Elektronischer Vorkoster

06. Juli 2014 11:26; Akt: 06.07.2014 20:56 Print

Scanner spürt Kalorien im Essen auf

von Jon Gerberg, AP - Ein neues Gerät erkennt einfach, was in Lebensmitteln und Arzneien steckt. Sein Erfinder glaubt, dass der Scanner viele Alltagsgewohnheiten revolutionieren wird.

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Ein neuer Scanner von der Grösse eines USB-Sticks soll die chemische Zusammensetzung von Nahrungsmitteln und Medikamenten erkennen. Noch ist das Gerät auf einige wenige Anwendungen beschränkt. Doch der Erfinder Dror Scharon von der Firma Consumer Physics hat die Vision eines Apparats, der eine umfangreiche Datensammlung aufbaut, die es Nutzern erlaubt, die Stoffe in ihrer Umgebung zu analysieren.

Das sogenannte SciO ist ein Infrarotspektrometer und wird für drei Anwendungen angeboten: Nahrungsmittel, Medikamente und Gartenbau. Durch einfaches Anpeilen und Anklicken eines winzigen digitalen Scanners können Nutzer sehen, wie viele Kalorien ein Stück Käse enthält, oder feststellen, wann eine Tomate voll ausgereift ist. Sein Name geht auf das lateinische Wort für das Verb «wissen» (scire) zurück.

Erst der Anfang

Noch scheint das Gerät lediglich ein netter Zeitvertreib zu sein. Doch könnte es letztlich, sagen seine Befürworter, lebensrettenden Nutzen haben. So könnte SciO eines Tages feststellen, ob Essen verunreinigt ist oder ein Medikament eine Fälschung.

«Die grösste Auswirkung wird sein, das Bewusstsein der Menschen für die materielle Welt um sie herum zu schärfen, was bereits ein enormer Effekt ist», sagt Sanford Ruhman von der Hebräischen Universität in Jerusalem, der nicht an der Entwicklung des Geräts beteiligt ist und sich selbst als «von Natur aus skeptisch» bezeichnet. Die Fähigkeit, Chemikalien aufzuspüren, könnte zukünftig auf dem Gebiet der Gesundheit oder der Sicherheit von Vorteil sein. «Das ist erst der Anfang von etwas, was noch viel umfangreicher werden kann.»

Scharon, der am Massachusetts Institute of Technology Ingenieurwesen studiert hat, spricht von der nächsten Generation des Googelns. Gegenwärtig sei die Suche nach Informationen mühsam: Der Nutzer müsse sich eine Frage ausdenken, die passenden Suchbegriffe finden, sie in eine Suchmaschine eingeben und hoffen, dass nützliche Ergebnisse angezeigt werden. Mit dem Spektrometer hingegen könne man einfach auf einen Gegenstand zeigen, ohne überhaupt zu wissen, worum es sich dabei handelt.

Grosses Potenzial

Das Gerät misst dann die Molekularstruktur des Gegenstands, gleicht die Informationen mit einer stetig wachsenden Datensammlung ab und kann dann zusätzliche Daten an das Smartphone des Nutzers senden. «Ich glaube, es wird die Welt auf vielfältige Weise verändern», sagt Scharon. Das Gerät könnte nach seinen Worten das Potenzial haben, Autoreifen, Benzintanks, Bodenproben oder den menschlichen Körper zu überwachen.

Derzeit würden die Fähigkeiten des Geräts noch von dessen relativ geringem Datenbestand beschränkt, sagt Scharon. Doch er erwarte, dass Tausende der Investoren, die ihn auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter unterstützt haben, bis Ende des Jahres einen SciO erhalten haben werden, um beim Aufbau «der weltweit grössten Materie-Datenbank» zu helfen. Sie soll online gespeichert werden, so dass jeder Nutzer darauf Zugriff hat. Zusätzlich sollen Hunderte dieser neuen Unterstützer als Entwickler daran mitwirken, die Software von SciO zu optimieren. Scharon erwartet, dass das Gerät «irgendwann nächstes Jahr» zum Preis von 299 Dollar auf den Markt kommt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stromboli am 06.07.2014 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Genialistisch

    WENN das Gerät das hält was es verspricht und der Preis akzeptabel ist, wird es eine Riesenzukunft haben. Die Lebensmittel Industrie wird aber kaum eine Freude dran haben, aber die Konsumenten. Man stelle sich der Vorteil für z.B. Diabetiker! Das Gerät findet ob ein Produkt Zucker hat, überall. Einfach Genial!

  • Fab am 06.07.2014 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :-))

    Das erinnert mich an Star Trek;-)

  • Markus am 06.07.2014 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Hihi

    Kann ich dan herausfinden wieviel THC gehalt mein weed hat?? wäre noch praktisch :) (gestreckt wird es nicht da ich ein Grower bin und kein Schwarzmarkt heini...)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ETH Chemiker am 07.07.2014 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Quacksalberei

    Absoluter Schwachsinn... Es ist is selbst mit high-tech IR spektrometern sehr anspruchsvoll bis unmöglich, die struktur isolierter(!) Verbindungen zu bestimmen. geschweige denn von Gemischen. Das Konzept hat nur bei sehr ausgewählten anwendungen überhaupt eine chance.

  • shredder am 07.07.2014 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    YEAH

    Cool, IIFYM on a new level :D

  • Jammer am 07.07.2014 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    alles Mist App

    und ich warte auf ein Gerät oder App, das mir sagt, das all diese Geräte und Apps einfach scheisse sind und wir doch einfach wieder leben sollen.

  • Andi N. am 07.07.2014 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Hammer

    Ich möchte einen ABC Scanner im Handy. Nach Mühleberg vor allem Radioaktivität! Danke!

    • realist am 07.07.2014 22:03 Report Diesen Beitrag melden

      geigerzähler

      dafür gibt es doch geigerzähler?

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  • baba am 07.07.2014 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    unwissende sind glücklicher

    möchten wir wirklich ganz genau wissen was in unserem Essen drin steckt? Denn wenn es wirklich dazu kommen würde, könnten wir wohl gar nix mehr essen oder trinken....

    • Peter am 07.07.2014 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      Aus den Augen...

      Und da denken sie, dass wenn man es nicht weiss, das Problem aufgehoben ist, quasi nach dem Motto "Aus den Augen aus dem Sinn"? Essen ist etwas was ich täglich mache, da möchte ich schon wissen, was ich meinem Körper zuführe.

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