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Gewalt in Zürich
06. Oktober 2011 14:29; Akt: 06.10.2011 14:49 Print
«Die Lage wird sich verschärfen»
von Felix Burch - Der Basler Soziologe Ueli Mäder hat Verständnis für die Krawallmacher von Zürich. Er fordert mehr runde Tische, Hearings sowie kleine mobile Einheiten für die Polizei.
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Sind die Jugendlichen in der Schweiz heute gewaltbereiter?
Ueli Mäder: Ich nehme das nicht wahr, wobei jeder Gewaltakt einer zu viel ist. Wir haben uns früher ab und zu auch auf dem Pausenplatz geprügelt. Wir konnten mit dem Luftgewehr durch den Bach waten und auf Ratten schiessen. Wir konnten uns viel erlauben, was heute kriminalisiert würde. Heute wird Gewalt rascher geahndet. Und die Polizei erscheint oft unnötig in Vollmontur. Wie im Krieg. Das provoziert. Wir brauchen mehr runde Tische und öffentliche Hearings. Zudem kleine, mobile Einheiten, die hemdsärmelig Eskalation vermeiden können.
Ueli Mäder ist Professor für Soziologie an der Universität Basel sowie an der Hochschule für Soziale Arbeit. Er leitet das Institut für Soziologie und das Nachdiplomstudium in Konfliktanalysen.
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Ist diese «Massierung» von Gewalt Zufall oder haben Sie eine Erklärung?
Wir wissen alle noch zu wenig. Und die meisten Jugendlichen verbringen ihre Freizeit ja friedlich. Obwohl sie elektronisch viel Gewalt konsumieren. Und das spielt bei Ausschreitungen auch mit - wie Medien täglich Gewalt zelebrieren.
Wer sind die Leute, die sich an den Krawallen beteiligen?
Ich kenne nur einzelne Jugendliche, die zur Szene gehören. Einem durfte ich am letzten Freitag an der Uni ein Bachelor-Diplom in die Hand drücken. Mit einem andern kam ich am Vormittag an der Fachhochschule ins Gespräch. Beide sind zugänglich für gute Argumente. Sie wollen mehr konsumfreien Raum. Andere setzen sich in Szene, um so zu Anerkennung zu kommen.
Auffallend ist, dass die Krawalle von drei Szenen ausgehen: Von der Party-, der Fussball- und der Linksextremen-Szene. Was haben die Szenen miteinander zu tun?
Parties und Fussball sind für viele attraktiv. So überlagern sich Szenen. Gerade in der kleinräumigen Schweiz. Zudem sind Fussballfans ohnehin politischer geworden. Vermutlich steckt aber hinter der Suche nach Action ein Mangel an Anerkennung und Sinn.
Woher kommt die Aggression gegen die Polizei?
Der Staat wird heute nicht von Jungen demontiert. Wenn schon, dann eher von anerkannten Personen, die despektierlich über Bundesrätinnen und soziale Errungenschaften herziehen.
Sehen Sie Parallelen zu den Unruhen in London?
In der Schweiz gibt es immer noch relativ wenig Gewalt. Dazu sollten wir Sorge tragen und die Kultur der direkten Aussprachen stärken. Das hilft. Wichtig sind zudem berufliche Perspektiven und Gestaltungsmöglichkeiten.
Was ist der Unterschied zu den Jugendkrawallen der 68er und der 80er-Jahre?
Die Jugend drückt viel von dem aus, was sich in der Gesellschaft tut. 1968 lehnten sich Jugendliche gegen autoritäre Gefüge auf. 1980 setzten sie sich für kulturelle Freiräume ein. Diese Proteste waren klar politisch motiviert. Das Politische wird heute weniger deutlich artikuliert, es spielt aber weiter mit.
Sind bei den heutigen Krawallen in der Schweiz überhaupt Motive ersichtlich? Gibt es einen gemeinsamen Nenner?
