Mysteriöse Geoglyphen

24. November 2017 13:37; Akt: 24.11.2017 13:37 Print

«Nasca-Linien wurden zum Abschreiten angelegt»

Die Bodenzeichnungen der Nasca-Kultur sind zum Teil so gross, dass sie vom Boden gar nicht gesehen werden können. Das hat gute Gründe, wie Experte Peter Fux sagt.

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Frühe figürliche Geoglyphen an einem Hang südlich von Llipata. Die grösste Figur ist das sogenannte Augenwesen (Ser Oculado) der Paracas-Zeit. Im Gegensatz zu späteren Bodenzeichnungen sollten diese hier gesehen werden können. Spätere Geoglyphen aus der Nasca-Zeit konnten vom Boden aus visuell nicht mehr erfasst werden. Laut Nasca-Kenner Peter Fux war das auch nicht Sinn und Zweck. Denn die Linien wurden in Ritualen abgeschritten und so aufgenommen. In diesen Ritualen nahmen die Menschen von damals Kontakt mit höheren Kräften auf. (Bild: Geoglyphe eines Wals (Orca), Nasca) Typische Landschaft des Nasca-Gebiets: Im Vordergrund links sind auf der Pampa von Nasca die Geoglyphen im Wüstenboden zu erkennen. Dahinter liegt die fruchtbare Flussoase des Ingenio-Tals, und am Horizont kommt es in Küstennähe zur Nebelbildung. Spiralförmige Geoglyphe. Der Affe mit dem spiralförmigen Schwanz ist insofern bemerkenswert, als dass es in dem Gebiet gar keine Affen gab. Die Menschen wussten also damals schon von der Tierwelt ausserhalb ihrer unmittelbaren Umgebung. Die Figur «Las manos» (die Hände). Die Spinne inmitten geometrischer Bodenzeichnungen. Geoglyphe eines Hundes. Nicht nur die Geoglyphen sind Thema der Ausstellung «Nasca. Peru – Auf Spurensuche in der Wüste». In der umfangreichen Ausstellung gibt es zudem Gefässmalereien, Goldmasken, Musikinstrumente und farbenprächtige Textilien zu sehen. (Im Bild: Bügelhenkel-­Doppelausgussflasche in Form eines Schwertwals, frühe Nasca-­Phase, 50–300 n. Chr.) Umhang mit farbigen, ineinandergreifenden Stufendreiecken und Stickereiborte, Leinwandgewebe. Initiale Nasca-Phase, 200 v. Chr. – 50 n. Chr. Goldschmuckplatte in Form einer mythischen doppelköpfigen Schlange. Gold, gehämmert und getrieben. Frühe Nasca-Phase, 50–300 n. Chr. Tassen in Kopfform mit Kopfputz und Gesichtsbemalung. Ton, modelliert und bemalt, gebrannt, Mittlere Nasca-Phase, 300–450 n. Chr. Textilfragment mit einem fliegenden Priesterwesen, leinwandbindiges Baumwollgewebe, mit gefärbter Kamelidenwolle bestickt, initiale Nasca-Phase, 200 v. Chr. – 50 n. Chr.

Zum Thema
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Ihre Blütezeit erlebte die Nasca-Kultur von etwa 200 v. Chr. bis 650 n. Chr. In dieser Zeit wurde das Nasca-Becken an der Südküste Perus mit grossflächigen Bodenzeichnungen, sogenannten Geoglyphen, versehen. Der Zweck der Zeichnungen war lange Zeit rätselhaft, was zu vielen, teils abenteuerlichen Deutungsversuchen führte. Peter Fux, ein ausgewiesener Nasca-Kenner und Kurator der Ausstellung «Nasca. Peru – Auf Spurensuche in der Wüste» im Museum Rietberg in Zürich, erklärt im Interview, was es mit den Geoglyphen auf sich hat.

Umfrage
Werden Sie die Ausstellung zur Nasca-Kultur besuchen?

