Murgang im Bergell

24. August 2017 19:00; Akt: 04.09.2017 11:27 Print

«Felssturz hängt mit dem Klimawandel zusammen»

Der Bergsturz im Bergell war der grösste seit Jahrzehnten im Bündnerland. ETH-Geologe Florian Amann erklärt, wie es zum Abbruch kam.

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Bedrohliche Gesteinsmassen: Eine weitere Million Kubikmeter könnte jederzeit vom Piz Cengalo abbrechen. Musste Bergung abbrechen: Einsatzleiter Andrea Mittner informiert die Medien. (26. August 2017) Bild: Thomas Egli Erneuter Murgang: Schlammlawine in Bondo. (25. August 2017) In diesem Tal sind die acht Wanderer verunglückt: Bondo nach dem Bergsturz. Flucht aus der Gefahrenzone: Im Nachbardorf Stampa kommt ein Auto nach dem anderen von Bondo her. Der Zonenplan, der über Zugang oder Evakuierung der Häuser in Bondo entscheidet: Grün für uneingeschränkten Zugang, im orangen Bereich muss mit neuerlichen Evakuierungen gerechnet werden, die rote Zone bleibt evakuiert. Blau bedeutet verschüttet. Polizeisprecher Roman Rüegg informiert am Freitag über die vermissten Wanderer. (25. August 2017) Anna Giacometti erklärt, welche Bewohner wieder nach Hause dürfen und welche nicht. (25. August 2017) Bagger räumen die Geröllmassen weg. (25. August 2017) Nach den Vermissten wurde unermüdlich gesucht. (25. August 2017) Sichert dem Bergeller Dorf jede erdenkliche Unterstützung der Behörden zu: Bundespräsidentin Doris Leuthard begegnet Bondos Gemeindepräsidentin Anna Giacometti gefühlvoll. (24. August 2017) Bild: Screenshot SRF Die Hauptstrasse durchs Bergell ist geschlossen: Autos stauten sich vor dem Portal der Umfahrung des Orts. (23. August 2017) Bundespräsidentin Doris Leuthard ist angereist. (24. August 2017) Berggänger werden mit einem Helikopter der Air Bernina evakuiert. (24. August 2017) 32 Personen sind mit dem Helikopter ausgeflogen worden, wie die Behörden am Donnerstag bekannt gegeben haben. (24. August 2017) Die Strasse ist schwer beschädigt. (24. August 2017) Das Bild der Zerstörung im Sonnenlicht. (24. August 2017) Die Abbruchstelle aus der Luft. (24. August 2017) Material des Felssturzes hat der Bach Bondasca als Murgang talauswärts bis nach Bondo geschoben. (Screenshot SRF) Zwei Ställe am Dorfrand wurden zerstört. Und im Val Bondasca walzten die Gesteinsmassen zehn Ställe und Maiensässe nieder. (23. August 2017) Bergsturz in Bergell: Die Rettungsteams haben ihre Suche nach vermissten Personen in Bondo GR intensiviert. (24. August 2017) Die Polizei hat eigene Helikopter und einen der Armee im Einsatz. Die Gemeindepräsidentin von Bergell, Anna Giacometti, spricht zu den Medien in Bondo. Barbara Janom Steiner, Regierungsrätin des Kantons Graubünden und Anna Giacometti, Gemeindepräsidentin von Bregaglia sind vor Ort. Rund 4 Millionen Kubikmeter sind zu Tal gedonnert: Das Geröll hat sich über 500 Meter Länge verteilt. An einzelnen Stellen ist es mehrere zehn Meter hoch. Ausmass der Verwüstung: Gemäss Angaben der Kantonspolizei Graubünden wurden bisher acht Personen vermisst gemeldet. (24. August 2017) Der Murgang stoppte knapp vor den Wohnhäusern: Wegen des Bergsturzes ist das Bergdorf Bondo im bündnerischen Bergell komplett evakuiert worden. (23.August 2017) 100 Personen wurden wegen allfälliger weiterer Steinschläge evakuiert. Grenzberg zwischen Italien und der Schweiz: Die Felsmassen brachen vom Piz Cengalo (3369 m ü. M.) ab. Die Leitplanken und einzelne Bäume behaupten sich gegen die Naturgewalt. (24. August 2017) «Wir haben gewusst, dass sich wieder ein Felssturz ereignen könnte», sagte Gemeindepräsidentin Anna Giacometti, allerdings sei man von der grossen Menge der Geröllmassen überrascht. SAC-Hütten über den Luftweg evakuiert: Helikopter führten Suchflüge durch und flogen einige Personen aus dem Gefahrengebiet aus. Spuren der Naturgewalt: Bondo und der Weiler Spino wurden evakuiert, das Dorf Soglio ist von der Aussenwelt abgeschnitten. Gesperrte Hauptstrasse zwischen Stampa und Castasegna: Alternative Verkehrsrouten führen über den Berninapass und das Puschlav. Da war noch alles in Ordnung: Die Region ist bei Wanderern vor allem wegen ihrer malerischen Umgebung bekannt. Wenige Tage später: Die Gegend liegt unter einer dicken Schicht Geröll.

