Kritik der OECD

27. November 2017 10:51; Akt: 27.11.2017 11:24 Print

«Schweizer produzieren zu viel Abfall»

Der Umweltprüfbericht der OECD übt Kritik an den Konsumgewohnheiten in der Schweiz. Er bemängelt ausserdem den Artenschutz und die Wasser- und Luftqualität.

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Das erste Farbsacktrennsystem der Schweiz soll während einem Jahr getestet werden: Eine Mitarbeiterin des Umweltamts der Stadt Bern entsorgt unterschiedlich farbige Abfallsäcke in einen Container. (24. August 2017) (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

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Die OECD bemängelt in ihrem Umweltprüfbericht zur Schweiz den Schutz der Arten, die Sicherung der Wasserqualität und örtlich auch der Luftqualität. Sie kritisiert zudem die hiesigen Konsumgewohnheiten – 742 Kilogramm Siedlungsabfall gibt es pro Jahr und Kopf. Das sei zu viel.

Das Recycling zeige zwar Wirkung, heisst es im am Montag in Bern den Medien vorgestellten Bericht. Aber auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft sehen die Autoren Luft nach oben, namentlich bei Bau- und Abbruchabfällen. Mehr als 15 Millionen Tonnen Abfall im Jahr entfallen auf diese Sparte.

Hersteller zur Verantwortung ziehen

Würden die Hersteller von Baumaterial vermehrt zur Verantwortung gezogen, würde dies laut dem Bericht «die Abfallerzeuger dazu anregen», die Kosten von nicht mehr genutzten Stoffen in Betracht zu ziehen.

Schwerpunkte setzt der Bericht bei den Themen Biodiversität, Wasser und ressourcenschonendes Wachstum, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Montag mitteilte. Hier sehen die Autoren Nachholbedarf: Bei der Erhaltung der Biodiversität hinke die Schweiz den anderen OECD-Staaten hinterher.

Verbesserungsbedarf sehen sie auch bei den Schutzgebieten: Im internationalen Vergleich seien Grösse, die Qualität und auch die Vernetzung von Schutzgebieten mangelhaft. Arten kämen nicht nur wegen der Zersiedelung unter Druck, sondern auch wegen der hohen Belastung durch Ammoniak und Pestizide. Der Aktionsplan Biodiversität müsse unverzüglich umgesetzt werden.

Belastete Gewässer

Hohe Belastungen haben auch Gewässer zu tragen, und auch hier werden die von Bauern verwendeten Pestizide genannt. Aber auch Mikroverunreinigungen aus Haushalten und Industrie tragen zu den Belastungen bei. Positiv gewertet wird, dass Frischwasserentnahmen abgenommen haben und Kläranlagen die Stickstoffbelastung senken.

Trotz Verbesserungen ein Ungenügend gibt der Bericht der Schweiz bei der Luftbelastung mit Schadstoffen: Die Belastungen durch Feinstaub und Stickoxide liegen vor allem in stark befahrenen Gebieten über den gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerten. Feinstaub und Ozon in der Luft verursachen jedes Jahr 2000 bis 3000 vorzeitige Todesfälle.

Nachdem die Schweiz 2007 ihren Aktionsplan Umwelt und Gesundheit (APUG) nicht erneuert habe, fehle «eine ganzheitliche Sicht der umweltbedingten Gesundheitsprobleme», heisst es im Bericht. Das Programm ging auf die Konferenz von Rio von 1992 und die damals verabschiedete «Agenda 21» zurück.

Der Bericht nennt aber auch Stärken: Aufgeführt werden hier die Bestrebungen, den Güterverkehr von der Strasse auf die Schiene zu bringen, die CO2-Abgabe, die auf biologische Vielfalt ausgerichteten Direktzahlungen für Landwirtschaftsbetriebe, die höhere Besteuerung von Diesel im Vergleich zu Benzin und die Tatsache, dass über Umweltanliegen abgestimmt werden kann.

42 Empfehlungen

Der Umweltprüfbericht 2017 ist der dritte, den die OECD für die Schweiz erstellt hat. Für den Bericht werden Entwicklungen, Strategien und Resultate geprüft, Schlussfolgerungen gezogen und Empfehlungen gemacht – 42 sind es im aktuellen Bericht für die Schweiz. Das Bafu begrüsst den Bericht, wie es schreibt.

«Wir werden die Resultate und Empfehlungen analysieren und mit den Kantonen und weiteren Interessengruppen als Grundlage nutzen, um die Belastung der Umwelt zu reduzieren», liess sich BAFU-Direktor Marc Chardonnens in der Mitteilung zitieren. Die Empfehlungen zur Senkung der Belastung mit Nährstoffen und Pestiziden sollen laut Bafu in die Agrarpolitik ab 2022 einfliessen sowie in den vom Bundesrat verabschiedeten Aktionsplan Pflanzenschutzmittel.

