Neurologe

16. Juni 2014 13:09; Akt: 16.06.2014 23:49 Print

«Schumi wird immer ein Invalider bleiben»

von R. Neumann - Michael Schumacher liegt nicht mehr im Koma und hat das Spital verlassen. Nun fängt seine Rehabilitation an. Was das bedeutet, erklärt der Neurologe Erich Riederer.

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Am 9. September 2014 wurde bekannt, dass Michael Schumacher zur Reha vom Spital nach Hause darf. Am 5. August ist ein Mitarbeiter der Rega wegen dringendem Tatverdacht, die Schumacher-Akte weitergegeben zu haben, verhaftet worden. Einen Tag später fand man ihn erhängt in seiner Zelle. Ein Arztbericht über Schumacher wurde gestohlen - obwohl er offenbar unter einem Decknamen im Verzeichnis abgelegt war. Die Behörden ermitteln. Am 16. Juni 2014 wurde bekannt, dass Michael Schumacher aus dem Koma aufgewacht ist. Der ehemalige Formel-1-Rennfahrer wurde von Grenoble ins Universitätsspital Lausanne CHUV verlegt, wie Schumachers Managerin Sabine Kehm mitteilte. Am 5. April berichtete «L'Équipe», dass Michael Schumacher von der Intensivstation auf die Neurochirurgie verlegt worden sein soll. Ausserdem habe er zunächst «die Augen geöffnet», ohne weitere Reaktionen zu zeigen. Wird Schumacher bald aus dem Koma erwachen? Am 4. April wurde bekannt, dass es dafür erste Anzeichen gibt. Corinna Schumacher will, dass ihr Mann in ihrer Villa am Genfersee medizinisch versorgt wird. Der deutsche Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg ist beim Rennen in Melbourne auch bei Michael Schumacher - die Seite seines Mercedes ziert «#KeepFightingMichael». Michael Schumacher liegt seit seinem schweren Skiunfall vom 29. Dezember 2013 im Spital von Grenoble (Frankerich) im künstlichen Koma. Schumis früherer Formel-1-Kollege Philippe Streiff kritisiert, dass der Felsabschnitt, wo Schumacher verunfallte, nicht abgesperrt war. Ferrari-Fans aus aller Welt pilgerten an Schumachers 45. Geburtstag am 3. Januar 2014 zum Spital in Grenoble. Sie gratulierten ihrem Idol und spendeten still Kraft. Auch Flaggen durften nicht fehlen. Die Familie bedankte sich am 2. Januar auf Schumis Website für die grosse Anteilnahme. Bruder Ralf (links) und Vater Rolf Schumacher betreten das Spital. Das Spital in Grenoble, in dem Michael Schumacher im Koma liegt, wird von zahlreichen Journalisten aus der ganzen Welt belagert. Angeblich wurden wichtige Arbeitsabläufe im Spital behindert, weshalb die Medien am 2. Januar vom Gelände verbannt wurden. Am 1. Januar traf Jean Todt (links), Präsident des Automobil-Weltverbands FIA und ehemaliger Teamchef von Ferrari, in Grenoble ein. Rolf Schumacher (M.) vor der Uniklinik in Grenoble, wo sein Sohn schwer verletzt auf der Intensivstation liegt. Vater Rolf und Bruder Ralf Schumacher bleiben weiter positiv. Schumacher-Fans zeigen ihre Unterstützung vor dem Spital von Grenoble, drapieren Ferrari-Flaggen. Die Uniklinik in Grenoble: Hier liegt Michael Schumacher auf der Intensivstation, nachdem er bei einem Skiunfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitt. Die französischen Professoren Jean-François Payen (l.) und Emmanuel Gay (r.) informieren gemeinsam mit Professor Gérard Saillant an der zweiten Medienkonferenz zu Schumachers Zustand am 31. Dezember 2013. Die Klinikdirektorin Jacqueline Hubert gibt an der Medienkonferenz Auskunft. Das internationale Interesse am Gesundheitszustand des Formel-1-Stars ist riesig. Ein Mann wirft eine Nachricht in den Briefkasten des Schumacher-Anwesens in Gland VD. Der siebenfache Formel-1-Weltmeister erhält Genesungswünsche aus aller Welt. Ein Helikopter vor dem Spital in Grenoble. Hier befindet sich Michael Schumacher nach einem Skiunfall in den französischen Alpen. (29. Dezember 2013) Hätte er keinen Helm getragen, wäre Schumacher jetzt mit Sicherheit nicht mehr am Leben, meinen die Ärzte an der ersten Pressekonferenz am 30. Dezember. Sein Zustand sei kritisch, man wage keine Prognose. Schumacher hat ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Hier soll sich gemäss «Bild»-Zeitung der Unfall ereignet haben. Spital-Direktor Jean-Marc Grenier spricht vor den Medien. Vor dem Spital haben sich Schumi-Fans versammelt. Sie sind in Gedanken bei ihrem Idol. Der siebenfache Formel-1-Weltmeister gilt als passionierter Skifahrer. In Madonna di Campiglio ist sogar eine Piste nach ihm benannt.

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Herr Riederer, Schumacher ist aus dem Koma erwacht. Was bedeutet das?
Erich Riederer:
Jetzt liegt ein langer Weg vor ihm. Aber zunächst ist es eine unglaublich positive Nachricht, wenn jemand nach einem halben Jahr Koma aufwacht. Für ihn ist es positiv, aber natürlich auch für seine Familie ist dies enorm wichtig.

Was kommt nun auf ihn zu?

