erhebungen verfolgt – bis heute.

Rund ein Viertel der Befragten absolvierte die Matura und nahm danach ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule in Angriff. Etwa die Hälfte begann gleich nach Schulabschluss eine Lehre. Die übrigen aber hatten Schwierigkeiten, eine Lehrstelle zu finden. Grund dafür sind laut Ko-Projektleiterin Sandra Hupka-Brunner nicht die schulischen Leistungen allein. Entscheidender als die Noten sei die Art des Schulabschlusses. «Selbst bei identischen Pisa-Kompetenzen haben Leute aus einem Schultyp wie Real- oder Oberschule schlechtere Chancen auf eine Lehrstelle als solche, die einen anspruchsvolleren Schultyp abgeschlossen haben», sagt die Soziologin der Uni Basel. Schlechtere Karten haben auch Jugendliche mit Migrationshintergrund – und Frauen.

Jugendlichen, die noch vor dem Schulabschluss stehen, rät Hupka-Brunner, sich schon früh Gedanken zur Berufswahl zu machen: Schnuppertage, Praktika oder auch Berufsbildungszentren ermöglichen Einblicke in verschiedene Berufsbilder. Wer dennoch im ersten Anlauf keine Lehrstelle finde, solle den Mut nicht verlieren und sich um eine Zwischenlösung kümmern: «Das ist 1000 Mal besser, als nichts zu machen – denn damit zeigt man dem künftigen Arbeitgeber, dass man sich bemüht und dranbleibt.» Ob diese Zwischenlösung ein 10. Schuljahr, ein Praktikum oder ein Sprachaufenthalt sei, spiele dabei keine grosse Rolle. Die Ergebnisse der Studie sind in einem Buch zusammengefasst, das nächste Woche im Seismo-Verlag erscheinen wird.