(rub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno Gasser am 27.11.2017 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wundere mich nicht

    Lasst nur immer mehr Leute in die Schweiz und wundert euch wenns dann Dichtestress gibt und mehr Abfall etc

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  • Schweizer am 27.11.2017 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wir retten ...

    Hört mal auf mit absurden Anforderungen. Wir können nicht die Welt retten. Dafür ist die Schweiz zu klein. Zudem interessiert es die anderen Länder nicht etwas in den vernünftigen Umweltschutz zu investieren. Dort könnte man mit kleinen Massnahmen viel bewirken.

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  • Uschle am 27.11.2017 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kritik

    Ist glaube ich nicht unbedingt der Bürger der zu viel Abfall produziert sonder die Hersteller mit Karton und beim Fleisch die Verpackungen, wäre besser es in Plastiksäcke zu Vakumieren , so kann man es Eingefrieren ohne das der Kühler viel Platz braucht so in etwa wie die Sevelats.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rene am 28.11.2017 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    die macht des konsumenten

    wir hinken hintennach, gerade beim sammeln von kunststoffabfällen. da könnten wir 100% zulegen, aber davon sind wir leider noch sehr weit weg und ruhen uns dauernd nur auf aussagen aus wie: wir sind weltmeister im pet recycling oder alu- und glas sammeln. reicht nicht, leute, reicht noch lange nicht. wir müssen mehr tun und als konsumenten haben WIR die macht dazu, aber von nichts kommt nichts

  • Radiesli am 28.11.2017 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Die Grossverteiler haben eine Mitschuld!

    Nein, Schweizer werden von den Grossverteilern genötigt, zuviel Abfall zu kaufen, denn man muss ja zb eine Aktion mit 3 Schachteln Guetzli noch wie folgt zusatzverpacken: 3 sowiso schon verpackte Schachteln FLACH LIEGEND nebeneinander, darum nochmals eine Lage Zellophan und dann noch eine fette Aktionsbanderole aus einem weiteren Kunststoff rundumkleben! Nur schon gestapelt könnte man 60% der Umwicklung sparen, aber eigentlich könnte man einfach eine Aktion so machen: Kauf 3 und bekomm Rabatt, direkt an der Kasse abgezogen.... Und da wir das mitmachen, wird sich auch nichts daran ändern!

  • René am 28.11.2017 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Amüsante Randnote:

    Als Thalwil die Abfallsackgebühr einführte, machte man das mit dem Argument der Abfallvermeidung. So weit kann man das gut (oder schlecht) finden. Ein paar Jahre später erschien in einer regionalen Zeitung ein Bericht, das die KVA in Horgen zu wenig Abfall hätte und deshalb neu Abfall aus Italien nach Horgen gekarrt werden müsse, damit sich der Betrieb weiter rendieren würde. Wenn man die Abfallsackgebühr als eine Form der Lenkungsabgabe ansieht, die den Anreiz schaffen soll, weniger Abfall zu produzieren, dann war es erfolgreich. Über die Folgen hatte wohl niemand nachgedacht (Mülltourismus)

  • M.S. am 28.11.2017 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falscher Fokus

    Der gesamte erzeugte Abfall pro Kopf pro Jahr zusammen mit dem gesamten Wasserverbrauch pro Kopf pro Jahr machen nur gerade 2,5 % der Gesamtmenge an Umweltbelastungspunkten aus. Die Ernährung (30%) sowie die Mobilität (20%) fallen viel stärker ins Gewicht. Wenn ihr also wirklich was bewirken wollt: - konsumiert weniger (hohes BIP = hohe Umweltbelastung) - verringert euren Fleischkonsum bzw. esst von lokalen Betrieben - kauft lokal ein

  • Erika S. am 28.11.2017 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Einfaches Konzept

    1. Aus der OECD austreten, dieser Verrein arbeitet gegen die Schweiz. Das müssen wir nicht mitfinanzieren. 2. Wieder Inländervorrang einführen und allfällige Verträge künden, die das nicht zulassen. Wir brauchen nicht noch mehr Leute in unserem Land und schon gar nicht solche 3. Alle Wirtschaftsflüchtlinge konsequent nach Hause schicken. Und auch alle die in ihre Heimatländer in den Urlaub fahren. 4. Biologischen Anbau und Marerialen fördern, bzw. alles andere mit Gebühren versehen (inkl. Verpackung). Dito für Waren, die weiter als 200km transportiert wird.