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Florian Amann, wieso ist es zu diesem Felssturz gekommen?
Wie bereits beim Felssturz an gleicher Stelle im Jahr 2011 gibt es klare Hinweise, dass die Ereignisse am Piz Cengalo mit dem Klimawandel zusammenhängen. Aufgrund der höheren Temperaturen fliesst mehr Wasser in die Klüfte im Granit. Gefriert das Wasser dann wieder zu Eis, drückt es die Spalten auf.

Gibt es eine geologische Besonderheit am Piz Cengalo, die Felsstürze begünstigt?
Aufgrund des strukturellen Baus des Piz Cengalo sind Fels- und Bergstürze grundsätzlich denkbar. Die Präsenz von Eis in tiefen Spalten und Klüften hat in den letzten Jahren zu einer Destabilisierung beigetragen.

Wieso kam es zu einem Murgang nach dem Felssturz?
Der Murgang geschah nahezu simultan mit dem Bergsturz. Das lässt die Vermutung zu, dass beim Aufprall der Bergsturzmasse, der ein Erdbeben der Stärke 3,0 auf der Richterskala ausgelöst hat, der Firn am Fuss des Piz Cengalo teilweise geschmolzen ist. Damit war das Wasser da, das einen Murgang ermöglicht. Ein Aufstauen des Baches im Tal ist in dieser kurzen Zeit nicht denkbar.

Weiss man bereits, wie viel Gestein heruntergekommen ist?
Es war mehr als 2011 und die Schätzungen bewegen sich momentan im Bereich von 4 Millionen Kubikmeter. Am 1. September planen wir zusammen mit dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung und der Terrasense AG eine Messung, um das Volumen exakt zu bestimmen.

Muss man kurzfristig mit weiteren Abbrüchen rechnen?
Im Moment muss man davon ausgehen. Das gesamte, noch verbliebene, instabile Volumen beträgt etwa 1 Million Kubikmeter. Die Messungen am 1. September müssen dies noch bestätigen.

Hätte man Bondo nach 2012 nicht permanent evakuieren müssen? Man ging ja von weiteren Felsstürzen aus und installierte auch ein Murgang-Alarmsystem.
Nach 2012 haben wiederholte Messungen zwar kleine Verschiebungen in der Felswand festgestellt, diese waren aber nicht alarmierend. Erst in den letzten Tagen haben sich die Anzeichen verdichtet, dass es zu einem Ereignis kommen könnte.


Bergsturz: Mehrere Menschen in Bondo werden vermisst. (Video: Tamedia/Leser-Reporter)

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Snowman am 24.08.2017 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Goldauer Felssturz

    Ja klar. Genau wie der Goldauer Felssturz.

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  • Amina123 am 24.08.2017 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ehm...

    ohjeh...klimawandel gibts schon seit der existenz der erde......

    einklappen einklappen
  • Pyrbel am 24.08.2017 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Okey

    hä? Trump aber sagt es gibt kein Klimawandel

Die neusten Leser-Kommentare

  • Balzli am 24.08.2017 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lauf der Natur

    Die Kontinentalverschiebung führt zur Auffaltung der Alpen, und die Errosion baut sie wieder ab. Mal etwas schneller, mal etwas langsamer. Menschen, die dort seit langem leben, wissen das.

  • Rabbi Sandstein am 24.08.2017 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moderner Klimahandel

    Mit Klimahandel lässt sich heutzutage ordentlich Kohle scheffeln. Darum die Klima-Hysterie.

  • Paula am 24.08.2017 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar ....

    Nach dem Sturm Lothar 1999 hiess es, dass gibt es jetzt immer öfter wegen dem Klimawandel nach dem Rekordsommer 2003 hiess es jetzt wird es jedes Jahr noch heisser wegen dem Klimawandel und jetzt frage ich mich warum alles über 15 jahre danach nicht eingetreten ist? Liegt es daran, dass einfach zu viel am "Klimawandel" verdienen? Ja man darf skeptisch bleiben.

  • Raymond F. am 24.08.2017 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Klimawandel kein Märchen, aber ...

    ... wir sollten ihm offen entgegensehen: ihn zu verhindern ist kaum noch möglich. Unsere Kräfte sollten wir deswegen zum Schutz vor seinen Auswirkungen einsetzen. Jetzt zum Beispiel dafür, dass man Bondo nicht wieder an Ort und Stelle aufbaut, sondern in einer sicheren Zone.

  • IM NAMEN GOTTES ZU LEBEN am 24.08.2017 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    UMKEHR

    Ist unsere Gesinnung nicht der Klimawandel man sehe was am Sonntag abgeht das Müssen wir uns fragen, die Schöpfung leidet und wird sich Aufbäumen