Eisschmelze in der Antarktis

08. Dezember 2017 17:57; Akt: 09.12.2017 12:51 Print

«New York wird überschwemmt werden»

von F. Riebeling - Im September hat sich in der Antarktis ein riesiger Eisberg gelöst. Anders als erwartet, ist er nun zerbrochen. Das Ereignis beunruhigt die Forscher.

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Zwei Monate nachdem ... hat sich im September 2017 in der Westantarktis Der Eisberg B44 löste sich vom Pine-Island-Gletscher im Amundsenmeer in der Westantarktik. Damals gingen Experten des British Arctic Survey davon aus, dass der Koloss ins Südpolarmeer driften und dort auseinanderbrechen würde. Doch Aufnahmen des Satelliten Sentinel-1 zeigen: Der 265 Quadratkilometer grosse Brocken zerfällt schon jetzt, nur wenige Kilometer von seinem Ursprungsort entfernt. Den ETH-Glaziologen Martin Funk überrascht das nicht: Dass Eisberge auseinanderbrechen, sei nicht abnormal. Es schwimmen dann einfach kleinere Eisberge umher. «Der Meeresspiegel wird davon nicht beeinflusst, weil die Eismassen bereits im Wasser schwammen», so Funk. Schlimmer sei, dass der grosse Eisberg überhaupt vom Pine-Island-Gletscher abgebrochen ist. Denn der Abbruch ist ein weiteres Zeichen dafür, ... ... dass der Gletscher immer schneller schrumpft: Seit 1991 sei der Pine-Island-Gletscher um 31 Kilometer zurückgegangen. Laut Funk ist der Rückzug des Gletschers kaum mehr aufzuhalten: «Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Grossteil des Westantarktischen Eisschilds verschwunden sein wird.» Der hier beobachtete Gletscherrückzug ist laut dem Glaziologen vor allem eine Konsequenz von wärmeren Wassertemperaturen, wodurch das im Wasser liegende Eis vermehrt schmelze. Deshalb «wird mehr Eis abgetragen, als nachwachsen kann. Man geht davon aus, dass in 1000 Jahren ein Grossteil der Westantarktis verschwunden sein wird.» Das hat Folgen: «Geht das ganze Eis der Region verloren, wird der Meeresspiegel um etwa drei Meter ansteigen», sagt Funk. Der Anstieg werde aber nicht gleichmässig verteilt sein: «Manche Regionen trifft es mehr als andere. Das hängt unter anderem von der Verteilung des Schwerefelds der Erde ab.» (Bild vom 21.September 2017, kurz vor dem Abbruch) Die Schweiz wird laut dem Experten von den Auswirkungen nicht direkt betroffen sein. Doch für beliebte Reiseziele sehe es schlecht aus. Vor allem tief gelegene Küstenregionen wie New York dürften dann völlig anders aussehen. Auch für Fans der Niederlande hat Martin Funk schlechte Nachrichten: Das Land wird vom deutlich höheren Meeresspiegel stark betroffen sein.

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Nach dem Abbruch des Eisbergs B44 vom Pine-Island-Gletscher gingen Experten vom British Antarctic Survey davon aus, dass dieser zunächst ins Südpolarmeer driften und dann auseinanderbrechen würde.

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Aufnahmen des Satelliten Sentinel-1 zeigen nun aber: Der 265 Quadratkilometer grosse Brocken zerfällt schon jetzt, nur wenige Kilometer von seinem Ursprungsort entfernt. Für Martin Funk, Glaziologe der ETH Zürich, ist das wenig überraschend. Trotzdem sorgen ihn die jüngsten Ereignisse in der Westantarktis.


Düstere Prognose: Eisschmelze in der Antarktis. (Video: Tamedia/AFP)

Herr Funk, haben Sie mit einem so raschen Auseinanderbrechen gerechnet?
Dass Eisberge auseinanderbrechen, ist eigentlich nicht abnormal. Sie bleiben nur dann am Stück, wenn sie sehr homogen sind. Wenn also die Eisdicke sehr gleichmässig verteilt ist. Sobald es aber unterschiedliche Dicken gibt oder im Eis Störungen anzutreffen sind, dann tendiert es dazu, auseinanderzubrechen. Nicht unbedingt in sehr vielen Stücke, aber es zerfällt in Einzelteile.

Warum gingen Ihre Kollegen denn von einem anderen Szenario aus?
Ich kenne deren Arbeit nicht im Detail. Aber ich kann mir vorstellen, dass sie effektiv in den Messungen gesehen haben, dass der abgebrochene Teil sehr homogen ist. Aber wenn im Eis zum Beispiel Spannungskonzentrationen vorkommen, sieht man das nicht unbedingt. Dann tendiert der schwimmende Eisberg zu zerbrechen, ohne das man es im Vorfeld auf Satellitenbildern erkennen kann.

