Schaumweine

31. Dezember 2016 08:48; Akt: 18.01.2017 16:56 Print

Prosecco hat wenig mit Champagner zu tun

Der eine stammt aus Italien, der andere aus Frankreich. Doch es gibt noch mehr Unterschiede zwischen Champagner und Prosecco. Und dann ist da noch der Cava.

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Champagner, Prosecco, Cava und Konsorten: Schaumweine gibt es in vielen Varianten. Im Glas sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich, doch es gibt einige entscheidende Unterschiede. Offensichtliche Unterschiede bestehen bei der Herkunft, was sich zum Teil in der Bezeichnung widerspiegelt. So darf in Europa seit 1980 nur noch als Champagner bezeichnet werden, was nach festen Regeln im Weinbaugebiet Champagne im Nordosten Frankreichs angebaut und gekeltert wurde. Seit 2010 dürfen mit Prosecco ausschliesslich Schaumweine (ital. «spumante») bezeichnet werden, die in den italienischen Provinzen Venetien (Veneto) und Friaul-Julisch Venetien (Friuli Venezia Giulia) produziert wurden. Auch der spanische Cava ist geschützt. Nur 159 Gemeinden dürfen ihn produzieren, die meisten davon in Katalonien. Wie bei Champagner und Prosecco ist auch beim Cava klar reglementiert, welche Traubensorten verwendet werden dürfen. Hochwertige Schaumweine werden natürlich auch ausserhalb dieser Regionen hergestellt. So gibt es durchaus leckeren Spumante, der kein Prosecco ist. Der berühmteste ist sicher Asti Spumante aus dem Piemont. Berühmt ist auch der Franciacorta aus der Lombardei. Ebenfalls gibt es in Frankreich hervorragende Schaumweine (franz. «vins mousseux»), die nicht aus der Champagne stammen. Auch bei uns beliebt sind etwa der Crémant d'Alsace oder die Clairette de Die aus dem mittleren Teil des Weinbaugebiets Rhône (Bild). Andere Crémants kommen aus dem Loire-Tal, dem Burgund oder aus Bordeaux. Sekt bezeichnet Schaumweine aus Deutschland und Österreich. Von deutschem Sekt darf nur gesprochen werden, wenn alle verwendeten Trauben aus Deutschland stammen. Für Winzersekt müssen alle verwendeten Trauben aus dem jeweiligen Weinbaubetrieb kommen. Schliesslich wird auch in der Schweiz Schaumwein hergestellt. Am bekanntesten sind die Erzeugnisse des Hauses Mauler im Val de Travers im Neuenburger Jura. Schaumweine gibt es aber auch aus anderen Teilen der Romandie, aus der Deutschschweiz und dem Tessin. Neben der Herkunft liegt in der Herstellung der grösste Unterschied zwischen Champagner und Prosecco. Der offenbart sich in der Art der zweiten Gärung. Bei beiden wird zuerst aus Traubenmost durch alkoholische Gärung ein Grundwein hergestellt. Beim Prosecco geschieht die für die Bläschenbildung wichtige zweite Gärung dann fast immer in grossen Stahltanks. Durch die Tankgärung entwickeln sich die Bläschen innert kurzer Zeit. Erst danach wird der Prosecco in Flaschen gefüllt. Beim Champagner geschieht die zweite Gärung ausschliesslich in der Flasche. Sie dauert etwa drei Wochen. Danach werden die zu diesem Zeitpunkt mit einem Kronkorken verschlossenen Flaschen mindestens 15 Monate, meist aber wesentlich länger gelagert. In dieser Zeit sorgt die sich zersetzende Hefe für eine feine Lösung der Kohlensäure im Wein. Dadurch erhält der Champagner seine Perlage, die deutlich feiner ist als beim Prosecco und sich später länger im Glas hält. Da in den Bläschen besonders viele Aromastoffe gelöst sind, hat die Perlage einen wichtigen Einfluss auf den Charakter eines Schaumweins. Prosecco schmeckt frisch und fruchtig, während Champagner eher ein blumig-fruchtiges Bouquet, oft mit Vanille- oder Brioche-Noten, hat. Seinen charakteristischen Zapfen erhält der Champagner übrigens erst am Ende seiner Reifezeit, nachdem die Hefe aus der Flasche entfernt worden ist. Auch beim Cava muss die zweite Gärung in der Flasche erfolgen, weshalb der spanische Schaumwein vom Wesen her näher beim Champagner liegt als der Prosecco. Früher bezeichneten die Spanier ihren Schaumwein gar als Xampàn, was heute aufgrund des Markenschutzes nicht mehr möglich ist. Nach der Méthode champenoise, die nur beim Champagner so heissen darf, werden auch die deutschen Winzersekte und die guten Schweizer Schaumweine hergestellt. Bei den Crémants wird ebenfalls auf die Flaschengärung gesetzt, die dann Méthode traditionnelle genannt wird. Doch was hat es mit den einzelnen Geschmacksrichtungen wie brut oder secco auf sich? Sie bezeichnen den Restzucker-Gehalt bei Schaumweinen. Obige Begriffe werden für Champagner verwendet. Champagner-Flaschen haben fast ausnahmslos eine Wölbung im Flaschenboden. Der Grund: Der Druck in der Flasche kann auf bis zu acht Bar ansteigen, mehr als in einem Lastwagenpneu. Da der Zapfen verdrahtet ist und somit nicht nachgeben kann, ist der Flaschenboden der Schwachpunkt der Flasche. Deshalb die Wölbung. Sie leitet den Druck an die Flaschenwand. Es gibt wie gesagt Ausnahmen. Die berühmteste ist die Flasche des Edel-Champagners Louis Roederer Cristal. Sie verfügt über einen ebenen Flaschenboden, der dafür massiv dicker ist. Gefährlicher Verschluss: Bei 4° kann ein Champagnerkorken bis zu 38 km/h schnell werden, bei 18° sogar bis zu 60 km/h. Allerdings werden 95 Prozent der in der Flasche vorhandenen Energie nicht in Bewegung umgesetzt, sondern verpuffen im lauten Peng-Geräusch beim Öffnen der Flasche, wie Forscher der Université de Reims Champagne-Ardenne festgestellt haben. Die Gläserfrage: Traditionell wird Schaumwein in einem schmalen Flötenglas oder einer flachen Sektschale (Bild) serviert. Beide haben aber Nachteile: In der Flöte kann sich das Bouquet nicht entfalten, in der Schale verflüchtigen sich die Bläschen zu schnell. In letzter Zeit wird Champagner in Kennerkreisen deshalb in einem Chardonnay-Glas, also einem Weissweinglas, serviert. Es ist leicht bauchig mit genug Öffnung, um die Nase darin zu versenken. So lässt sich der teure Tropfen mit allen Sinnen geniessen. Auch in der Schweiz gab es früher einen Vin de Champagne. Der Weisswein stammte aus dem gleichnamigen Waadtländer Dorf. Als Resultat der bilateralen Verträge mit der EU darf dieser heute nicht mehr so genannt werden. In der Schweiz heisst der Wein deshalb C-ampagne und in der EU Bonvillars oder Libre-Champ.

