Gefahr aus dem Netz

29. April 2013 20:46; Akt: 29.04.2013 20:46 Print

Amerika braucht neue Cyber-Krieger

Fernab von den Schlachtfeldern dieser Welt kämpfen die USA einen unsichtbaren Krieg. Es ist der Kampf gegen Hacker, die es auf die Netzwerke der Supermacht abgesehen haben. Jetzt rüstet das Militär auf.

Werbevideo des Cyber-Kommandos der US-Marine. (Quelle: YouTube/usnavy)
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Seit mehr als einem Jahrzehnt werden an den amerikanischen Militärakademien des Heeres, der Marine und Luftwaffe Kurse zur Kriegsführung im Internet angeboten. Doch in den vergangenen Monaten ist dieses Angebot noch einmal massiv ausgeweitet worden - angesichts der immer deutlicheren Warnzeichen, dass feindliche Nationen oder Organisationen in der Lage sein könnten, zentrale Computersysteme der USA lahmzulegen.

Der Nationale Geheimdienstdirektor James Clapper nannte Cyber-Angriffe die grösste Gefahr für die Sicherheit der USA, als er in diesem Monat den jährlichen Bericht zur weltweiten Bedrohungslage vor dem Kongress präsentierte. «Die Bedrohungen sind vielfältiger, vernetzter und viraler als zu jedem anderen Zeitpunkt der Geschichte», resümierte er. «Die Zerstörung kann unsichtbar, schlummernd und fortschreitend sein.»

China dementiert

In den vergangenen Jahren führte die Spur von Hackerangriffen immer wieder nach China. In einem Bericht der Internet-Sicherheitsfirma Mandiat aus diesem Jahr wurde eine bislang geheime chinesische Militäreinheit für diese Attacken verantwortlich gemacht.

Die «New York Times», das «Wall Street Journal» und die «Washington Post» sehen ebenfalls chinesische Hacker als Urheber für die jüngsten Angriffe auf ihre Systeme. Wer in der vergangenen Woche für das Hacken des Twitter-Accounts der Nachrichtenagentur Associated Press verantwortlich war, ist noch unklar. Von chinesischer Seite werden diese Vorwürfe komplett zurückgewiesen.

«An vorderster Front»

Lange vorbei sind die Zeiten, in denen das Internet als obskures und verschrobenes Betätigungsfeld galt. Heute zählt es unter anderem zu den brennendsten Schauplätzen der Kriegsführung - und gilt damit gerade beim Militär als ein aussichtsreiches Berufsfeld für die Zukunft.

Die Marine-Akademie in Annapolis im Staat Maryland hat im vergangenen Jahr erstmals einen Kurs in Internetsicherheit angeboten. «Das Interesse war riesig, viel grösser als wir erwartet hatten», sagt Vizeadmiral Michael Miller. Insgesamt haben sich mittlerweile rund zehn Prozent der Auszubildenden dort auf ein Fachgebiet mit Schwerpunkt Computer und Internet spezialisiert.

Bereits seit 2004 bietet die Luftwaffen-Akademie einen Abschluss in Computer-Wissenschaft/Cyber-Kriegsführung an. «Alle Teilnehmer wissen, dass sie in vorderster Front kämpfen werden, um die Nation im Internet zu verteidigen», sagt Martin Carlisle, einer der Professoren an der Akademie. Dieses Jahr streben rund 25 Kadetten ihren Abschluss in Cyber-Kriegsführung an. Viele von ihnen werden sich danach weiter auf diesem Fachgebiet spezialisieren.

An der Militär-Akademie in West Point im Staat New York absolviert nahezu jeder Kadett mindestens zwei Technikkurse, die mit Computersicherheit zu tun haben. Das Kursangebot ist gross, schliesslich gilt es als grösste Herausforderung, mit den rasanten Veränderungen auf diesem Gebiet Schritt zu halten. «Amerikanische Geschichte ist quasi jedes Jahr das Gleiche», sagt Oberstleutnant David Raymond, der Kurse in Internetsicherheit gibt. «Aber auf diesem Gebiet, ist es wirklich hart, auf dem aktuellen Stand zu bleiben.»