Die Bewegungen sind heterogen, die Motive ebenfalls. Jugendliche reagieren jedoch immer auch darauf, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Sie möchte zum Beispiel kein beliebiges Rädchen sein, das immer schneller drehen sollte. Die Proteste wenden sich so auch gegen eine kühle Mechanik, die möglichst viel produzieren sollte und wenig Sinn vermittelt. Es gibt zwar viele Konsumangebote für Jugendliche, aber eigentlich wissen sie mit ihnen wenig anzufangen.
Müssen wir mit mehr Krawallen rechnen?
Ja, ich rechne damit, dass sich die Lage verschärft. Auch, weil soziale Gegensätze enorm zugenommen haben. Das rächt sich.
Was kann gegen die Gewalt unternommen werden?
Wir müssen bei der sozialen Schere ansetzen. Sonst laufen andere Anstrengungen ins Leere. Mehr Ausgleich ist bei den Löhnen und Vermögen nötig. Zudem mehr Mitgestaltung. Wer gefragt ist und mitreden kann, verhält sich auch verantwortlich. In der Familie, Schule, Gemeinde und im Betrieb.
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Alle 226 Kommentare




























Jeder ist für sich Selber verantwortlich
Viele Sozialarbeiter hätte keinen Job mehr würden sie die Leute richtig erziehen, da kann man den Job auch nicht richtig machen. Viele Eltern erziehen ihre Kinder auch nicht mehr, von aussen sagen dann alle "och er kann nicht anders" statt Disziplin beizubringen. Niemand will mehr Verantwortung übernehmen, immer sind die Anderen Schuld. Ich hab mal ein Haus gesehen da stand: "Jeder ist für sich selbst verantworlich und sollte so wenig wie möglich Hilfe von anderen in anspruch nehmen". Heute versucht man nicht mehr selber das Problem zu lösen, sondern geht gleich zur Gesellschaft.
Blödsinn
Genau Herr Marco U. Würden die Sozialarbeiter ihren Job richtig machen, hätten sie bald keinen mehr. Genau wie die Bundesräte, sind wir uns da einig? Ich hab mal einen Beitrag zu einem Zeitungsartikel gesehen, da stand "Heute versucht man nicht mehr selber das Problem zu lösen, sondern geht gleich zur Gesellschaft." Hinterfragen Sie diese Aussage doch einmal etwas genauer... Soll unsere Gesellschaft tatsächlich im Egoismus versumpfen? Und haben Sie jemals in Betracht gezogen, dass es Probleme gibt, die sich alleine nicht bewältigen lassen? Vor allem in sozial schwächer gestellten Kreisen?
@Herr F.U.
Eigenverantwortung hat nichts mit Egoismus zu tun.. Eigenverantwortung heisst, dass man sich und die Situation hinterfragt und selber (ohne Schuldzuweiungen) eine Lösung sucht.. findet man keine Lösung, kann man gerne hilfe in anspruch nehmen.
Wieso sagt denn keiner...
...was wirklich Sache ist? Es ist ja sowas von modern geworden, sich die Birne wegzusaufen. Ich erlebe fast täglich, wie Menschen vom Typ "lammfromm" zum agressiven Vollpfosten mutieren,dank dieser in unserer Gesellschaft immer noch voll akzeptierten Droge.Wenn das TV im Vorfeld von wichtig Länderpielen,die "treuesten Fans" der Nati vor dem Stadion aufsucht, brüllen diese jeweils vollbesoffen irgendwelche CH-Parolen in die Mikros und alle finden das toll. Fazit: Kein Alk im Stadion, vor dem Spiel ins Röhrchen blasen, positiv=kein Eintritt. Wird dann halt ein wenig leiser,dafür keine Verletzten
Muss alles Gratis sein?
Konsumfreier Raum gibts genug! Jeder kann auf eine Parkbank sitzen und sich dort Konsumfrei erholen. Wenn solche Jugendliche auch bereit sind etwas Gratis anzubieten, natürlich vom Feinsten, so würden Events nicht soviel kosten. Jugendliche die Krawall machen sind nicht die Kreativsten, würden sie etwas beitragen zur sogenannten Gratiskultur, hätten sie keine Zeit, mit Gewalt etwas zu Fordern wo sie, wie erwähnt nichts beitragen!