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Während früher meist Champagner das Getränk der Wahl für spezielle Anlässe war, darf es heute auch ein Prosecco oder ein Cava sein. Mit allen kann man die Korken knallen lassen und alle sprudeln schön. Doch es gibt auch einige wichtige Unterschiede zwischen den einzelnen Schaumweinarten.

Mehr dazu finden Sie in der Bildstrecke.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Töff am 31.12.2016 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gönnung

    Ich gönne mir bei speziellen Anlässen auch gerne mal ein 0.5l Denner Lager für -.50

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  • Roman K. am 31.12.2016 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Geschmackssache

    Ist doch einfach Geschmackssache. Ich ziehe zum Beispiel einen süssen Prosecco einem teuren Champagner vor. Jedem das seine - Leben und leben lassen :-)

  • Singular am 31.12.2016 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Gleich noch Rotwein vergleichen

    Wieso nicht gleich noch Rotwein vergleichen? Das wäre genau so sinnvoll. Das ein Prosecco nichts mit einem Champagner zu tun hat, der aus der Champagne kommt, ist wohl jedem klar. Leider fehlen essentielle Infos welche die Unterschiede ausmachen, gerade zwischen dem Cava und dem Champagner. Aber um hier wirklich Fakten zu bringen, fehlt mir leider der Platz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Altobelli am 01.01.2017 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cartizze ...Franciacorta

    Ich liebe Franciacorta...oder Prosecco Cartizze DOCG Die zweite Gärung geschiet auch in der Flasche...

  • Willy R am 01.01.2017 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine wichtige Größe vergessen

    Wieso wird hier der Cremant einfach totgeschwiegen? Wird gemacht wie Champagner und schmeckt wie Champagner. Kostet aber viel weniger, weil er nicht aus der Champagne kommt.

  • Mark am 01.01.2017 05:42 Report Diesen Beitrag melden

    Am besten ist der Blanc Foussy!

    Ich ziehe Blanc Foussy aus Chardonnay-Trauben aus dem Loiretal jedem Champagner, Prosecco und Cava vor. Kommt dazu, dass der nur etwa die Hälfte eines Champagners kostet. Eine absolute Empfehlung!

  • simon am 31.12.2016 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das sein

    Eine Flasche Krim Sekt Heute Abend gönne ich mir.

  • Terry F am 31.12.2016 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Lustige Eidgenossen

    Das ganze Jahr durch, immer gerne viel Geld ausgeben fuer Alkohol und Rivella-Kultur & teure Marken-Artikeln um auf den Trottoirs zu protzen und sich bloed anglotzen. Dafuer aber in miesen Wohnsilos hausen. Triste Existenz.

    • Laura Stern :-) am 01.01.2017 21:38 Report Diesen Beitrag melden

      @TerryF

      Offensichtlich gefällt's Ihnen hier, sonst würden Sie sich vermutlich nicht so gut auskennen. Ich tippe mal auf "Fachkraft" aus der rückständigen Entwicklungsorganisation EU...

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