Offensive und defensive Aktionen

In seinem Bericht an den Kongress kommt Geheimdienstdirektor Clapper zu dem Schluss, dass ein umfassender Cyber-Angriff von Russland, China oder einem anderen Land mit hochentwickelten Fähigkeiten auf diesem Gebiet unwahrscheinlich ist, wenn es nicht gerade einen militärischen Konflikt gibt.

Andere Staaten könnten jedoch mit zielgerichteten Aktionen versuchen, die USA zu provozieren oder Vergeltung zu üben. Einen ähnlichen Fall hat es möglicherweise im März in Südkorea gegeben. Damals machte das Land Nordkorea für eine Cyber-Attacke verantwortlich, mit der Tausende Computer in Banken und Fernsehsendern lahmgelegt wurden.

General Keith Alexander, Leiter des US-Cyber-Kommandos, erklärte im März vor dem Kongress, seine Abteilung schaffe Teams, die in der Lage seien, sowohl offensive wie defensive Aktionen auszuführen. Dazu werden Offiziere von den verschiedenen Akademien und Trainingsprogrammen angeworben.

Vergangene Woche absolvierten Teams - unter anderem aus den Akademien von Heer, Luftwaffe und Marine - eine Übung, bei der es darum ging, ein simuliertes Computer-Netzwerk gegen Angriffe zu verteidigen. Als Sieger ging unter anderem die Luftwaffe hervor.

Leutnant Jordan Keefer gehört zu den Siegern. Die Übung habe ihm die wertvolle Erfahrung vermittelt, wie es sei, ein Netzwerk zu verteidigen oder es anzugreifen. Keefer bereitet sich gerade auf seinen Master in Cyberoperations am Institut für Technologie der Luftwaffe vor. Dafür hat er seinen einstigen Traum von einer Karriere als Kampfpilot aufgegeben. Von seinem neuen Aufgabengebiet schwärmt er: «Das ist eine Herausforderung, und für Menschen, die Herausforderungen mögen, ist es der Ort schlechthin.»

(jcg/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oertle Christian am 01.05.2013 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr Komplex

    Ich glaube nicht, dass man einfache Soldaten mittels eines Kurses zu einem Hacker ausbilden kann. Die Arbeit die von einem Hacker verrichtet wird ist so komplex und kompliziert, dass man im minimum Einen Abschluss als Applikationsentwickler braucht um den Anweisungen überhaupt folgen zu können

  • Mike Vontobel am 30.04.2013 01:06 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Computersicherheit!

    Die USA und Verteidigung? Wer's glaubt! Man muss sich nur den Rest der Full Spectrum Dominance der USA ansehen. Das gibt uns schon mal den üblen Vorgeschmack auf das, was auf uns zukommen wird. Dass Kriege mit seiner Erfindung geführt werden, daran hätte Tim Berners-Lee wohl kaum gedacht. Leider.

  • Frank Furt am 29.04.2013 22:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ein "Digitales Schengen" würde genügen

    Der Crux sind nicht die Hacker selbst, sondern dass sie aus Ländern angreifen, wo sie nicht fassbar sind. Darum propagier eine Art "Digitales Schengen", wo es eine stark eingeschränkte Aussengrenze gibt (Deep Packet Inspection(DPI)-Firewall). Wessen Staat den (auch moralischen) Standards nicht genügt wird somit mit Nachteilen rechnen müssen. Dass dies technisch möglich ist, zeigt der "grosse chinesische Firewall". Was für Realpersonen gilt, soll auch für Daten gelten - freier Verkehr, bloss wo die rechtlichen Standards erfüllt werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Oertle Christian am 01.05.2013 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr Komplex

    Ich glaube nicht, dass man einfache Soldaten mittels eines Kurses zu einem Hacker ausbilden kann. Die Arbeit die von einem Hacker verrichtet wird ist so komplex und kompliziert, dass man im minimum Einen Abschluss als Applikationsentwickler braucht um den Anweisungen überhaupt folgen zu können

  • Lukas Schnider am 01.05.2013 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Witz?

