Ab in den Müll

11. Oktober 2012 11:41; Akt: 11.10.2012 15:25 Print

Wir schmeissen täglich eine Mahlzeit weg

Zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel landen jährlich im Abfall. Hauptverantwortlich dafür sind nicht die Händler, sondern er, Sie und wir – die privaten Haushalte.

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In der Schweiz werden jährlich zwei Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel weggeworfen - besonders das Entsorgen von Fleisch belastet die Umwelt. Für den Hauptteil sind die privaten Haushalte verantwortlich. (Bild: WWF)

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In der Schweiz landen pro Jahr etwa zwei Millionen Tonnen einwandfreie Lebensmittel im Abfalleimer – etwa ein Drittel der produzierten Menge. Dies zeigt ein Bericht des WWF und des Vereins foodwaste.ch auf. Der grösste Teil der Verschwendung geschieht bei den Endkonsumenten.

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Jede Person kaufe im Durchschnitt pro Tag 1,5 kg Lebensmittel ein - ohne nicht essbare Teile wie Schalen und Knochen - und werfe etwa ein Fünftel davon weg, schreibt der Umweltverband WWF in einer Mitteilung zum Bericht. Das entspricht 320 Gramm pro Person, also fast einer ganzen Mahlzeit pro Tag.

Zu gross, zu klein oder zu unförmig

Die Haushalte verursachen fast die Hälfte, nämlich 45 Prozent aller Verluste. Ein weiteres Drittel geht bei der Verarbeitungsindustrie verloren, vor allem durch das Aussortieren minderwertiger Ware - Früchte und Gemüse, die auf dem Feld liegen bleiben, weil sie zu gross, zu klein oder zu unförmig für den Handel sind.

Indes würden die hoch gefüllten Mülltonnen der Detailhändler trügen, schreibt der WWF: «Der Detailhandel wird oft als Hauptverschwender dargestellt.» Dabei machen diese Abfälle nur fünf Prozent der Gesamtmenge aus.

Der Bericht basiert auf zwei Masterarbeiten, eine von Claudio Beretta von der ETH Zürich und eine von João Almeida von der Universität Basel. Beide haben unabhängig voneinander die Lebensmittelverluste in der Schweiz mit Lieferketten- und Stoffflussanalysen, Literaturdaten und Befragungen, etwa des Schweizerischen Bauernverbands, erhoben.

Gemüse und Brot am meisten verschwendet

Am meisten werden dem Bericht zufolge Obst, Gemüse sowie Backwaren verschwendet. Von der gesamten Getreideproduktion gehen 68 Prozent verloren, ergab Berettas Studie - der grösste Teil, weil Getreide mit schlechten Backeigenschaften an Tiere verfüttert wird. Die Haushalte sind für ein Drittel der vermeidbaren Verluste verantwortlich. Weiter lehnt der Handel Äpfel mit Flecken oder zu kleine, unförmige Kartoffeln ab.

Nicht jeder Lebensmittelverlust ist mit dem gleichen Verbrauch an Land, Energie oder Wasser verbunden. «Ob man einen Salat aus dem Garten oder eine mit hohem Energieaufwand hergestellte Fertigpizza wegwirft, ist ein Unterschied», schreibt der WWF. Bei Fleisch sei dieser Verschleiss am höchsten: 7 bis 15 Kilogramm Futtermittel steckten in einem Kilo Fleisch.

Ein Drittel könnte vermieden werden – problemlos

Der WWF schätzt, dass ein Drittel der Verluste ohne viel Aufwand vermieden werden könnte. Konsumenten könnten durch bessere Planung, Resteverwertung, luftdichte Lagerung von Lebensmitteln und dem Verzehr von Lebensmitteln mit abgelaufenem Verfallsdatum, die noch geniessbar sind, dazu beitragen.

Weggeworfene und aussortierte Lebensmittel würden ökologisch am sinnvollsten durch Verfütterung und Vergärung wiederverwertet, heisst es im Bericht. Damit könnte auch das Klima geschützt werden: Die Einsparung von zwei Millionen Tonnen CO2 entspricht den jährlichen CO2-Emissionen von rund 500 000 Personenwagen.