Peter Fux, beim Stichwort Nasca denken viele Leute in erster Linie an die Geoglyphen, die berühmten Linien von Nasca. Sie waren vor Ort. Was war Ihr erster Eindruck, als Sie die Geoglyphen sahen?
Ich war von 2004 bis 2006 mit dem Deutschen Archäologischen Institut in Peru. Der Anblick der Geoglyphen war total überwältigend. Es ist beeindruckend, dass die Menschen in dieser Wüstenregion so viel Kraft aufgewendet haben, um diese riesigen Bodenzeichnungen anzulegen.

Ist es nicht erstaunlich, dass sich die Geoglyphen so lange gehalten haben?
Die Bedingungen in der Wüste sind ideal. Die herrschenden Winde können die Steine nicht verrücken. Ein Problem sind eher die Regenfälle, die im Zuge des Klimawandels stark zunehmen.

Wie schafften es die Menschen damals, mit einfachen Mitteln derart grosse Bodenzeichnungen zu schaffen?
Dazu muss ich zuerst einmal festhalten, dass dies keine Wilden waren. Die Nasca-Kultur war eine komplexe Gesellschaft, die über ein hohes Wissen verfügte. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Geoglyphen zur Römerzeit entstanden. Die Nasca hatten offensichtlich die Fähigkeit, Skizzen in einem grossen Massstab ins Gelände zu übertragen.

Wie wurden die Zeichnungen im Gelände umgesetzt?
Der Boden bot ideale Bedingungen dafür. Der Untergrund besteht in der Hochebene aus verdichtetem weissem Sand, der im Zuge der Gletscherschmelze in den Anden von grossen Steinen überdeckt wurde. Diese Steine haben aufgrund ihres Eisengehalts eine dunkle Färbung. Die Nasca schafften diese Steine weg, wodurch der helle Untergrund zum Vorschein kam, und schufen so die Geoglyphen.

Wofür wurden diese riesigen Zeichnungen angelegt?
Dafür gibt es keine allgemeingültige Antwort. Die ersten Zeichnungen entstanden noch vor den Nasca in der Paracas-Kultur. Diese Zeichnungen wurden an Hanglagen angebracht, wo sie in ihrer Gesamtheit erkannt werden konnten. Sie dürften unter anderem als Schutz für die dort durchführenden Karawanenwege angelegt worden sein. Die Nasca-Geoglyphen mussten hingegen nicht mehr eindeutig erkannt werden.

Wie meinen Sie das?
Diese riesigen Geoglyphen wurden nicht angelegt, um visuell erfasst zu werden. Sie wurden von den Menschen abgeschritten. Das geschah in Ritualen, die von Musik begleitet wurden und in denen auch psychoaktive Substanzen wie Meskalin eine Rolle spielten. Die geometrischen Formen bildeten über das Abschreiten ein rhythmisches Erlebnis. So hat man die Form in sich aufgenommen.

Was war der Zweck dieser Rituale?
Sie dienten dazu, mit höheren Kräften Kontakt aufzunehmen. Dafür spricht auch die Lage der Geoglyphen. Die Menschen lebten in den fruchtbaren Flusstälern, wo das Wasser Leben brachte. Dieses kam von den Bergen herab, die von den Menschen verehrt wurden. Die Berge waren lebensspendend, also göttlich. Die Geoglyphen waren auf der Hochebene angelegt, also zwischen den Flusstälern und den Bergen – also zwischen dem Leben und dem Lebensspendenden. Das war ein idealer Ort, um Kontakt mit dem Übernatürlichen aufzunehmen.

Die Geoglyphen wurden mit der Zeit immer grösser. Weshalb?
Die Gegend wurde im Laufe der Zeit immer trockener. Das Wasser, der Lebensspender aus den Bergen, blieb immer öfter aus. Die Menschen versuchten durch das Abschreiten immer grösserer Geoglyphen, was immer längere Rituale zur Folge hatte, die höheren Kräfte gütig zu stimmen.

