Nasa-Rover im Vergleich

06. August 2012 22:18; Akt: 07.08.2012 11:34 Print

Zwei ungleiche Cousins

von J.-C. Gerber - Die gelungene Landung des Mars-Rovers «Curiosity» lässt Erinnerungen an den «Moon Buggy» aufkommen. Doch die beiden Raumfahrzeuge haben kaum etwas gemeinsam.

Das «Lunar Roving Vehicle» der Apollo-16-Mission in Aktion. (Video: YouTube/britoca)
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Die Bilder der amerikanischen Astronauten, die im Rahmen des Apollo-Programms mit ihrem «Moon Buggy» auf dem Mond herumkurvten, gingen 1971 und 1972 um die Welt. Sie gehören noch heute zu den bleibenden Eindrücken der US-Mondlandungen vor vier Jahrzehnten. Im Zuge der weltweit mit grossem Interesse verfolgten Ankunft des Mars-Rovers «Curiosity» auf dem Roten Planeten dürfte sich manch einer an die alten Aufnahmen der Mondfahrzeuge erinnert haben. Doch obwohl beide Fahrzeugtypen von der US-Raumfahrtbehörde Nasa für die Fortbewegung auf einem fremden Himmelskörper entwickelt wurden, sind sie nicht vergleichbar.

Die Mond-Buggys und der Mars-Rover «Curiosity» sind für grundverschiedene Bedürfnisse entworfen worden. Die drei «Lunar Roving Vehicles» (LRV), wie die Mond-Buggys offiziell hiessen, dienten dazu, den Aktionsradius der Astronauten auf der Mondoberfläche zu erweitern, ähnlich einem Auto auf der Erde. Die einfachen Fahrzeuge wurden von den Astronauten direkt gesteuert. «Curiosity» ist hingegen ein ungleich komplexeres robotisches Vehikel, das als Träger für eine Vielzahl von Instrumenten für wissenschaftliche Experimente dient. Es bewegt sich semiautonom und kommt mit einem Minimum an Befehlen von der Erde aus.

120 vs. 2,5 Milliarden Dollar

Die Missionen sind zeitlich und vom Einsatzzweck her so weit von einander entfernt, dass kaum gesagt werden kann, welche die grössere technische Leistung darstellt. Die LRVs waren ein kleiner Teil des Apollo-Programms, das in den 1960er und 1970er Jahren zeitweise 400 000 Menschen beschäftigte und 25 Milliarden Dollar kostete, was etwa 120 Milliarden heutigen Dollar entspricht. Sie kamen auf den drei letzten Apollo-Missionen 15, 16 und 17 jeweils an drei Tagen zum Einsatz. Die Astronauten legten mit ihnen zwischen 27 und 35 Kilometer zurück. Die Instrumente an Bord dienten einzig der Navigation und der Kommunikation. Energie lieferten zwei Silberoxid-Zink-Batterien.

Das «Mars Science Laboratory» (MSL) mit dem Rover «Curiosity» ist ein Teil des Mars-Explorations-Programms der Nasa, das die langfristige robotische Erkundung des Roten Planeten zum Ziel hat. Die gesamte MSL-Mission inkl. Raumflug hat nach offiziellen Angaben 2,5 Milliarden Dollar gekostet. Die Dauer der Primärmission auf der Marsoberfläche ist auf zwei Jahre veranschlagt. Während dieser Zeit soll «Curiosity» mindestens 19 Kilometer zurücklegen. An Bord trägt der Rover eine Vielzahl hochkomplexer Instrumente für wissenschaftliche Experimente. So kann zum Beispiel der 38 Kilo schwere SAM-Komplex (Sample Analysis at Mars) sowohl Bodenproben als auch Gas aus der Atmosphäre autonom daraufhin untersuchen, ob der Mars als Lebensraum geeignet war und ist (siehe Infografik). Der Strom kommt von einer Radionuklidbatterie, also einer nuklearen Energiequelle.