Eine sehr intensive Rehabilitation. Ich könnte mir vorstellen, dass er in der Deutschschweiz – vielleicht in Nottwil – in die Klinik verlegt wird. Man wird mit täglicher Physiotherapie versuchen, Fortschritte zu erzielen. Denn bleibende Schäden wird er davongetragen haben. Physisch und psychisch. Alles andere würde mich sehr erstaunen.

Was sind die ersten Ziele der Reha?

Mobilität und Kommunikation. Man wird als Erstes versuchen, ihn mal aufzusetzen. Für uns ist das ganz natürlich, wir steuern das Gleichgewicht unbewusst. Er muss all das wieder lernen. Es wäre ein Erfolg, wenn er nach drei Monaten wieder selbstständig sitzen könnte. Vielleicht wird er in einem halben Jahr einen Elektro-Rollstuhl steuern können. Je nachdem, ob er seine Finger bewegen kann.

Und wie sieht es mit dem Sprechen aus?
Schumacher erinnert mich an den deutschen Handballer Joachim Deckarm, der mit dem Kopf auf den Beton geknallt ist. Ich habe ihn kürzlich gehört – und er spricht mehr oder weniger in Lauten, kann nicht artikulieren. Das dürfte bei Schumi auch der Fall sein. Ganze Sätze zu bilden, dürfte schwierig werden – er wird einzelne Wörter lernen.

Welche Folgen haben sechs Monate Bettlägerigkeit auf den Körper?
Schumacher ist sechs Monate lang gelegen, seine Muskeln sind verschwunden, er wird skelettartig aussehen. Die Leute würden erschrecken, wenn sie ihn so sehen würden. Es ist besser, wenn die Menschen das alte Bild von Schumi behalten, das bekannt ist. Ich habe Patienten gesehen nach einer so langen Zeit, die sehen richtig ausgemergelt aus.

Er habe die Klinik bereits verlassen. Heisst das, er ist schon längere Zeit wach?
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er schon ein paar Tage wach ist. Im Spital werden die Ärzte wohl abgewartet haben, um ganz sicher zu sein, dass er wach ist. Sonst hätte man das nicht schon jetzt kommuniziert. Für einen Transport wäre es zwar nicht notwendig gewesen – auch Koma-Patienten können verlegt werden.

Wie wird die Zukunft von Schumi aussehen?
Er wird für immer ein Invalider bleiben, immer auf die Hilfe anderer angewiesen bleiben. Ich lasse mich gerne überraschen, aber es gibt kaum Fälle, die sich so vollständig ohne Schäden erholt haben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • LUAR am 16.06.2014 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Besserung!

    Ich wünsche Michael Schumacher weiterhin gute Besserung.Das die Familie darum besorgt ist,dass Herr Schumacher ohne Medienrummel das Spital verlassen konnte finde ich sehr gut.

  • Chris am 16.06.2014 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Kofpschüttel

    Ich finde es erschreckend, wie bei vielen Besserungswünschen die Daumen gegen unten gedrückt wurden! Man muss ihn nicht mögen aber wie kann man einem Menschen (den man nur aus den Medien kennt und keinen was getan hat) Schlechtes wünschen? Was für ein bemitleidenswertes Leben müssen diese Personen haben? Ich wünsche Schumi alles GUTE und viel Kraft!

    einklappen einklappen
  • Frank Meier am 16.06.2014 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schumi du schaffst das!

    ...kaum Fälle bekannt. Ich drücke Schumi und seiner Familie alle Daumen, dass er zu diesen "kaum Fälle" gehört.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erin am 18.06.2014 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaube, Liebe und Hoffnung

    Wünsche Michael Schumacher nur das Beste. Wie immer auch die Situation ist, es lohnt sich zu kämpfen. Glaube, Liebe und Hoffnung geben viel Stärke und dies braucht vorallem Frau Schumacher. Die Liebe dieses Ehepaares ist so einmalig, dass es doch für immer so bleiben sollte!

  • Munin am 18.06.2014 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Invalid

    Es wird Zeit, das dieser Begriff abgesetzt wird. Invalid bedeuted einfach nur "ungültig" auf Englisch, und ist einfach nur herabwürdigend.

  • marianne am 18.06.2014 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute

    Ich wünsche der Familie Schumacher alles Gute und Gottes Segen. Ich habe aber etwas Mühe damit, wenn ein Arzt - so gut er auch sein mag - öffentlich seine Meinung zur Gesundheit und möglichen Genesung von eines Menschen gibt, wenn er diesen Menschen gar nie behandelt hat. Warten wir lieber ab was kommt und freuen uns über jedes kleine Wunder der Besserung.

  • Formula 1 am 18.06.2014 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin einer....

    seiner grössten Fans, deshalb würde ich ihm wünschen, niemals in einem Rollstuhl dahervegetieren zu müssen. Ich glaube, das Rennen mit dem Tod machte ihm wesentlich mehr Fun als aufzuwachen und gefüttert zu werden und je nach dem die Schliessmuskel nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Das, meine Lieben, genau DAS würde er nicht wollen. Ich wünsche ihm das BESTE! Aber ob für ihn ein Leben als Krüppel ein gutes ist, weiss ich nicht......Die Medizin will einfach auch wieder einen Sieg verbuchen, einen fraglichen.

  • Janosch am 18.06.2014 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer als der Tod

    "Für Schumi ist das positiv"... und im selben Artikel steht: "Er wird immer ein Invalider bleiben..." Was soll da jetzt positiv sein? Also mir wäre der Tod tausendmal lieber!