Kenia

07. November 2017 21:10; Akt: 07.11.2017 21:10 Print

«Schwule Männer machen Löwen homosexuell»

von F. Riebeling - Das Foto von kopulierenden Löwen-Männchen verzückt nicht alle: Ein kenianischer Beamter möchte die vermeintlichen Sittenstrolche gar verbannen.

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Aufnahmen von zwei männlichen Löwen, die im Masai Mara Naturreservat miteinander Sex haben, begeisterte viele Menschen. Denn gleichgeschlechtliches Treiben unter den Raubkatzen konnte bislang meist nur in Gefangenschaft beobachtet werden. Doch nicht jeder teilt die Begeisterung: Ezekiel Mutua vom Kenya Film Classification Board, das unter anderem für die Altersfreigabe von Filmen verantwortlich ist und «ungeeignete Inhalte» aus TV und Kinosälen verbannt. Der «leidenschaftliche Kreuzritter der Moral» hatte die Fotos in den Medien ... ... entdeckt und seinem Entsetzen auf Twitter Luft gemacht. In einem ersten Tweet bezeichnete er das Liebesspiel der Löwen-Männchen als «bizarr» und forderte Wissenschaftler auf, diesem Treiben nachzugehen. Schliesslich diene Sex – wie beim Menschen auch – einzig der Fortpflanzung. Denn «wenn unsere Löwen mit diesem sexuellen Verhalten beginnen, dann ist das sicher das Ende dieser Tierart», begründet er in einem zweiten Tweet. Weiter fordert der homophobe Beamte, «die verrückten schwulen Tiere» zu isolieren, zu untersuchen und zur Therapie zu schicken. Für seine homophoben Äusserungen hagelte es in den sozialen Medien Kritik. Auch dass Forscher seiner Aufforderung nachkommen werden, ist zweifelhaft. Schliesslich ... ... ist gleichgeschlechtliches Verhalten bei Tieren nahezu allgegenwärtig. Schwedische Forscher meinen, die Ursache gefunden zu haben. (Im Bild: männliche und weibliche Samenkäfer bei der Paarung) In ihrer 2016-Studie zeigten sie, dass bei Käfern die Schwestern und Tanten indirekt von der Liebe unter Männern profitieren: Sie pflanzten sich in deren Anwesenheit stärker fort, als wenn sie bloss von heterosexuellen Männchen umgeben waren. Zwar bezieht sich die schwedische Studie nur auf Callosobruchus-Käfer, die Forscher glauben aber, dass die Ergebnisse verallgemeinerbar sein könnten. So könnten sie auch für dieses schwule im deutschen Tierpark Nordhorn gelten. Auch bei den ist Homosexualität weit verbreitet. In freier Wildbahn gehören sowohl schwule als auch lesbische Tiere beinahe schon zur Tagesordnung. Ähnliches berichten Forscher von den . Bei ihnen sind etwa fünf Prozent der Tiere homosexuell. (Im Bild: männliche Stockenten beim Liebesspiel) Auch dass mitunter auf ihre Geschlechtsgenossen stehen, ist schon länger bekannt. Nicht selten übernehmen die Liebenden gemeinsam die Führung des Rudels, was sich positiv auf das Überleben der Gruppe auswirkt. Denn zwei starke Tiere an der Spitze sind besser als eines. (Im Bild: zwei Löwen in Botswana, fotografiert von Nicole Cambré) Bei 500 Tierarten haben Forscher Formen gleichgeschlechtlicher Sexualität dokumentiert. Einer davon war Aristoteles. Vor rund 2300 Jahren hielt der Philosoph fest, dass in einer Gruppe in Afrika Männchen mit Männchen und Weibchen mit Weibchen verkehrten - «eine von vielen anderen Abscheulichkeiten dieses ekelhaften Tiers». Wenn sich männliche mehr als nur ein bisschen liebhaben, binden sie das Atemloch auf dem Rücken ins Liebesspiel ein. Dieses wird dann mit dem Penis penetriert. Auch die sind in Liebesdingen ziemlich aufgestellt. Sind die Weibchen unter sich, reiben sie gerne ihre Geschlechtsteile aneinander und bringen sich so mitunter sogar zum sexuellen Höhepunkt. Doch damit nicht genug: Deutlich seltener zwar, aber dennoch regelmässig, verwöhnen sich die Bonobos auch mit Küssen, Fellatio oder eben Genitalmassagen. Etwas weniger spektakulär fällt die Angelegenheit bei aus. Männchen mit einer Mutation im Gen fühlen sich aufgrund veränderter Signalübertragungen im Hirn von ihren männlichen Artgenossen angezogen – und machen diesen den Hof. Auch stehen zu ihren Gefühlen für das eigene Geschlecht. So besteigen sich die Weibchen auch gegenseitig, wobei sie «lustvoll rülpsende Laute von sich geben», wie Forscher notierten. Auch kennen Homosexualität. Doch bei ihnen hat die Neigung weniger mit Genetik zu tun als mit der Unfähigkeit, Männchen und Weibchen unterscheiden zu können. Sie umklammern einfach mal alle Artgenossen. Doch sobald sich die Männchen durch ihr Quaken outen, lassen die männlichen Begatter von ihnen ab. Dass auch schwul sein können, weiss man im Bremerhavener Zoo ganz genau. Dort standen zeitweilig sechs der 20 Humboldt-Pinguine auf gleichgeschlechtliche Partner. In Ermangelung echter Eier brüteten sie sogar auf Steinattrappen.

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Homosexuelle Tiere sind an und für sich nichts Besonderes. Sie werden immer wieder gesichtet. Trotzdem verbreiten sich die Aufnahmen von zwei sich zärtlich liebenden Löwen derzeit wie ein Lauffeuer im Netz.

