Terror-Tweets

18. November 2015 10:44; Akt: 18.11.2015 11:51 Print

Wo die meisten IS-Fans wohnen

Jeder dritte Tweet über den IS aus Belgien unterstützt das Terrornetzwerk. Das zeigt eine Analyse arabischer Nachrichten auf Twitter.

storybild

Italienische Forscher haben zwischen Juli und Oktober 2014 zwei Millionen arabische Nachrichten auf Twitter untersucht. (Grafik: 20 Minuten)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Extremistengruppe IS nutzt soziale Medien wie Twitter und Facebook zu Propagandazwecken und um Kämpfer zu rekrutieren. Auffällig viele Sympathisanten leben offenbar in Belgien. Das haben italienische Forscher laut der britischen Zeitung «The Guardian» herausgefunden.

Im westeuropäischen Land ist jeder dritte arabische Twitter-Kommentar über den IS positiv. Mit 31 Prozent Pro-IS-Tweets landet Belgien damit hinter Katar (48 Prozent) und Pakistan (35 Prozent) auf Platz drei der Rangliste.

Nach Indonesien (26 Prozent) liegt Grossbritannien (24 Prozent) auf Rang fünf. Das bedeutet, dass jede vierte Nachricht in Diskussionen über den IS die Terrorgruppe unterstützt.

Türkische Fans stören Schweigeminute

In der Türkei ist ein Fünftel der Nachrichten pro IS. Die Stimmung ist wegen der Konflikte zwischen Nationalisten und Kurden aufgeheizt. Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag Ende Juli in Suruc gab die türkische Regierung bekannt, sich am Kampf gegen den IS zu beteiligen. Danach wurde kritisiert, dass die Türkei häufiger die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK angriff als den IS.

Während des Freundschaftsspiels in Istanbul gegen Griechenland kam es am Dienstagabend zu einem Zwischenfall. Zuschauer störten die Schweigeminute für die Opfer der Anschläge von Paris, indem sie pfiffen und nationalistische Parolen riefen.


Laut den Forschern sympathisieren vor allem arabische Länder, die nicht vom IS-Terror betroffen sind, mit der Organisation. In Syrien sind nur 7,6 Prozent der IS-Kommentare positiv.

Rekrutierung von IS-Kämpfern

Die Forscher des Projektes «Voices from the Blogs», die mit der Universität von Mailand zusammenarbeiten, haben zwischen Juli und Oktober 2014 zwei Millionen arabischsprachige Twitterkommentare aus Diskussionen über den IS untersucht.

Inhaltlich gehe es in einem Drittel der Kommentare darum, dass der IS islamische Länder gegen deren Feinden verteidige, schreiben die Social-Media-Experten. Rund 26 Prozent der Nachrichten betreffen die Suche nach neuen Kämpfern und die Unterstützung der IS-Truppen. Weitere Tweets behandeln die Bildung eines Staates und Kritik an der westlichen Welt.

Die Mehrheit der Twitter-Nutzer ist dem IS gegenüber jedoch negativ eingestellt und verurteilt, dass die terroristische Organisation den Islam für seine eigenen Interessen missbrauche und Gewalt verbreite.

(ij)