    Wie geil ist das den. Wenn amerikanische soldaten welche nicht dafür bekannt sind besonders schlau zu sein, an computer sitzen und versuchen sich irgendwo rein zu hacken.. haha die könnten nicht mal eine IP adresse orten wenn es auf einem blatt vor ihnen geschrieben wäre. Wenn es so einfach wäre würde es ja jeder machen. Aber es braucht halt sooooo viel Know-How. Sry army aber wenn ihr was gegen cyperkrieg machen wollt macht es richtig!

  • Infil am 30.04.2013 03:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach wirklich?

    Immer werden die so genannten "Hacker" (absichtlich auf das Wort betont) als die bösen Jungs dargestellt. Natürlich, es gibt auch die Bad Guys, diese sind aber dumme Scriptkiddys, welche sich selbst etwas beweisen wollen. Doch die Hacker wollen Informationen, keine Geheimnistuerei der Politik. Aufdecken was für 'n Schachsinn auf dieser Welt abgeht. Schützt euch nicht grossartig vor Hackern (diese sehen es nicht unbedingt auf Privatpersonen ab, d.H. die "wahren" Hacker), sondern vor dem Staat, denn dieser wird unser wirklicher Feind, wenn das so weiter geht. Kurzer Hinweis: Meinunhgsfreiheit, für meine Worte wird man mich nicht belangen dürfen. Vor allem aus dem Grund, das ich ein freier Mensch bin.

  • Abacus am 30.04.2013 01:44 Report Diesen Beitrag melden

    Master in Cyberoperations?

    Ich glaube kaum, dass "Cyberkrieg" sich so einfach in Militärstudiengänge packen lässt wie die anderen Militärdisziplinen. Wenn man nicht eine Schema F Abwehr aufbauen will, sind echte Experten (mit Informatikstudium oÄ.) notwendig.

  • Dani am 30.04.2013 01:09 Report Diesen Beitrag melden

    Und wir kaufen Kampfjets..

    Muss noch mehr gesagt werden?

    • F1fan12 am 30.04.2013 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      kA

      Wie bitte wollen Sie ein Flugzeug, dass in unserem Luftraum eindringt, mit Hackern abfanen?! Dazu braucht es nunmal Kampfjets und deren Piloten! Noch irgendwelche Fragen?!?

    • stuederi am 01.05.2013 10:13 Report Diesen Beitrag melden

      @F1fan12

      haha F1fan12, wie denkst du den wird in einem Kampfjet alles gesteuert. Genau über online datentransfer. Ein geübter Mann und natürlich auch Frau braucht nur ein Labtop um ein Kampfjet harmloser zu machen als ein schweizer militär traktor. Noch Fragen?!?

    • Sky Captain am 01.05.2013 10:48 Report Diesen Beitrag melden

      Kampfjets trotzdem unverzichtbar

      @Dani. Und wie willst Du ohne Kampfjets überprüfen ob das Flugzeug das die Schweiz überfliegt statt einer C-130 Hercules nicht eine schwer bewaffnete AC-130 ist oder statt ein KC-135Tanker ein RC-135Spionage Flugzeug ist, wie willst Du ohne Kampfjets einFlugzeug mit defektem Transponder eskortieren? Wie eingreifen wenn ein Pilot die Luftverkehrsregeln verletzt und sichUND andere gefärdet. Wie innert Sekunden Notsignale peilen und an REGA weiterleiten....etc. PS: Das Computersystem der Luftwaffe ist ein in sich geschlossenes Netzwerk ohne verbindung zum Internet.. Also besser ruhig sein ..

    • Alex F. am 01.05.2013 12:44 Report Diesen Beitrag melden

      @ F1fan12

      Sie wissen schon, dass ein Hacker, weit grösseren Schaden zufügen kann, als Kampfjets? Sabotage in zivilen und militärischen Anlagen, Wirtschaftsspionage, Datenkontenplünderung etc. Auf Dauer betrachtet, sind die Jets tatsächlich nicht die Beste Lösung, zumal wir nur den Gripen haben und der Rest, Eurofighter. Überflüssig zu sagen, wer in diesem Duell die Oberhand behält.

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