Was bedeutet das Auseinanderbrechen?
Die einzige Folge ist, dass jetzt kleinere Eisberge umherschwimmen. Der Meeresspiegel wird davon nicht beeinflusst, weil die Eismassen bereits im Wasser waren. Schlimmer ist, dass der grosse Eisberg überhaupt vom Pine-Island-Gletscher abgebrochen ist.


Warum?
Das Einzugsgebiet des Pine-Island-Gletschers macht rund 10 Prozent des Westantarktischen Eisschilds aus und sein Rückzug verursacht 25 Prozent des Eisverlustes der Westantarktis. Der Abbruch des Eisbergs im September hat einen Prozess in Gang gesetzt, der den Rückzug weiter vorantreiben wird. Und er ist kaum mehr aufzuhalten. Die Westantarktis ist damit instabiler geworden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Grossteil des Westantarktischen Eisschilds verschwunden sein wird.

Von welchem Zeithorizont sprechen wir da?
Das ist schwierig zu sagen. Auf jeden Fall geht es schneller, als wenn die Eismassen von der Oberfläche her schmelzen würden. Das passiert in der Westantarktis noch nicht, weil das Klima dort noch kalt genug ist.

Der hier beobachtete Gletscherrückzug ist vor allem eine Konsequenz von wärmeren Wassertemperaturen, wodurch das im Wasser liegende Eis vermehrt schmilzt. Deshalb ist die Massenbilanz der Westantarktis negativ. Es wird also mehr Eis abgetragen, als nachwachsen kann. Diese Entwicklung hat das Potenzial, dort viel Eis in relativ kurzer Zeit abzubauen.

Man geht davon aus, dass in 1000 Jahren ein Grossteil der Westantarktis verschwunden sein wird. Aber bereits in 100 Jahren kann schon einiges weg sein. Der Meeresspiegel wird sicher deswegen ansteigen.

Was bedeutet der Verlust des Westantarktischen Eisschilds für den Meeresspiegel?
Geht das ganze Eis der Region verloren, wird der Meeresspiegel um etwa drei Meter ansteigen. Der Anstieg wird nicht auf dem ganzen Globus gleichmässig verteilt sein: Manche Regionen trifft es mehr als andere. Das hängt unter anderem von der Verteilung des Schwerefelds der Erde ab.

Was wird das für Folgen haben?
Wir in der Schweiz werden das nicht direkt merken, aber tief gelegene Küstenstädte wie beispielsweise New York werden überschwemmt. Auch Holland wird davon stark betroffen sein.


Das Eis der Westantarktis schmilzt immer schneller. Je dunkler die Farbe, desto rascher fliesst es. Bei Lila sind es etwa 1000 Meter, die pro Jahr verschwinden. (Video: ESA)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mister T am 08.12.2017 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eiszeit

    Geologisch gesehen sind wir in einer Warmphase einer Eiszeit. Die längste Zeit in der Geschichte der Erde, waren beide Polkappen eisfrei.

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  • Stevens Tom am 08.12.2017 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er wird es schon richten...

    Donaldi Trumpi wird bestimmt auch dafür eine Lösung haben!

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  • mondstern am 08.12.2017 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Schweiz

    Bin ego geworden. Vielen Dank, dass wir in der Schweiz vor dem Ansteigen der Meere und Tsunamis verschont bleiben. Ein kleiner Hacken hat das Ganze. Wir könnten schon bald eine mittlere Eiszeit erleben, mit Temperaturen, die nicht über 15 Grad (Sommer) liegen. Wann trifft es ein?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Major Tom am 11.12.2017 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    BUMM!

    Und dann geht der Supervulkan unter dem Yellowstone-Nationalpark hoch und all die schönen Klimaberechnungen sind für die Katz.

  • veganerin am 10.12.2017 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Soya Aus Sibirien

    Und Bananen aus der Schweiz. Wieso sind alle gegen die Klimaerwärmung.. Heizkosten im winter können wir uns auch sparen.

  • reto am 10.12.2017 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    was jetzt?

    kommt jetzt eine Eiszeit oder eine Warmzeit? jeder sagt was anderes?

  • M. Eteo am 10.12.2017 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Erstens kommt es anders und

    zweitens als die Klimaforscher glauben zu denken und ihre Computer mit ihren Modellen vorhersagen. Die letzten 20 Jahren waren eine einzige grosse Blamage in Sachen Vorhersagen. Man hätte genauso gut würfeln können. Nur, mit Würfeln hätten wir viele Milliarden für viel Unsinn eingespart. Zur Zeit werden in aller Regelmässigkeit Forschungsergebnisse relativiert, ja sogar zurückgezogen, weil eklatante Fehler drinn sind.

  • Tinu am 09.12.2017 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegen dem vielen Eis?

    Hm in 1000 Jahren? 3m Anstieg? Hm, und was wenn in 500 Jahren eine Eiszeit kommt? Hm?