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Verantwortlich für das grosse Echo ist nicht etwa der Naturfotograf Paul Goldstein, der die Bilder gemacht hat, sondern Ezekiel Mutua, CEO des Kenya Film Classification Board (KFCB), das unter anderem für die Altersfreigabe von Filmen verantwortlich ist und entscheidet, welche Inhalte im TV gezeigt werden dürfen.

«Homosexualität ist das Ende der Tierart»

Der «leidenschaftliche Kreuzritter der Moral», wie Mutua aufgrund seiner Ablehnung der LGBT-Community von verschiedenen Medien genannt wird, hatte die Fotos in den Medien entdeckt und seinem Entsetzen daraufhin auf Twitter Luft gemacht.

In einem ersten Tweet bezeichnete er das Liebesspiel der Löwen-Männchen als «bizarr» und forderte Wissenschaftler auf, diesem Treiben nachzugehen. Schliesslich diene Sex – wie beim Menschen auch – einzig der Fortpflanzung. Denn «wenn unsere Löwen mit diesem sexuellen Verhalten beginnen, dann ist das sicher das Ende dieser Tierart», begründet er in einem weiteren Tweet.

Schlechte Vorbilder

Im Gespräch mit «Nairobi News» legte Mutua nach: Seiner Meinung nach brauchen die Tiere dringend eine Therapie. Denn Schuld seien möglicherweise Schwule, die sich im Naturreservat «schlecht benommen haben» und vor den Augen der Tiere Sex gehabt hätten. Die Löwen «müssen sich das irgendwo abgeguckt haben. Oder sie sind des Teufels», so Mutua weiter. Schliesslich guckten diese Tiere keine Filme.

Damit die liebenden Löwen keine Nachahmer finden, empfiehlt der homophobe Beamte, die «verrückten, schwulen Tiere» zu isolieren und eingehend zu untersuchen.


Ezekiel Mutua meint seine Aussagen ernst. (Video: Youtube/Nairobi News)

Schwule Tiere sind wichtig

Dass Forscher dieser Aufforderung nachkommen werden, ist zweifelhaft. Schliesslich ist Homosexualität im Tierreich keine Seltenheit (siehe Bildstrecke) und scheint zudem noch einen Zweck zu erfüllen, wie Forscher der schwedischen Universität Uppsala 2016 im Fachjournal «BMC Evolutionary Biology» berichteten.

Das Team um David Berger zeigte in der Studie, dass bei Käfern der Gattung Callosobruchus die Schwestern und Tanten indirekt von der Liebe unter Männern profitieren: Sie pflanzten sich in deren Anwesenheit stärker fort, als wenn sie bloss von heterosexuellen Männchen umgeben waren.

Laut den Wissenschaftlern könnte Homosexualität deshalb von der Evolution nie ausgesiebt worden sein, weil sie untrennbar mit Vorteilen verknüpft ist. Zwar bezog sich die Studie nur auf Callosobruchus-Käfer, doch Berger und seine Kollegen glauben, dass die Ergebnisse verallgemeinerbar sein könnten.


Gleichgeschlechtliches Verhalten bei Löwen ist bislang meist in Gefangenschaft beobachtet worden – so wie bei diesen drei im Zoo Wuppertal. (Video: Wikimedia Commons/Frank Vincentz/GDFL)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pasci am 08.11.2017 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich!

    Delphine, Elefanten, Hirsche, Wölfe...alle haben zu viel Gay porn gesehen? Denn unter ihnen gibt es auch homosexuelle Verhaltensweisen. Die Natur ist nicht christlich-konservativ geprägt, sie macht was sie will.

  • seven am 08.11.2017 01:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja klar

    so ein Quatsch! Sex dient nicht gezielt der Fortpflanzung. Sex ist neben Kinder kriegen, auch etwas schönes und man kann sich eine gute Lebensbalance verschaffen.

  • Ashwin am 07.11.2017 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ich krieg mich nicht mehr ein:-))))

    "...und forderte Wissenschaftler auf diesem Treiben nachzugehen." Made my day!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mimi20 am 08.11.2017 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Forschung hilft

    Der gute Mann sollte sich mal richtig informieren. Gutes Beispiel sind die Bornobo-Affen informieren. Die haben anstelle Streit einfach Sexuelle Aktivitäten. Da ist nicht nur für die Fortpflanzung gedacht sondern zum allgemeinen Stressabbau und zur Konfliktbewältigung. Die Weibchen untereinander haben wohl im weitesten Sinn eine Art Petting. Die Männchen untereinander haben Fecht-Kämpfe mit den ihren besten Stücken. Oder die Delfine, die andauernd Sex haben, gleichgeschlechtlich, oder auch mit toten Fischen und Schildkröten.

  • Stefan am 08.11.2017 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Geil

    Tja, wenn zwei Männer Spaß haben können, wieso nicht zwei Löwen. Hauptsache geil!!!

  • Freddy mit den Händen am 08.11.2017 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    keine Selbstbefriedigung

    ich bin froh, dass ich keine messerscharfen Krallen an den Händen habe.

  • Simi am 08.11.2017 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kenia down the drain

    Darum geht's mit Kenia nicht vorwärts. In den Beamtenstuben gibt sich die Inkompetenz gegenseitig die Klinke in die Hand. Dass man solch einem "Prachtexemplar" auch noch so viel Aufmerksamkeit gibt, sagt ja schon alles.

  • Open your mind am 08.11.2017 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht übersetzt

    Entweder sind die Englisch-Kenntnisse schlecht oder es wurde extra "parteiisch" übersetzt. The MAIN purpose ist nicht dasselbe wie einzig dazu ...