(dwi/sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Meine Grosseltern, die den Weltkrieg hautnah miterleben mussten, haben noch heute ein sehr gespaltenes Verhältnis zu abgelaufenen Lebensmitteln. Da wird auch schonmal Aufschnitt verspeist, der in den schönsten Regenbogenfarben schillert.....als Kind zu hungern oder mangelnde Ernährung hinterlässt ein lebenslanges Trauma. Mir haben ihre Erzählungen geholfen, bewusster mit Nahrung umzugehen. – Martina Moehring

Im Bekanntenkreis bereits häufiger erlebt: frisch geöffnete Lebensmittel werden in grossem Umfang weggeworfen, weil man als Gastgeber diese nur für die Gäste gekauft hatte......Auch das Fortwerfen des gesamten Kühlschrankinhalts vor den Ferien finde ich übertrieben. Bei mir gibt es vor den Ferien stets "Resteessen" . – Melanie Stegmann

Problem dieser unseligen Methode liegt nicht nur am Konsument, auch wenns als letztes Glied der Kette solche Ware in den Kübel wirft. Es liegt auch an Detailisten, welche mit immer grösseren Sortimenten aufwarten. Geht man in einen Store einkaufen, verliert man schnell den Überblick u sieht vielerlei Aktionen u kauft, was man eigentlich gar nicht wollte. Psychologische Verkaufsstrategie! Das Ende vom Lied, man hat zuviel, als man es verbrauchen könnte. Früher war es viel besser, man kaufte, was man brauchte, nicht, was man brauchen könnte! Aber wir wollen ja immer mehr aus aller Welt! – Jackmans

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Fuller am 11.10.2012 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Noch nie

    Wo ist das Problem, ich hab noch nie Lebensmittel weggeworfen!!

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  • E.R. am 11.10.2012 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Es sind wieder mal die anderen.

    Da muss es riesige Unterschiede geben, denn ich werfe NIE Nahrungsmittel weg. Wie das? Ganz einfach! Halt nur das einkaufen, was man auch essen kann (soll). Übrigens lassen sich viele Lebensmittel einfrieren, nur so als Tipp...

  • Thomas am 11.10.2012 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wir begehen Suizid und finden es gut!

    Wir konsumieren pestizidverseuchtes Obst und Gemüse, Aspartan-Cola, geimpftes Hormon-Fleisch aus Genfutter, jodieren jedes Essen, verzuckern sämtliche Nahrung und glauben alles aus der Werbung. Hauptsache Nahrung muss billig sein, denn wenn wir krank werden, schlucken wir wirkungslose Tabletten und lassen uns mit einer Chemo behandeln, die Krebs vergrössert. Setzen MHD auf Honig und Pfeffer und werfen alles in den Müll, den wir bezahlen und auch dafür ein Leben lang arbeiten gehen. Wir begehen schleichenden Suizid, finden dafür tausende Entschuldigungen und geben die Schuld anderen! Aufwachen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfredo Francesco am 14.10.2012 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    "Die Augen sind grösser als der Magen!"

    Ein nützlicher Tipp, an den ich mich ledier auch nicht immer halte: Nicht mit leerem Magen einkaufen gehen. "Die Augen sind dann meistens grösser als der Magen!"

  • häää.. am 12.10.2012 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    ich begreiff das nicht...

    ganz ehrlich, noch nie etwas von Resten essen gehört? oder wenn man nur für sich kocht vieleicht mal nur soviel einkaufen und kochen wie man isst. bei uns werfen wir vielleicht alle 3 tage mal etwas weg (weil der käse schimmel hat oder so...)

  • Martina Moehring am 12.10.2012 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kriegskinder

    Meine Grosseltern, die den Weltkrieg hautnah miterleben mussten, haben noch heute ein sehr gespaltenes Verhältnis zu abgelaufenen Lebensmitteln. Da wird auch schonmal Aufschnitt verspeist, der in den schönsten Regenbogenfarben schillert.....als Kind zu hungern oder mangelnde Ernährung hinterlässt ein lebenslanges Trauma. Mir haben ihre Erzählungen geholfen, bewusster mit Nahrung umzugehen.

  • Melanie Stegmann am 12.10.2012 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Im Bekanntenkreis bereits häufiger erlebt: frisch geöffnete Lebensmittel werden in grossem Umfang weggeworfen, weil man als Gastgeber diese nur für die Gäste gekauft hatte......Auch das Fortwerfen des gesamten Kühlschrankinhalts vor den Ferien finde ich übertrieben. Bei mir gibt es vor den Ferien stets "Resteessen" .

  • Jackmans am 12.10.2012 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Detailhandel und Konsument sind schuld

    Problem dieser unseligen Methode liegt nicht nur am Konsument, auch wenns als letztes Glied der Kette solche Ware in den Kübel wirft. Es liegt auch an Detailisten, welche mit immer grösseren Sortimenten aufwarten. Geht man in einen Store einkaufen, verliert man schnell den Überblick u sieht vielerlei Aktionen u kauft, was man eigentlich gar nicht wollte. Psychologische Verkaufsstrategie! Das Ende vom Lied, man hat zuviel, als man es verbrauchen könnte. Früher war es viel besser, man kaufte, was man brauchte, nicht, was man brauchen könnte! Aber wir wollen ja immer mehr aus aller Welt!