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Premiere für «Curiosity»

Auch bei der Reise und Landung der beiden Rover-Typen gibt es deutliche Unterschiede. Die Mond-Buggys wurden an Bord der Mondlandefähre innert drei Tagen an ihren Bestimmungsort transportiert. Das Landemodul war 1971, als es zum ersten Mal ein LRV mitnahm, bereits ein bewährtes System. Es war zuvor bereits drei Mal erfolgreich für die Mondlandung eingesetzt worden. Die 210 Kilo leichten Fahrzeuge trugen nur einen Bruchteil zum Gesamtgewicht der knapp 15 Tonnen schweren Landefähre bei.

Die Landung des «Mars Science Laboratory» war dagegen eine Premiere. Der 900 Kilo schwere Rover «Curiosity» machte fast einen Viertel des Gesamtgewichts des Raumschiffs aus. Seine Masse erforderte ein komplett neues Landeverfahren, das zuvor noch nie unter realen Bedingungen getestet worden war. Beim Eintritt in die Marsatmosphäre wurde die Kapsel mit dem Rover vom grössten je gebauten und mit Messtechnik vollgepackten Hitzeschild geschützt und von einem Fallschirm auf Unterschallgeschwindigkeit abgebremst. Und während bisherige Mars-Rover von Airbags geschützt auf die Oberfläche fielen, war das bei «Curiosity» aufgrund seines Gewichts nicht möglich. Stattdessen wurde der Rover von der Abstiegsstufe an Nylonseilen auf den Mars abgesenkt (siehe Video).

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Die Mission des MSL in 5:29 Minuten. (Video: NASA-TV)

Das ganze Landemanöver musste nach achteinhalb Monaten Anreise vollautomatisch ablaufen, da die grosse Entfernung zum Mars keine Steuerung in Echtzeit von der Erde aus erlaubt. Die Apollo-Piloten waren hier im Vorteil. Sie konnten bei der Mondlandung manuell Kurskorrekturen vornehmen, wie dies zum Beispiel Neil Armstrong bei der Landung von Apollo 11 tat.

Angesichts des kompletten Neulandes, das die Nasa mit der neusten Marslandung betrat, und der Tatsache, dass in der Vergangenheit jede zweite Marsmission fehlschlug, ist die grenzenlose Freude im Kontrollzentrum in Kaliforniern nach der gelungenen Landung nachvollziehbar. Die Jubelszenen standen jenen nach der ersten Mondlandung 1969 in nichts nach. Und auch wenn die technischen Möglichkeiten vor vier Jahrzehnten nicht mit denen von heute zu vergleichen sind, darf die Leistung aller Beteiligten am «Mars Science Laboratory» durchaus mit der des ungleich grösseren Apollo-Teams verglichen werden.


Angespannten Minuten im Kontrollzentrum in Kalifornien und grenzenloser Jubel nach der gelungenen Ankunft auf dem Mars. (Quelle: YouTube/NASA-TV)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Johnny W. am 07.08.2012 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mal guter Artikel

    Endlich mal ein toller Artikel zu einem wissenschaftlichen Thema. Danke.

  • marco Lütolf am 07.08.2012 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nasa Projekt

    Absolut genial zusammengefast, hoffe auf mehr infos!

  • Nils Armstrong am 07.08.2012 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top-Artikel

    Aha, jetzt weiss ich das auch! Ein toller Artikel.

Die neusten Leser-Kommentare

  • S.w. am 07.08.2012 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen auf dem Mars

    Ich will den ersten Menschen sehen der den Mars betritt! Ansonsten beeindruckt mich das wenig.

  • Johnny W. am 07.08.2012 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich mal guter Artikel

    Endlich mal ein toller Artikel zu einem wissenschaftlichen Thema. Danke.

  • marco Lütolf am 07.08.2012 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nasa Projekt

    Absolut genial zusammengefast, hoffe auf mehr infos!

  • Hanspi am 07.08.2012 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Gehirnschmalz

    Das Mondmobil ist aus heutiger Sicht ohne Zweifel die grössere konstruktive Gehirnleistung. Ende der 1960er-Jahre war noch nix von CAD- und Simulations-Arbeitsplätzen - Alles Bleistift und Rechenschieber.

  • Nils Armstrong am 07.08.2012 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top-Artikel

    Aha, jetzt weiss ich das auch! Ein toller Artikel.