Was halten sie von der Theorie, dass die Geoglyphen Landebahnen für Ausserirdische waren?
Das ist reine Fantasie ohne die geringste wissenschaftliche Grundlage. Wer das behauptet, will nicht verstehen, was sich wirklich dort abspielte. In meinen Augen ist die Alien-Theorie reine Geldmacherei.

Wie wird das Thema der Geoglyphen in der Austellung «Nasca. Peru – Auf Spurensuche in der Wüste» im Muesum Rietberg thematisiert?
Wir zeigen die Landschaft anhand zweier grosser Geländemodelle. Mit 3-D-Brillen können die Besucher die Landschaft quasi überfliegen. Sie sehen die Geoglyphen, wie sie vielleicht einst ein Nasca-Priester vor seinem inneren Auge sah. Und: Sie können die schönsten und aufschlussreichsten Nasca-Kunstwerke bestaunen, die wir alle von der peruanischen Regierung als Leihgabe für diese Ausstellung erhalten haben (siehe Bildstrecke).

(jcg)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Super – marko 32

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • James Hunt am 24.11.2017 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualitätsjournalismis

    Däniken hat NIE behauptet dass dies Landebahnen sind. Aber die "Qualität" der Recherche bei diesem Käseblatt ist ja nicht neues.

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  • Didi Weidmann am 24.11.2017 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Spekulation

    Dass die Geoglyphen zum Abschreiten bestimmt waren, ist einfach eine weitere Spekulation. Tatsache ist, dass man die Bilder nur aus der Luft erkennen kann. Auf den Tonzeichnungen der Nascas kann man aber Menschen mit Gleitvorrichtungen erkennen und dass es fliegende Elitekrieger mit Gleitgeräten gab, das ist überliefert. Es gab also durchaus Menschen, die diese Bilder aus der Luft betrachten konnten und somit bekommt das Ganze auch einen Sinn ...

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  • Ancient Alien Guy am 24.11.2017 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nee neee

    die Nazcas hofften dass sie dadurch die Ausserirdischen zurückholen könnten, die sie als Götter ansahen. Ja, ich weiss das, weil ich hab' mal 'nen Film auf Youtube gesehen. Ist so.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.Heidegger am 29.11.2017 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    beruhigte Vermeindlichkeit

    Hauptsache man hat irgendeine simple, materialistisch-wissenschaftliche Pseudoerklärung. Damit ist die Welt für all diejenigen, die es nicht genauer hinterfragen wollen, wieder in Ordnung und sie können in ihre beruhigte Vermeindlichkeit eintauchen!

    • TomTom am 30.11.2017 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.Heidegger

      Und mit genauer hinterfragen meinen Sie was? Dass es Ailens waren oder etwas übernatürliches?

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  • ENU am 26.11.2017 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldmacherei

    Herr von Däniken wird nicht begeistert sein wenn man seine Ausserirdischen Theorien als reine Geldmacherei einstuft.

  • Fredy am 25.11.2017 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurator, Verwalter

    Was dieser Stiftungsverwalter nicht alles weiss.... Wann gehen die Sachen nach Peru zurück? Hat er das auch noch selber ausgegraben und mitgenommen.... Dann ist es doch schlicht und einfach Kulturgut Diebstahl mit dem er sich brüstet.

  • :) am 25.11.2017 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die

    "Prozessionsstrassen" Theorie gibt es aber auch schon länger....

  • retep am 25.11.2017 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheuklappen

    Alles, was die sogenannten Wissenschaftler nicht erklären können ist immer KULT ODER KULTSTÄTTE. Wahrscheinlich ist das der neuste Irrtum!

    • errare humanum est am 25.11.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @retep

      Das liegt aber nur daran, dass aus wissenschaftlicher Sicht bis auf den Bau oder die Herstellung nichts weiter untersucht werden kann. Religiöse Handlungen sind wissenschaftlich betrachtet nicht falsch oder richtig, denn sie können gar nicht bewertet werden.

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